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Betriebsklima

Konstruktiv Feedback geben

Für ein gutes Betriebsklima ist es förderlich, sich gegenseitig Feedback zu geben: Was wird im täglichen Miteinander als angenehm oder störend erlebt? Damit das Feedback auch konstruktiv ist, sollte man einige Regeln beachten. Das erleichtert dem Gegenüber, auch kritische Rückmeldungen offen anzunehmen, ohne sich persönlich angegriffen zu fühlen.
Britta Odenthal
05.08.2019
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Ein Beispiel: Sie haben sich über Ihre Kollegin Jasmin geärgert, die Ihnen – besonders in Teamgesprächen – immer wieder ins Wort fällt. Sie möchten sie gerne offen darauf ansprechen. Machen Sie sich dafür zunächst bewusst, warum Sie überhaupt ein Feedback geben wollen. Im Beispiel stört Sie eine konkrete Verhaltensweise der Kollegin, die Sie sonst sehr schätzen. Ihr Ziel ist es, dass die Kollegin Ihnen nicht mehr ins Wort fällt, außerdem möchten Sie die gute kollegiale Beziehung zu ihr beibehalten. Wenn Sie sich aber weiterhin über sie ärgern, kann dies auf Dauer dazu führen, dass Sie sich zurückziehen oder unwirsch im Umgang werden.

Machen Sie sich auch bewusst, warum Jasmin womöglich so handelt. Warum fällt Sie Ihnen häufig ins Wort? Es könnte zum Beispiel einfach eine Gewohnheit sein, oder sie hat ein aufbrausendes Temperament. In den seltensten Fällen steckt Bösartigkeit dahinter. Indem Sie darüber nachdenken, warum Ihr Gegenüber so handelt und versuchen, die Beweggründe zu verstehen, legen Sie den Grundstein für ein gutes Gespräch.

Suchen Sie besser nicht das Gespräch mit der Kollegin, solange Sie noch ärgerlich sind. Der Ärger ist dann für Ihren Gesprächspartner spürbar, und er wird schnell in eine Abwehrhaltung gehen. Versuchen Sie, Ihren Ärger und noch unsortierte Gedanken aufzuschreiben. Das ist eine gute Technik, um sich bewusst zu werden, was genau stört.

Gut vorbereitet

Damit das Gespräch für beide Seiten konstruktiv und zufriedenstellend verläuft, sollten Sie Ihr Feedback zuvor in Worte fassen und notieren. Sie sollten dann prüfen, dass keine Abwertung Ihres Gegenübers darin enthalten ist. Ganz wichtig: Geben Sie negatives Feedback immer nur unter vier Augen. Denn es ist für fast jeden unangenehm, auf ein störendes Verhalten angesprochen zu werden. Hören noch andere Menschen dabei zu, kommt das Gefühl der Scham hinzu.

Kommt es zum Vier-Augen-Gespräch, sollten Sie offen und immer in der Ich-Form formulieren. Stellen Sie die Kritik immer im Gesamtbild dar, damit das Selbstwertgefühl Ihres Gegenübers nicht verletzt wird. Etwa so: »Jasmin, ich arbeite sehr gerne mit dir zusammen, und es ist mir wichtig, dass wir uns offen sagen, wenn uns etwas stört. Ich habe eine konkrete Sache, die ich mir wünsche.« Beschreiben Sie dann möglichst das störende Verhalten anhand einer konkreten Situation. »Jasmin, gestern haben wir im Team darüber gesprochen, wie wir die Mittagspause für nächste Woche regeln wollen. Ich habe einen Wunsch geäußert und du bist mir ins Wort gefallen, ohne dass ich aussprechen konnte.« In dieser Beschreibung ist kein Vorwurf, keine Bewertung, kein „schon wieder“ und kein Abschweifen enthalten. Auch einen Rundumschlag dazu, welche Verhalten von Jasmin Sie außerdem als störend empfinden, sollten Sie vermeiden.

Achten Sie im Gespräch auch auf die Reaktion Ihres Gegenübers. An Körperhaltung und Mimik Ihrer Kollegin werden Sie erkennen können, ob sie offen ist für Ihr Anliegen oder gleich in eine verschlossene und abwehrende Haltung übergeht. Seien Sie hier vorsichtig und geben Sie nur so viel Rückmeldung, wie der andere bereit ist, anzunehmen. Im Zweifel fragen Sie nach, ob Ihr Gegenüber noch bereit ist, zuzuhören. Auf ein störendes Verhalten aufmerksam gemacht zu werden, kann einen sensiblen Menschen schnell überfordern oder beschämen. Wenn Sie den Eindruck haben, dass die Kollegin »dicht macht«, sprechen Sie auch das offen an, ohne zu interpretieren. »Jasmin, sollen wir erst einmal eine Pause machen und an einem anderen Tag weitersprechen?«

Wir-Gefühl stärken

Wenn Ihre Kollegin spürt, dass Sie auch auf ihre Befindlichkeit achten, wird sich ihre innere Haltung womöglich wieder öffnen. Warten Sie ihre Antwort ab. Wenn sie überfordert ist, verabreden Sie sich neu, oder wenn sie weiter zuhören will, bieten ihr an, dass Sie auch jederzeit aufhören können. »Was brauchst du, damit du weiter zuhören kannst?« Vielleicht braucht Jasmin die Gewissheit, dass Sie sie trotz der Kritik noch mögen. Bedanken Sie sich zum Abschluss des Gesprächs möglichst auch bei Ihrer Kollegin. »Danke, dass du dir mein Anliegen angehört hast.« Selbst, wenn noch nicht klar ist, ob sie das Verhalten ändern kann, ist es einen Dank wert, dass Sie Ihnen zugehört hat.

Wenn die Kollegin sich schon sehr lange so verhält, fällt es ihr wahrscheinlich schwer, die Verhaltensweise abzulegen, selbst, wenn sie es ehrlich möchte. Sie können sie auch dabei unterstützen, etwa indem Sie eine kleine Geste verabreden, die nur Sie beide kennen. Daran kann Jasmin leicht bemerken, wenn Sie Ihnen wieder ins Wort fällt. Zum Beispiel können Sie kurz die Hand heben oder sich das Wort natürlich auch zurückholen: »Jasmin, Augenblick bitte, ich bin noch nicht fertig.«

Lob und Anerkennung

Für ein Lob oder eine Anerkennung gelten ebenfalls die oben beschriebenen Regeln. Einige Menschen möchte auch dies nur unter vier Augen bekommen, da sie nicht gerne im Mittelpunkt stehen. Wenn Sie sich sicher sind oder einander besser kennen, kann aber auch die ehrliche Anerkennung vor anderen Ihren Feedbacknehmer sehr freuen. Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt.

Wenn Sie Freude und Ärger im Team offen ansprechen, lernen Sie einander besser kennen und können sich besser orientieren. Wenn Stärken und Schwächen ausgesprochen sind, braucht man sich nicht mehr zu verstecken. Dann fällt es auch leichter, um Hilfe zu bitten und sich gegenseitig zu unterstützen. Jeder kann dann stolz auf das sein, was er kann und dies wird von den Kollegen anerkannt. Das stärkt und motiviert, und auch Kunden werden eine gute und offene Atmosphäre im Team spüren. 

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