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Welt-Adipositas-Tag

Krebs durch Übergewicht – ein schwerwiegendes Problem

Übergewicht ist ein ernst zu nehmender Risikofaktor für zahlreiche Krebserkrankungen. Insbesondere Fettleibigkeit und die damit einhergehenden Stoffwechselstörungen sollten im Zusammenhang mit Krebs nicht unterschätzt werden, erklären Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) anlässlich des heutigen Welt-Adipositas-Tags (»World Obesity Day«).
Katja Egermeier
04.03.2020  16:20 Uhr

Viele Menschen sehen aus Sicht des DKFZ in starkem Übergewicht vor allem ein ästhetisches Problem. Nur wenig ernst- und wahrgenommen würden dagegen die mit Adipositas einhergehenden schwerwiegenden gesundheitlichen Auswirkungen. Dass Fettleibigkeit zudem eine ernst zu nehmende Rolle bei der Entstehung von Krebs spielt, sei häufig nicht einmal bekannt.

Wie das DKFZ in einer Pressemitteilung berichtet, sind deutsche Wissenschaftler in einer Studie von 2018 (»Deutsches Ärzteblatt«) zu dem Ergebnis gekommen, dass 7 Prozent der Krebsneuerkrankungen durch Übergewicht bedingt sind. Damit erkranken jedes Jahr etwa 30.500 Deutsche an Krebs, der durch ihr Übergewicht bedingt ist.

Laut einer weiteren Studie, die 2016 im »New England Journal of Medicine« veröffentlicht worden ist, zählen zu den Krebsarten, die bei fettleibigen Menschen erheblich häufiger auftreten als bei Normalgewichtigen: Darm- und Enddarmkrebs, Gebärmutterkrebs, Speiseröhrenkrebs, Nierenzellkrebs und Brustkrebs nach den Wechseljahren. Auch erkrankten adipöse Menschen häufiger an Leber- oder Bauchspeicheldrüsenkrebs, an Eierstockkrebs oder an einem Multiplen Myelom. Die Studiendaten lassen laut DKFZ auf einen Zusammenhang von Dosis und Wirkung schließen: Je stärker ausgeprägt die Fettleibigkeit, desto höher sei auch das Krebsrisiko.

Problemzone Bauch

Besonders gefährlich ist laut Rudolf Kaaks, Epidemiologe am DKFZ, das viszerale Fett. »Das ungesunde Bauchfett ist der Krebstreiber, nicht so sehr die Fettpölsterchen an Po und Beinen.« Daher könnten auch Personen, die eigentlich als schlank gelten, ein erhöhtes Krebsrisiko haben – ohne etwas davon zu ahnen.

»Zu den biologischen Vermittlern dafür, dass Übergewicht Krebs fördert, zählen beispielsweise Sexualhormone und Entzündungsbotenstoffe, die vom Fettgewebe produziert werden«, erklärt Mathias Heikenwälder, Stoffwechselforscher am DKFZ. Dass Entzündungen ein Krebsbeschleuniger seien, wisse man inzwischen sehr gut. Und Sexualhormone wirkten auf viele Zellen als Wachstumsfaktoren, die das Krebswachstum antreiben. Bei Übergewichtigen finden sich laut Heikenwälder darüber hinaus erhöhte Mengen des Wachstumsfaktors IGF (»Insulin like growth factor«), der ebenfalls das Zellwachstum antreibe.

»Es ist schwer, dauerhaft abzunehmen. Achten Sie deshalb darauf, dass sich die Pfunde gar nicht erst ansammeln. Und achten Sie auch bei Ihren Kindern darauf.« 
Rudolf Kaas, Epidemiologe beim DKFZ

Zunehmende Fettleibigkeit bei Kindern

Häufig hat Adipositas seinen Ursprung schon in der frühen Kindheit. Einer internationalen Untersuchung zufolge haben sich Kinder und Heranwachsende in vielen Teilen der Welt zur übergewichtigsten Bevölkerungsgruppe entwickelt – ausgehend von dem Konsum von Lebensmitteln mit hoher Energiedichte wie stark verarbeiteten Lebensmitteln. Hermann Brenner, ebenfalls Epidemiologe am DKFZ, prognostiziert, dass im Jahr 2022 weltweit mehr adipöse als untergewichtige 5- bis 19-Jährige leben werden.

»Innerhalb von 40 Jahren, zwischen 1975 und 2016, ist die Rate fettleibiger Kinder von unter 1 Prozent auf annähernd 6 Prozent bei Mädchen sowie fast 8 Prozent bei Jungen gestiegen.« Brenner sieht hier die Politik in der Pflicht. Maßnahmen könnten beispielsweise eine Kennzeichnung von Lebensmitteln, eine gesundheitsförderliche Preispolitik oder eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung im schulischen Umfeld sein.

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