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Feigwarzen

Lästig, aber ungefährlich

Feigwarzen werden von den Betroffenen meist als störend und hässlich erlebt. Medizinisch sind sie allerdings relativ harmlos. Kondome schützen nicht sicher vor einer Ansteckung – der beste Schutz ist die HPV-Impfung.
Carina Steyer
08.07.2019
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Feigwarzen (auch Genitalwarzen, Kondylome oder Condylomata acuminata) zählen weltweit zu den häufigsten sexuell übertragbaren Infektionen (STI). Ausgelöst werden sie von humanen Papillomviren (überwiegend HPV 6 und 11), die durch engen Haut- oder Schleimhaut-Kontakt vor allem beim vaginalen, Oral- oder Analverkehr übertragen werden. In Ausnahmefällen ist eine Übertragung auch durch Schmierinfektion, zum Beispiel durch gemeinsam genutztes Sexspielzeug oder während der Geburt zwischen Mutter und Kind möglich. Die Viren dringen über Mikroverletzungen in die Haut- oder Schleimhaut ein und infizieren die Epithelzellen der Basalzellschicht.

Die meisten sexuell aktiven Menschen infizieren sich zumindest einmal im Leben mit HPV. Die Zahl der von Feigwarzen Betroffenen liegt nach Angaben des Robert-Koch-Instituts jedoch nur bei 1 bis 2 Prozent der sexuell aktiven Erwachsenen zwischen dem 15. und 49. Lebensjahr. Dieser Unterschied rührt daher, dass der größte Teil der HPV-Infektionen keine Beschwerden verursacht, selbstständig ausheilt und die Viren ein bis zwei Jahre nach der Infektion nicht mehr nachweisbar sind. Nur bei wenigen Menschen persistieren die Viren und verursachen Symptome.

Klein und flach

Feigwarzen zeigen sich zunächst als kleine, flache, einzeln oder beetartig angeordnete Knötchen, die nur schwer zu erkennen sind. Betroffen sind in den meisten Fällen der Genitalbereich (Vagina, Vulva, Penis, Skrotum) und Analbereich, manchmal aber auch die Harnröhre, der Analkanal, Enddarm oder Gebärmutterhals. Bei Menschen mit HIV-Infektion treten sie zusätzlich vermehrt im Mund auf.

Werden Feigwarzen nicht behandelt, können sie weiterwachsen und stecknadelkopf- bis mehrere Zentimeter groß werden. Sie treten nun deutlich über die Hautoberfläche hervor, sind weich und weisen eine hahnenkamm- oder blumenkohlartige Form auf. Die Farbe variiert zwischen weißlich-grau, bräunlich bis hin zu rötlich. Zu Beginn der Erkrankung stehen Feigwarzen vereinzelt, im fortgeschrittenen Stadium treten sie meist in Gruppen auf. Einige der Betroffenen spüren einen Juckreiz oder ein Brennen. Manchmal verursachen Feigwarzen auch kleinere Blutungen, Schmerzen oder juckende Entzündungen im Analbereich. Zwischen einer HPV-Infektion und der Ausbildung von Feigwarzen vergehen im Durchschnitt zwei bis drei Monate. Es gibt aber auch kürzere Zeitspannen von zwei Wochen oder längere von acht Monaten.

Medizinisch unbedenklich

Wie bei allen STI ist auch das Auftreten von Feigwarzen häufig mit Scham- und Angstgefühlen verbunden. Hier können Betroffene jedoch schnell beruhigt werden. Feigwarzen sind medizinisch unbedenkliche, meist harmlose Hautveränderungen, die keine langfristigen gesundheitlichen Auswirkungen haben und auch die Fruchtbarkeit nicht beeinflussen. Da sie aber von den meisten Patienten als unangenehm und störend empfunden werden, sollten sie behandelt werden. Auch während einer Schwangerschaft, raten Experten zur Therapie. Durch die hormonellen Veränderungen können Feigwarzen weiterwachsen und sich noch weiter ausbreiten. Nach der Geburt werden sie wieder kleiner oder bilden sich vollständig zurück.

Die Wahrscheinlichkeit, dass Feigwarzen von der Mutter auf das Kind übertragen werden, ist so gering, dass auf eine vaginale Entbindung nicht verzichtet werden muss. Sollte es zu einer Infektion des Neugeborenen kommen, kann bei ihm neben dem Genitalbereich der Kehlkopf betroffen sein. Hier können sich sogenannte Larynxpapillome (gutartige Tumoren im Bereich des Kehlkopfs und der Stimmbänder) bilden, die meist operativ entfernt werden.

Besteht der Verdacht auf Genitalwarzen, können sich Betroffene an Fachärzte für Haut- und Geschlechtskrankheiten, Gynäkologen oder Urologen wenden. In vielen Städten gibt es zudem Zentren für sexuelle Gesundheit. Wurde der Verdacht bestätigt, raten Experten, auf weitere STI wie Herpes, Syphilis, Chlamydien, Gonorrhoe oder HIV zu testen und alle Sexualpartner der vergangenen sechs Monate zu informieren.

