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Arzneipflanzenporträt

Lavendel

Lavandula angustifolia, im Volksmund auch kleiner Speik genannt, dürfte der bekannteste Vertreter aus der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae) sein.
Annette Immel-Sehr
04.10.2019
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Merkmale

  • 30 bis 60 cm hoher Halbstrauch
  • ca. 5 cm lange, schmale, blaugrüne Blätter
  • untere Blätter weißfilzig behaart, am Rand zum Teil eingerollt
  • blau-violette Blüten aus zweilappiger Oberlippe und etwas kleinerer dreilappiger Unterlippe
  • Blüten in dichten Quirlen stehend
  • Blütezeit Juni bis August
  • kleine glänzend braune Nüsschen

Heimat

  • Mittelmeergebiet
  • Droge stammt aus Frankreich, Spanien und Osteuropa

Arzneilich verwendete Pflanzenteile

Blüten (Lavandulae flos)

Inhaltsstoffe

  • ätherisches Öl, vor allem Linalylacetat und Linalool
  • Lamiaceen-Gerbstoffe

Anerkannte medizinische Anwendung

Innerlich:

  • Unruhezustände, Einschlafstörungen und depressive Verstimmungen; außerdem bei Bauchbeschwerden wie nervöser Reizmagen, Blähungen, nervöse Darmbeschwerden, Roehmheld-Syndrom (ESCOP, Kommission E)

Äußerlich:

  • in Form von Bädern bei Kreislaufbeschwerden (ESCOP, Kommission E)

Das HMPC hat Lavendelblüten und Lavendelöl als traditionelle pflanzliche Arzneimittel eingestuft. Durch klinische Studien belegt ist die Behandlung von Unruheständen bei ängstlicher Verstimmung.

Empfohlene Dosierung

  • Teeaufguss: 1 bis 2 Teelöffel (0,8 bis 1,6 g) Lavendelblüten mit 150 ml heißem Wasser übergießen (nicht kochen!), 5 bis 10 Minuten ziehen lassen und abseihen. Den Tee für Kinder (4 bis 10 Jahre) nur mit 1 g Droge zubereiten. Erwachsene, Jugendliche und Kinder mehrmals täglich 1 Tasse Lavendeltee warm trinken.
  • Lavendelöl: Erwachsene und Jugendliche mehrmals täglich 1 bis 4 Tropfen auf einem Stück Zucker oder in Wasser einnehmen. Lavendelöl in Form von Kapseln nach Packungsbeilage anwenden.
  • als Badezusatz 10 bis 100 g Lavendelblüten für ein Vollbad verwenden

Nebenwirkungen

  • Aufstoßen, Übelkeit
  • allergische Hautreaktionen

Wechselwirkungen

keine bekannt

Kontraindikationen

  • keine Vollbäder bei offenen Wunden, großflächigen Hautentzündungen sowie anderen Hauterkrankungen sowie Fieber, Kreislaufbeschwerden und Herzinsuffizienz
  • Schwangerschaft und Stillzeit, da Untersuchungen zur Unbedenklichkeit fehlen

Abgabehinweis

Lavendelöl nicht bei Säuglingen und nicht im Bereich der Augen anwenden.

Wunderbare Kulturlandschaft

Im Süden Frankreichs erstrecken sich riesige Lavendelfelder. Schon ihr Anblick wirkt beruhigend! Die Pflanzen wachsen in Reih und Glied, damit sie maschinell gepflegt und geerntet werden können. Bevor sich in den 1950er-Jahren Erntemaschinen im Lavendelanbau durchsetzten, wurde Lavendel nicht in Reihen, sondern in Quadraten angebaut. Die Bauern gingen um die Pflanzen herum und schnitten die Blumen am Stilende mit der Sichel ab, bündelten sie zu Garben und ließen diese für ein paar Tage zum Trocknen auf dem Feld liegen.

Echter Lavendel wird noch heute häufig auf diese traditionelle Weise angebaut und geerntet. Was dagegen in der Provence auf den großen Lavendelfeldern wächst, ist dagegen meist Lavandin (Lavandula intermedia), ein Hybrid aus echtem Lavendel und breitblättrigem Lavendel (Lavandula latifolia), auch Speiklavendel genannt. Lavandin ist besonders ertragreich und wird zur Herstellung von Parfümen und Seifen verwandt.

Beispiele für Monopräparate

Bad Heilbrunner® Beruhigungstee

Lasea®

Sidroga® Lavendeltee

Weleda® Lavendel Entspannungsbad

Beispiele für Kombipräparate

Abtei Stress Balance Lavendel + Melisse

Doppelherz Lavendel Extrakt + Öl

Zirkulin Lavendel Passionsblume

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