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Diagnostik und Therapie

Komplikationen bei Diabetes in der Pandemie vermeiden

»Diabetes – besser unkompliziert«, unter diesem Motto steht die diesjährige Herbsttagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), die von Freitag, den 6. November bis Sonntag, 8. November, virtuell stattfindet.
Isabel Weinert
05.11.2020  14:00 Uhr

»Die Veranstaltungen der Herbsttagung drehen sich um die Komplikationen des Diabetes, aber es geht auch um die neuen Möglichkeiten in Diagnostik und Therapie, die das Leben der Patienten mit Diabetes einfacher machen und uns Behandelnden neue Chancen eröffnen«, sagte Professor Dr. med. Ralf Lobmann, Tagungspräsident der DDG-Herbsttagung, auf der Vorab-Presskonferenz. Digitalisierung in der Diabetologie wird einer der Schwerpunkte sein, ebenso die folgenden Themen.

Als schwerwiegende Diabetes-Komplikation nannte Lobmann das Diabetische Fußsyndrom (DFS). Ein Diabetes-Folgeschaden, der immer noch häufig in Amputationen mündet. Um das zu verhindern, appellierte Lobmann an erster Stelle an die Eigenverantwortung der Patienten: Für Diabetiker müsse es selbstverständlich dazugehören, täglich ihre Füße zu inspizieren oder inspizieren zu lassen und sie täglich mit einer Harnstoff-haltigen Creme einzucremen. Auf was müssen Diabetiker dabei achten? Vor allem auch auf kleinste Läsionen, betonte der Diabetologe, wie sie sich etwa häufiger an den Fußsohlen zeigen. Entdecken Diabetiker derartige Läsionen, sollte sie der nächste Weg zum Hausarzt führen. Frühzeitig richtig therapieren, das sei entscheidend, um das Fortschreiten eines DFS zu verhindern.

Zügig weiterschicken

Heilten Läsionen auch unter der Therapie des Hausarztes nicht ab, muss der Diabetiker schnellstmöglich an einen Diabetologen beziehungsweise an eine diabetologische Fußambulanz überwiesen werden. Scheine schlimmstenfalls eine Amputation unumgänglich, habe der Patient das Recht auf eine Zweitmeinung. Seit 15 Jahren setzt sich die Arbeitsgemeinschaft Fuß der DDG im Rahmen eines strukturierten Zertifizierungsverfahrens von Behandlungseinrichtungen für den Erhalt amputationsbedrohter Extremitäten bei Menschen mit Diabetes ein. Ein Erfolg: Der gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat dieses Jahr beschlossen, dass gesetzlich krankenversicherte Patienten mit einem DFS vor einer geplanten Amputation einen Rechtsanspruch auf Einholung einer unabhängigen ärztlichen Zweitmeinung haben. Oft ergibt sich daraus doch noch eine Chance, anstelle des gesamten Unterschenkels etwa nur einen Teil des Fußes entfernen zu müssen.

In der ersten Welle der Pandemie konnten Diabetiker mit einem DFS in Deutschland noch gut versorgt werden – anders als in einigen anderen europäischen Ländern. Sorgen macht sich Lobmann, ob sich dieser Standard auch in der zweiten Welle halten lässt. In jedem Fall sollten Patienten den Gang zum Arzt aus Angst vor Covid-19 nicht hinauszögern, so der Experte.

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