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Die Last mit den Beinen

Krampfadern aufhalten

Stau nach oben

Wenn die Venenklappen nicht mehr gut schließen, ist der Rückstrom des Blutes aus den Beinen nicht mehr voll gewährleistet. Es versackt in den Beinen und staut sich durch die Perforansvenen zurück bis in das oberflächliche Venensystem. Der steigende Druck weitet die oberflächlichen Venen. Dies zeigt sich nach außen als Besenreiser. Auf Dauer entwickeln sich unter dem zunehmenden Druck geschlängelte Krampfadern. Ärzte bezeichnen diese als Varizen, die Krankheit als Varikosis.

Bis zu einem begrenzten Umfang kann das Lymphsystem bei Venenklappenschwäche zunächst »einspringen« und den Rücktransport von der Blutflüssigkeit (Blutplasma) übernehmen. Wird die Kapazität des Lymphsystems aber überschritten, schwellen die Beine schmerzhaft an. Proteine wie Fibrinogen können aus den Venen austreten. Zudem werden Enzyme frei, die das Kollagengerüst und die Muskelzellen in den Gefäßwänden schädigen. Geht dieser Prozess weiter, entstehen außen an den Venenwänden unlösliche Fibrinkomplexe, die die Versorgung der Zellen mit Sauerstoff und Nährstoffen behindern. Dies geschieht meist oberhalb des Knöchelgelenkes – erkennbar an einer Entzündung und stärkeren Pigmentierung der Haut. Mit der Zeit kann sich daraus ein Geschwür entwickeln, ein Ulcus cruris.

Früh behandeln

Je früher die Vorbeugung und Behandlung der CVI beginnt, desto erfolgversprechender. Zu Beginn reichen physikalische Maßnahmen in der Regel aus. An erster Stelle steht tägliche Venengymnastik. Gemeint sind keine Sportkurse, sondern einfache Übungen, die sich unauffällig zwischendurch im Alltag durchführen lassen. Im Internet finden Patienten viele geeignete Vorschläge, um im Stehen, Sitzen oder Liegen etwas für ihre Venengesundheit zur tun. Besonders venenfreundliche und gesundheitsfördernde Sportarten sind Schwimmen, Wassergymnastik, Radfahren sowie Laufen und Walken. Mit Bewegung kommt die Muskelpumpe in Gang und das Blut wird besser transportiert.

Bewährt haben sich auch Anwendungen nach Pfarrer Sebastian Kneipp, wie kalte Waschungen, Kniegüsse und Wassertreten. Auch so einfache Maßnahmen wie Hochlagern der Beine beim Sitzen oder ein Keil am Fußende des Bettes unterstützen die schwachen Venen wirkungsvoll.

Im weiteren Krankheitsverlauf reichen die genannten Aktionen irgendwann nicht mehr aus und eine weitere Behandlung wird nötig. Regelmäßige Venengymnastik sollten Betroffene aber als Basis der Therapie beibehalten.

Die wirksamste Behandlung bei einer CVI ist die Kompressionstherapie. Dabei wird von außen Druck auf die Venen ausgeübt, um das Blut gegen die Schwerkraft nach oben zu transportieren. Der Venenquerschnitt ist verkleinert und dadurch die Fließgeschwindigkeit des venösen Blutstromes erhöht. Mit der konsequenten Kompressionsbehandlung lässt sich das Fortschreiten der CVI für lange Zeit stoppen. Wenn allerdings schon ausprägte Krampfadern bestehen, bilden sie sich nicht mehr zurück.

Kompressionsstrümpfe erfreuen sich leider keiner großen Beliebtheit. Umso wichtiger, dass PTA und Apotheker die Behandlung erklären und Vorbehalte abbauen. Kompressionstrümpfe gibt es sowohl als Kniestrümpfe als auch als Strumpfhosen. Sie werden anhand des Druckes, mit dem sie an den Fußknöcheln auf die Venen wirken, in vier Stärken (I bis IV) eingeteilt. Am häufigsten kommen Strümpfe der Klasse II zum Einsatz. Es gibt sie in vielen Farben fertig als Konfektionsware. Strümpfe der Kompressionsklasse III und IV werden hingegen nach Maß angefertigt.

Neben Kompressionsstrümpfen werden auch Kompressionsverbände eingesetzt. Es gehört Können dazu, um sie so korrekt anzulegen, dass sie keine Gewebeschäden verursachen. Sogenannte Medizinische adaptive Kompressionssysteme (MAK) sind relativ neue Systeme mit Klettverschlüssen, die sich leichter anlegen lassen als herkömmliche Verbände. Etwas aufwändiger ist die Intermittierende pneumatische Kompressionstherapie (IPK). Dabei wird eine aufblasbare Manschette über das Bein gezogen, automatisch aufgepumpt und später wieder entlastet. Dies beschleunigt den Fluss in den Venen und Lymphgefäßen und erleichtert die Resorption von Ödemen. Die IPK kann in der Arztpraxis oder zu Hause durchgeführt werden.

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