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An Gewicht zulegen

Konsumierende Erkrankungen

Erhöhter Energiebedarf

Es gibt Erkrankungen, die mit einem erhöhten Energiebedarf einhergehen. Bei einer Überfunktion der Schilddrüse beispielsweise läuft der Stoffwechsel auf Hochtouren und der Organismus verbrennt mehr Kalorien. Wenn Betroffene nicht entsprechend mehr essen, nehmen sie ab. Bei anderen Erkrankungen benötigt der Körper mehr Energie, weil er mehr in Bewegung ist. So sind Menschen mit Demenz häufig sehr unruhig. Sie führen permanent dieselben Bewegungen aus wie Wischen oder Aufstehen und Hinsetzen, oder sie laufen ständig herum. Messungen in einem Pflegeheim haben ergeben, dass unruhige Kranke bis zu acht Kilometer täglich innerhalb der Einrichtung herumgehen. Der Energiebedarf eines Alzheimerpatienten kann fast doppelt so hoch sein wie der eines gesunden Gleichaltrigen. Wenn der Kranke nicht ausreichend isst, weil er auch dafür zu unruhig ist oder »Essen« nicht mehr versteht, baut der Körper ab.

Bei einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) ist die Atmung erschwert. In der Folge braucht die Atemmuskulatur mehr Energie, um gegen den Widerstand anzukommen. So wundert es nicht, dass bei schätzungsweise 20 bis 60 Prozent der COPD-Patienten eine Mangel- oder Fehlernährung vorliegt. Auch ständiger Husten durch Reizung der Hustenrezeptoren, wie er bei fortgeschrittenen Krebserkrankungen vorkommen kann, verbraucht in relevantem Umfang Energie und trägt dazu bei, dass der Körper Gewicht verliert.

Dauerentzündung

Wissenschaftler haben entdeckt, dass es bei vielen chronischen Erkrankungen zu metabolischen Veränderungen im Muskel- und Fettgewebe kommt. Eine entscheidende Rolle spielen dabei offenbar Entzündungsprozesse. Sie werden durch die zugrundeliegende Erkrankung hervorgerufen und führen zu Gewichtsverlust und zum Verlust von Muskelmasse. Solche Erkrankungen bezeichnen Ärzte als konsumierende Erkrankungen – ein plakativer Begriff: Die Krankheit konsumiert den Körper; sie frisst ihn auf. Zu den konsumierenden Erkrankungen zählen neben der COPD beispielsweise Krebserkrankungen, chronische Infektionskrankheiten wie Aids oder Tuberkulose, chronische Herz- oder Niereninsuffizienz, rheumatoide Arthritis und Alkoholabhängigkeit.

Nicht jeder, der an einer dieser Erkrankungen leidet, verliert an Gewicht. Doch es kommt relativ häufig vor – vor allem, wenn die Erkrankung länger besteht. Die fortlaufende Entzündung im Körper ist unter anderem an erhöhten Plasmakonzentrationen etwa des C-reaktiven Proteins (CRP) erkennbar. Wissenschaftler haben bei den betroffenen Patienten eine große Menge an entzündungsfördernden Zytokinen wie Interleukin-1beta, Interleukin-6, Tumornekrosefaktor-alpha und Interferon-gamma gefunden. Diese stimulieren den Muskelabbau und bremsen die Synthese von Muskelproteinen. Ferner hemmen die Botenstoffe zentral den Appetit und erhöhen den Energieverbrauch im Ruhezustand. Des Weiteren scheint auch ein Mangel an Testosteron und Insulin-like growth factor 1 (IGF-1) eine Rolle zu spielen. Beide sollen eigentlich die Proteinsynthese stimulieren. Diskutiert wird unter Wissenschaftler darüber hinaus, welche Bedeutung möglicherweise erhöhte Konzentrationen von Glucocorticoiden und Myostatin haben. Letzteres ist eine körpereigene Substanz, die das Muskelwachstum hemmt.

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