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Legal, günstig und gar nicht lustig

Lachgas wird zum Problem

Kostengünstig und legal: Für den schnellen Rausch atmen immer mehr junge Menschen in Europa Lachgas ein. Die Droge wird entweder aus den Sahne-Kartuschen oder aus damit gefüllten Luftballons inhaliert. Experten warnen nun vor den Folgen.
PTA-Forum/dpa
13.08.2019
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In den Niederlanden habe der Konsum von Lachgas bereits drastisch zugenommen. Nach dem niederländischen Sucht-Bericht hat jeder fünfte Jugendliche zwischen 20 und 24 Jahren schon Lachgas inhaliert. Auch in der Gruppe bis zu 35 Jahren werde es zunehmend zu einer beliebten und preiswerten Party-Droge.

Bei «durchschnittlichem Konsum» von fünf bis zehn Kapseln einmal im Monat ist die Partydroge nach Angaben des Gesundheitsamtes relativ ungefährlich. Es führe zu einem kurzen Rausch von 30 Sekunden bis höchstens einigen Minuten. Konsumenten berichten von verstärkten Sinneseindrücken und einem Kribbeln am ganzen Körper. Manche kichern unbändig. In Kombination mit Alkohol oder anderen Drogen und vor allem bei exzessiven Konsum jedoch könne das Gas zu dauerhaften Schäden am zentralen Nervensystem und Lähmungen führen.

Die Zahl der Vergiftungen durch Lachgas sei sprunghaft angestiegen, meldet das Nationale Informationszentrum für Vergiftungen im niederländischen Utrecht. Hatte es 2015 noch insgesamt 13 Fälle gegeben, wurden im ersten Halbjahr 2019 bereits 67 Fälle gemeldet. Es gehe um Schwindelanfälle, Übelkeit und Lähmungserscheinungen. Das Gesundheitsministerium prüfe, den Verkauf zu reglementieren.

Das Problem: Lachgas oder Distickstoffmonoxid ist seit 2016 legal erhältlich und befindet sich etwa in Kapseln für Sahnespender. Es fällt nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofes nicht länger unter das strenge Arzneimittelgesetz. Sahnekapseln beispielsweise seien online oder im Supermarkt zu kaufen. Das könne jeder und sei nicht teuer.

In Deutschland noch nicht problematisch

Auch in Dänemark will eine Mehrheit der Parteien den Verkauf von Lachgaspatronen regulieren. Die Missbrauchsfälle steigen den Behörden zufolge kontinuierlich. In Kopenhagen häuften sich Meldungen über Angstanfälle, Erfrierungen durch eiskalte Kartuschen oder langandauernde Konzentrationsschwächen. »Das sind Personen, die seit langem das Gas konsumieren. Sie nehmen, 50, 100 oder 200 Lachgaspatronen täglich«, sagte Dorte Fris Palmqvist, Oberärztin am Bispebjerg Krankenhaus der Zeitung »Berlingske«.

Im deutschen Drogen- und Suchtbericht spielt Lachgas noch keine Rolle. Doch in der Partyszene komme es punktuell vor, so das Büro der Drogenbeauftragten der Bundesregierung. Verlässliche Zahlen gibt es nicht. Eine Studie von Drogenforschern der Universität Frankfurt machte 2018 deutlich, dass sich die Zahl jugendlicher Lachgas-Konsumenten in drei Jahren verdoppelt habe. Demnach hatten 12 Prozent der Jugendlichen schon mal Lachgas ausprobiert.

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