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Herztransplantation

Kunstherz als Alternative

Vor etwas mehr als 50 Jahren wurde die erste Herztransplantation durchgeführt. Seitdem ist viel passiert. Die technischen Möglichkeiten sind ausgereifter, können Zeit überbrücken und die Transplantation mitunter sogar ganz ersetzen.
Carina Steyer
09.02.2021  16:00 Uhr

Die Gründe, warum ein Herz zu versagen droht, sind vielfältig. Eine Herzmuskelentzündung, ein langjähriger Bluthochdruck, ein überstandener Herzinfarkt oder angeborene Herzfehler können das Herz so sehr belasten, dass es nicht mehr die notwendige Leistung erbringt. Mediziner sprechen von einer Herzinsuffizienz (Herzschwäche) und unterscheiden die akute von der chronischen Form. Erstere tritt innerhalb weniger Minuten bis Stunden ein und äußert sich unter anderem mit stechenden Brustschmerzen, Atemnot, Angstgefühlen, Schwindel und Bewusstlosigkeit.

Nach Angaben der Deutschen Herzstiftung kommt es pro Jahr zu über 465.000 Klinikeinweisungen aufgrund einer Herzschwäche. Bei vielen der Patienten stellt sich heraus, dass hinter dem akuten Notfall eine chronische Herzinsuffizienz steckt. Neben der Behandlung der auslösenden Grunderkrankung helfen Diuretika, ACE-Hemmer, ARNI und Beta-Blocker, das Herz wieder zu entlasten. Viele Patienten können so weiterhin ein normales und aktives Leben führen, von ihrer Herzschwäche bemerken sie im Alltag nichts. Auf der New York Heart Association (NYHA) Skala entspricht dieser Zustand dem Stadium I.

Endpunkt Herzversagen

Mitunter schreitet die Erkrankung trotz Ausschöpfung aller medikamentösen und chirurgischen Maßnahmen fort. Beschwerden der Herzschwäche zeigen sich nun zunächst bei starker körperlicher Belastung (Stadium II), später bei leichter körperlicher Belastung (Stadium III) und zuletzt auch in Ruhe (Stadium IV). Bis erwachsene Patienten Stadium IV erreichen, vergehen häufig Monate bis Jahre. Bei Kindern mit schweren Herzfehlern verschlechtert sich der Zustand oft wesentlich schneller. Unabhängig von der Schnelligkeit steht am Ende das terminale Herzversagen. Um dieses zu verhindern, bleiben nur noch zwei Optionen: Herztransplantation oder Kunstherz.

Neben dem persönlichen Wunsch des Patienten spielen bei der Wahl der richtigen Option zahlreiche medizinische Kriterien eine Rolle. So ist zum Beispiel der Ausschluss bösartiger Tumorerkrankungen, chronischer Infektionskrankheiten oder weiterer schwerwiegender Erkrankungen, die ein lebensbedrohliches Risiko für den Erfolg der Transplantation darstellen, Voraussetzung für die Aufnahme auf die Transplantationswarteliste. Während der Wartezeit werden Aufnahmekriterien und Indikation zur Transplantation regelmäßig überprüft. Die Patienten werden zudem gebeten, auch vorübergehende Hinderungsgründe für eine Transplantation immer bekannt zu geben. Dazu gehören neben harmlosen Infektionen zum Beispiel Reisen, die verhindern, dass der Betroffene erreichbar ist und innerhalb kürzester Zeit im Transplantationszentrum eintreffen kann.

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