PTA-Forum online
Spironolacton-Suspension

Klümpchen vermeiden

Die PTA Gabi Galenik findet morgens ein Rezept mit einer Rezeptur im Labor liegen. Es handelt sich um eine Spironolacton-Suspension zum Einnehmen, die die Patientin am Nachmittag abholen will. Gabi erinnert sich, dass sie vor ein paar Jahren schon einmal diese Suspension hergestellt hat. Damals hatte sie Schwierigkeiten bei der Herstellung, weil sich Klümpchen bildeten, die sie nicht beseitigen konnte.
Andreas Melhorn
25.11.2022  08:30 Uhr

Spironolacton ist ein kaliumsparendes Diuretikum. Das Rezept ist für ein Kleinkind ausgestellt. In der Pädiatrie wird Spironolacton häufig bei Herzinsuffizienz eingesetzt. Die Dosierung wird individuell festgelegt. Auf dem Rezept ist keine Dosierung angegeben. »DJ« reicht nicht aus. Gabi notiert sich, dass sie in der Klinik, die das Rezept ausgestellt hat, anruft, um die Dosierung zu erfragen.

Aerosil® wird zugesetzt, um zu gewährleisten, dass sich die Suspension aufschütteln lässt. Ohne den Hilfsstoff backt das Pulver zusammen, wenn es sich absetzt. Auch die Mikrokristalline Cellulose unterstützt das Aufschütteln.

Die Grundlage für Suspensionen zum Einnehmen DAC ist eine Stammzubereitung (Vorschrift S.52. im DAC/NRF). Sie besteht aus Hydroxyethylcellulose 10000, Glucose-Monohydrat, Citronensäure und Wasser und ist mit Kaliumsorbat konserviert. Die Citronensäure erniedrigt den pH-Wert, damit das Kaliumsorbat antimikrobiell wirken kann. Die Hydroxyethylcellulose erhöht die Viskosität und das Glucose-Monohydrat wird zugesetzt, um den Geschmack zu korrigieren. Die Haltbarkeit der Grundlage wird im DAC/NRF mit sechs Monaten angegeben. Gabi schaut in der Taxe nach und freut sich zu sehen, dass die Grundlage fertig bestellt werden kann und glücklicherweise sogar lieferbar ist.

Andere Konzentration

Sie sucht über die Webseite des DAC/NRF und findet die standardisierte Rezepturvorschrift »Spironolacton-Suspension 5 mg/mL (NRF 26.5.)«. Die Konzentration der Suspension ist hier mit 5 mg/mL angegeben. Da gelöste Glucose Einfluss auf die Dichte einer Lösung hat, entsprechen 100 mL der Saftgrundlage nicht 100 g. Die Vorschrift gibt an, dass bei der Herstellung von 100 mL auf 104,2 g aufgefüllt werden soll. Laut Rezept soll auf 100 g aufgefüllt werden, was zu einer etwas anderen Konzentration führen würde. Da Gabi sowieso in der Klinik anrufen muss, notiert sie gleich mit, ob das Absicht ist oder eigentlich die standardisierte Vorschrift mit einer Konzentration von 5 mg/mL hergestellt werden soll. Gabi schaut sich die Vorschrift etwas genauer an und stellt fest, dass hier keine mikrokristalline Cellulose verarbeitet werden soll – eine weitere Abweichung vom Rezept. Sie sucht erneut auf der Webseite des DAC/NRF und findet einen Rezepturtipp, der erklärt, dass sich die Rezepturzusammensetzung geändert hat. Durch eine neue Herstellungstechnik kann auf die Mikrokristalline Cellulose verzichtet werden. Gabi geht davon aus, dass die Herstellung damit einfacher wird, als sie es in Erinnerung hat.

