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Fleischalternativen

Konkurrenz für die Kuh

High-Tech-Fleischimitate haben die Wissenschaftler in die Ernährungspyramiden nicht aufgenommen. »Viele Menschen kommen früher oder später zu der Erkenntnis, dass es auch ohne diese Produkte geht. Die Zutatenliste ist meist lang und teilweise problematisch«, erklärt Professor Dr. Claus Leitzmann die Entscheidung. Denn die Hersteller sind kreativ, wenn es darum geht, Produkte herzustellen, die Fleisch täuschend ähnlich sehen und schmecken. Enthalten sind oftmals viel Zucker, Salz und Fett sowie viele Zusatzstoffe. Es sind hochgradig verarbeitete Lebensmittel – von Natur so gut wie keine Spur. Nicht selten tummeln sich sogar kritische Inhaltsstoffe darin, wie regelmäßig die Produkttests von Ökotest und Stiftung Warentest zeigen. Für Kritik sorgt oft die hohe Belastung mit gesättigten Mineralölkohlenwasserstoffen (MOSH), die sich im Körper anreichern können und in Tierversuchen zu Organschäden geführt haben. Diese Verunreinigungen stammen meist aus den Verpackungen und werden auch in Bratwürsten aus Fleisch und in anderen Lebensmitteln gefunden.

Trotzdem haben diese Produkte durchaus ihre Daseinsberechtigung. »Sie sind eine Möglichkeit für Fleischesser, ihren Fleischkonsum zu verringern«, räumt Leitzmann ein. Zudem sind manche Fleischimitate mit Vitaminen und Mineralstoffen angereichert und können somit einen Beitrag zur Nährstoffversorgung leisten. Außerdem können sie aufgrund des Proteingehalts und der Proteinqualität, des geringeren Gehaltes an Fett, gesättigten Fettsäuren und Cholesterol einen gesundheitlichen Nutzen bringen.

Zu diesem Ergebnis kommt etwa eine Untersuchung im Auftrag der Albert-Schweizer-Stiftung, die 80 Fleisch- und Wurstalternativen auf Basis ihrer Nähr- und Inhaltsstoffe ernährungsphysiologisch bewertet hat. Einer der Autoren ist Dr. Markus Keller, der auch die Gießener Lebensmittelpyramiden mitentwickelt hat und weltweit zum ersten Professor für vegane Ernährung berufen wurde. Er empfiehlt, aufgrund der enormen Vielfalt dieser Produkte und den Unterschieden bei den Zutatenlisten beim Kauf auf die Nährwertangaben zu achten und Bio-Produkte zu bevorzugen. So zeigte die Untersuchung, dass in ökologisch erzeugten Fleisch- und Wurstalternativen durchschnittlich ein Zusatzstoff pro Produkt enthalten war – zumeist Guarkernmehl als Bindemittel –, während es in den konventionellen Alternativprodukten im Schnitt 3,5 Zusatzstoffe waren. Aromen und Geschmacksverstärker waren in den Bio-Produkten nicht enthalten.

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