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Gesunde Augen

Kurzsichtigkeit von Kindern vorbeugen

Über 700.000 Abc-Schützen kommen in diesen Wochen zur Schule, um lesen, schreiben und rechnen zu lernen. Dabei werden ihre durch Smartphones, Tablets und Computer bereits überstrapazierten Augen noch zusätzlich gefordert. »Es steigt das Risiko, eine Kurzsichtigkeit, in der Fachsprache Myopie, zu entwickeln«, warnt die Stiftung Auge der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG).
Christiane Berg
14.09.2020  15:30 Uhr

»Wie beim ständigen Schauen auf das Smartphone sind die Augen auch beim kontinuierlichen Lesen ohne Pause übermäßig auf Dinge im Nahbereich fokussiert und müssen sich nur auf eine Distanz einstellen«, erläutert Professor Christian Ohrloff, Frankfurt. Werde diese Tätigkeit wiederholt über längere Zeiträume ausgeführt, führe das zu einem verstärkten Längenwachstum des Augapfels und der Abstand zwischen Augenlinse und Netzhaut vergrößert sich

Möglichst früh behandeln

Kurzsichtige Menschen erkennen Dinge in der Ferne schlechter, da bei ihnen die »Brennweite« des Auges nicht mehr stimmt. »Die Bilder aus der Ferne kommen unscharf auf der Netzhaut an«, betont der Ophthalmologe. Bleibt eine Myopie unerkannt oder unbehandelt, könne dies nicht nur zu Schwierigkeiten beim Lernen, sondern auch zu gravierenden Folgeerkrankungen im Erwachsenenalter, etwa Grüner Star, Netzhautablösung oder Makuladegeneration, führen.

»Wenn ein Kind beim Blick in die Ferne die Augen zusammenkneift oder sich Bücher und Spielsachen sehr nah vor die Augen hält, könnte dies auf eine beginnende Kurzsichtigkeit hindeuten. Die Eltern sollten mit ihm einen Augenarzt aufsuchen«, so lautet die Empfehlung des ehemaligen Direktors der Universitäts-Augenklinik Frankfurt am Main. Er betont, dass eine Myopie möglichst frühzeitig behandelt werden sollte.

Atropin-Augentropfen bremsen Myopie

Myope Menschen können ihre Sehschwäche mithilfe einer Brille oder speziellen Kontaktlinsen ausgleichen oder gegebenenfalls operativ korrigieren lassen. Um das Voranschreiten einer Kurzsichtigkeit speziell bei Kindern zu bremsen, könne zudem der Einsatz von Augentropfen mit dem niedrig dosierten Tollkirschenextrakt Atropin sinnvoll sein.

Bereits anlässlich ihres wissenschaftlichen Kongresses Ende letzten Jahres in Berlin hat die DOG darauf aufmerksam gemacht, dass Atropin-Tropfen in der geringen Konzentration von 0,01 Prozent gut wirken und dabei auch gut verträglich sind. Dieses, so hieß es, sei zwischenzeitlich durch große und aussagekräftige Studien belegt. Seit ihrer Veröffentlichung habe sich die Anwendung niedrig dosierter Atropin-Augentropfen weltweit durchsetzen können.

Für die Atropin-Therapie kämen Kinder im Alter von sechs bis 14 Jahren in Frage, bei denen die Kurzsichtigkeit pro Jahr um mindestens eine halbe Dioptrie zunimmt. Die Eltern geben abends vor dem Zubettgehen jeweils einen Tropfen in jedes Auge. Unwillkürliches Blinzeln sorge für eine gute Verteilung des Wirkstoffs. Wichtig sei eine Tropfen-Zubereitung ohne Konservierungsmittel und somit die professionelle Herstellung basierend auf entsprechenden Rezepturen und Vorschriften in der Apotheke.

Zudem müsse der Augenarzt die Eltern darauf hinweisen, dass es sich bei dieser Behandlung um einen sogenannten Off-Label-Use handelt – um einen Gebrauch also, für den es bei Kurzsichtigkeit noch keine offizielle Zulassung gibt. Des Weiteren sollten sie wissen, dass circa 10 Prozent der Kinder nicht auf diese Therapie ansprechen. Nach zwei Jahren Therapiedauer entscheide der Augenarzt, ob die Behandlung fortgesetzt werden sollte.

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