Zwei Wege

Laut Rezepturvorschrift gibt es zwei Möglichkeiten, um die Suspension herzustellen: Per Hand oder mit einem Stabmixer. Da die Apotheke vor kurzem einen Stabmixer angeschafft hat, würde ihn Gabi gerne ausprobieren. Zur Benutzung eines Stabmixers muss ein Mindestvolumen verarbeitet werden, damit das Gerät tief genug in die Mischung eintauchen kann. Laut Vorschrift kann ab 50 mL der Mixer verwendet werden. Bei höheren Volumina soll der Stabmixer sogar benutzt werden, weil das Anreiben der Pulver mit der Grundlage bei größeren Ansätzen schwieriger wird und leichter Agglomerate entstehen, die nicht wieder verrieben werden können.

Da sie 100 mL herstellen soll, kann Gabi den Stabmixer verwenden. Trotzdem wirft sie einen Blick auf die händische Herstellung. Zunächst wird das Hochdisperse Siliciumdioxid (Aerosil®) in einer Fantaschale verrieben. Um beurteilen zu können, ob die Anreibungen frei von Klümpchen sind, soll eine Fantaschale aus Glas oder Metall verwendet werden. Anschließend wird die zehnfache Menge an Grundlage hinzugegeben und unter Abschaben angerieben. In kleinen Teilen, die in der Vorschrift genau genannt werden, wird weiter aufgefüllt und immer wieder angerieben, bis ein Teil der Gesamtansatzmenge vorliegt. Diese Mischung wird beiseitegestellt.

Anschließend wird mit dem Spironolacton genauso verfahren. Die Vorschrift gibt auch hier genau an, welche Mengen an Grundlage jeweils hinzugegeben werden sollen. Ist die zweite Anreibung fertig, wird die erste hinzugegeben und verrührt. Anschließend wird weitere Grundlage in mehreren Teilen hinzugegeben und wieder verrührt, bis die gewünschte Menge an Suspension vorliegt.

Zügig arbeiten

Es ist darauf zu achten, dass zügig und sauber gearbeitet wird. Die Suspension trocknet schnell an, was zu unerwünschten Klümpchen führen kann. Des Weiteren wird beschrieben, dass die angegebenen Mengen und die Arbeitsreihenfolge genau eingehalten werden sollen. Andernfalls können auch hier größere Agglomerate entstehen. Kleinere Agglomerate von unter einem Millimeter Größe können laut Vorschrift akzeptiert werden, weil sie sich unter Umständen nicht völlig vermeiden lassen. Die Herstellung mit Stabmixer ist einfacher. Sie erfordert lediglich die erwähnte Mindestmenge an herzustellender Suspension und ein Becherglas in einer passenden Größe, sodass der Mixer hineinpasst und die Füllhöhe ausreicht. Das Becherglas darf nicht zu hoch befüllt werden, damit beim Mischvorgang nichts herausschwappt. Man gibt alle Bestandteile in das Becherglas und mischt mit dem Mixer, bis die Suspension gleichmäßig ist. Überprüfen lässt sich das, indem man die Suspension kurz stehen und sich absetzen lässt. Größere Klumpen kann man am Becherglasboden sehen. Zur Unterstützung kann es gegen helles Licht gehalten werden. Eventuell kontrolliert man die Temperatur. Eine zu hohe Temperatur kann zu einer übersättigten Wirkstofflösung führen.

Gabi bespricht sich kurz mit dem diensthabenden Apotheker und versucht anschließend, in der Klinik anzurufen. Nach mehreren Versuchen erreicht sie jemanden und ihr wird mitgeteilt, dass die Dosierung 5 mg täglich beträgt. Sie wird außerdem gebeten, die Konzentration wie erwartet auf 5 mg/mL festzulegen und 100 mL herzustellen.

Für eine genaue Dosierung soll eine Kolbenpipette verwendet werden. Bei den kleinen Volumina eignen sich Messbecher oder -löffel nicht. Gabi stellt die Suspension her und füllt sie in eine Braunglasflasche mit Kolbenpipette mit Steckeinsatz ab. 

Mehr von Avoxa