Die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einer HPV-Übertragung kommt, ist mit sichtbaren Feigwarzen erhöht. Zudem steigt das Risiko, sich mit HIV zu infizieren. Betroffene sollten deshalb Kondome verwenden, die Weitergabe einer HPV-Infektion können sie dadurch allerdings nicht sicher verhindern. Wie lange nach einer erfolgreichen Therapie Kondome benutzt werden sollen, ist nicht genau bekannt. Experten raten zu mindestens drei Monaten.

Symptome beseitigen

Die Therapie der Feigwarzen richtet sich nicht gegen HPV, da die Vireninfektion nicht kausal zu behandeln ist. Das Behandlungsziel ist, die sichtbaren Warzen zu entfernen und Symptome zu beseitigen. Zur Verfügung stehen verschiedene Methoden, über ihren Einsatz entscheidet der behandelnde Arzt. Er richtet sich dabei nach dem Ausmaß der Erkrankung und der betroffenen Stelle sowie den Wünschen des Patienten. Unabhängig vom therapeutischen Vorgehen, treten Feigwarzen bei etwa einem Drittel der Betroffenen nach der Behandlung wieder auf.

Kleine, einzeln stehende Feigwarzen können mit Podophyllotoxin in Form 0,5-prozentiger Lösung (Condylox®) oder 0,15-prozentiger Creme (Wartec®) behandelt werden. Zu den Nebenwirkungen gehören schmerzhafte Erosionen und entzündliche Schwellungen. Die Behandlung mit Imiquimod 5% Creme (Aldara®) erzielt ebenfalls gute Ergebnisse und ist auch für die Nachbehandlung nach einer chirurgischen Therapie geeignet. Die Anwendung erfolgt dreimal pro Woche für insgesamt zwölf Wochen. Zu den Nebenwirkungen zählen Entzündungsreaktionen, Schwellungen, Hautreizungen und oberflächliche Wunden. Eine weitere Alternative ist Veregen® 10 % Salbe mit Extrakt aus grünem Tee. Sie wird fünfmal täglich für bis zu 16 Wochen aufgetragen. Auch hier können leichte lokale Hautreaktionen wie Juckreiz, Rötung oder Schmerzen auftreten.

Eine Behandlung mit Trichloressigsäure oder flüssigem Stickstoff (Kryotherapie) kann beim Arzt erfolgen. Anwendungen finden in wöchentlichem Abstand statt und können Nebenwirkungen wie ein Brennen oder Schmerzen im behandelten Bereich mit sich bringen. Nachfolgend können bei der Behandlung mit Trichloressigsäure Fisteln oder Hautgeschwüre entstehen, bei einer Kryotherapie können Pigmentstörungen oder oberflächliche Narben zurückbleiben.

Die chirurgische Behandlung wird unter örtlicher Betäubung oder in einer Allgemeinnarkose durchgeführt. Bei der Elektrokauterisation wird das Gewebe durch elektrischen Strom erhitzt und zerstört. Sie eignet sich ebenso wie die Lasertherapie für großflächige, beetförmige und wiederkehrende Feigwarzen. Weitere Möglichkeiten sind die Kürettage oder das schichtweise Abtragen.

Impfen schützt

Derzeit ist die beste Schutzmaßnahme gegen eine HPV-Infektion die Impfung. In Australien etwa hat es das flächendeckende Impfprogramm bereits geschafft, Feigwarzen weitestgehend zurückzudrängen. Seit 2007 werden australische Mädchen kostenlos mit einem tetravalenten Impfstoff gegen die Typen 6, 11, 16 und 18 geimpft, mit durchgreifendem Erfolg. Während 2007 noch bei 11,5 Prozent der Frauen unter 21 Jahren Feigwarzen diagnostiziert wurden, waren es 2011 nur noch 0,85 Prozent. Unter den Geimpften wurde keine einzige Warze gefunden. In Australien liegt die Impfquote bei rund 80 Prozent.

In Deutschland ist die Impfbereitschaft dagegen recht gering. Die Ständige Impfkommission (STIKO) am RKI empfiehlt die Impfung für Mädchen und Jungen im Alter von 9 bis 14 Jahren. Nach Angaben des RKI waren im Jahr 2015 44,6 Prozent der 17-jährigen Mädchen geimpft. Die Impfung für Jungen wird erst seit dem Jahr 2018 empfohlen. Der neunvalente Impfstoff (Gardasil®) enthält Antigene gegen die HPV Typen 6 und 11 und schützt damit vor etwa 90 Prozent der Typen, die für das Auftreten von Feigwarzen verantwortlich gemacht werden.

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