PTA-Forum online
Alles Formsache?

Körperbau und Sporterfolg

Turnen, Laufen, Basketball… Unter den Sportlern jeder Sportart dominiert jeweils ein bestimmter Körperbau. Ob die jeweils dominierende Statur Voraussetzung für den sportlichen Erfolg ist oder hartes Training dahintersteckt, erforschen Sportanthropologen.
Carina Steyer
05.07.2021  09:00 Uhr

Schon im Altertum erkannten die Gelehrten, dass es einen Zusammenhang zwischen Körperbau und sportlicher Leistung gibt. Die alten Inder unterteilten die Körperformen in »Gazellen«, »Hirschkühe« und »Elefantenkühe«, was nicht ganz schmeichelhaft ist, aber relativ nah an moderneren Definitionen liegt. Eine davon ist die Typisierung der US-amerikanischen Antrophologin Barbara Honeyman Heath und ihrem neuseeländischen Kollegen J.E. Lindsay Carter, die nach 30-jähriger Forschung 1990 unter dem Titel »Somatotyping: development and applications« veröffentlicht wurde. In Heath und Carters System gibt es drei Grundtypen: Endomorph, Mesomorph und Ektomorph. Endomorphe Typen haben einen erhöhten Körperfettgehalt, wirken rundlich und gedrungen. Die Ektomorphen zeigen ein geringes Breiten-, aber ausgeprägtes Höhenwachstum. Die Mesomorphen zeichnen sich wiederum durch eine starke Entwicklung der Muskulatur und des Skeletts aus.

Um einen Menschen in dieses System einzuordnen, muss der Körper an vielen Punkten genauestens vermessen werden. Sportanthropologen haben dies im Verlauf des 20. Jahrhunderts bei den Teilnehmern der Olympischen Spiele sehr ausführlich gemacht. Dabei zeigte sich, dass Spitzensportler der gleichen Disziplin in der Regel alle in einem sehr engen Bereich innerhalb der Systeme liegen, während es zu anderen Disziplinen deutliche Unterschiede gibt. So wiesen in einer Studie von Peter Bale Mittel- und Langstreckenläufer niedrigere Mesomorphiewerte auf, waren also weniger muskulös als andere Athleten. Gleichzeitig zeigten sie aber höhere Ektomorphiewerte, waren also größer als Sprinter oder Schwimmer. Ein hoher Mesomorphiewert ist vor allem für Sportarten von Bedeutung, die eine hohe Kraftkomponente wie beim Turnen oder Gewichtheben erfordern. Ausdauersportler wie Langstreckenläufer hingegen profitieren von einem eher schlanken, langen Körperbau. Unterschiede gibt es aber auch innerhalb einzelner Disziplinen. So konnten Wissenschaftler der University of Western Australia zeigen, dass Wasserspringerinnen im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen mehr endomorph als mesomorph sind.

Mehr von Avoxa