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Omikron BA.5

Kommt jetzt die Sommerwelle?

Mit steigenden Fallzahlen rechnen viele erst im Herbst oder Winter. Eine Corona-Untervariante könnte aber schon eher für mehr Infektionen sorgen. Was sagen Fachleute dazu?
dpa
14.06.2022  16:00 Uhr

Der Sommer hat 2020 und 2021 für ein Aufatmen in der Corona-Pandemie gesorgt. Doch dieses Jahr verunsichert das zuletzt sich wieder verschärfende Infektionsgeschehen viele. Die Inzidenzen klettern, das Robert-Koch-Institut (RKI) warnt vor wachsendem Infektionsdruck. So blicken Experten aus Wissenschaft und Medizin auf den dritten Corona-Sommer:

Warum steigen die Zahlen wieder?

Die trotz milder Temperaturen zunehmenden Zahlen – die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz machte am Dienstag einen Sprung auf 447,3 im Vergleich zu 331,8 am Vortag – haben laut Experten mehrere Gründe. Zum einen ist da der Omikron-Subtyp BA.5, der zuletzt in Deutschland stetig zulegt. »Die Untervariante BA.5 ist noch ansteckungsfähiger als alle Varianten zuvor, kann sich also auch unter den für das Virus widrigen Bedingungen im Sommer verbreiten«, erklärt Epidemiologe Timo Ulrichs von der Akkon Hochschule für Humanwissenschaften in Berlin. Zudem könne BA.5 nach derzeitigem Kenntnisstand dem Immunsystem entwischen, selbst wenn es schon Kontakt zu Omikron-Varianten hatte, mahnt Ulrichs. Auch vollständig Geimpfte seien nicht vor einer Infektion gefeit. »Das bedeutet, es kommt eine große Anzahl von Wirten für die Verbreitung in Frage.«

Nach Wellen in Ländern wie Portugal rechnen auch hierzulande viele Fachleute damit, dass BA.5 bald dominant werden dürfte. Laut letztem RKI-Wochenbericht beträgt der Anteil von BA.5 nach den letzten Daten etwa von vor zwei Wochen zehn Prozent – er dürfte aber inzwischen weitaus höher liegen, schätzt der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, Carsten Watzl.

Auf der anderen Seite steht ein allgemein verändertes Verhalten vieler Menschen. Hajo Zeeb vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie in Bremen verweist vor dem Hintergrund gefallener Corona-Beschränkungen auf höhere Mobilität und mehr Kontakte – und das bei deutlich geringerem Schutzverhalten wie Maskentragen. Auch die nun bei vielen länger zurückliegende Impfung spiele eine Rolle bei der wieder zunehmenden Verbreitung: »Die Immunität hat im Schnitt abgenommen, vor schweren Erkrankungen sollte aber noch ein deutlicher Schutz vorhanden sein«, so Zeeb.

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