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Arzneipflanzenporträt

Liebstöckel

Weißdorn, Hanf, Curcuma – pflanzliche Arzneimittel und Heilverfahren liegen im Trend. Dabei wurden Pflanzen und Kräuter von je her zur Heilung, Vorbeugung oder Linderung von Krankheiten eingesetzt. PTA-Forum stellt medizinisch bedeutsame Pflanzen vor.
Annette Immel-Sehr
03.06.2019
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Merkmale

  • 1 bis 2 m hohe krautige Staude
  • mehrere Zentimeter dicker, kurzer Wurzelstock, der in fingerdicke Wurzeln übergeht
  • im ersten Jahr grundständige Blattrosette, im zweiten Jahr fein gerippte, sich verzweigende Stängel
  • zwei- bis dreifach gefiederte Blätter, bis 70 cm lang und 65 cm breit, dunkelgrün glänzend
  • kleine, blassgelbe Blüten in großen, 12- bis 20-strahligen, gewölbten Doppeldolden
  • 5 bis 7 mm lange, gelb bis braune gerippte Spaltfrüchte, die bei der Reife in zwei gekrümmte Teilfrüchte zerfallen
  • Blütezeit Juli bis August

Heimat

  • Westasien
  • Droge stammt aus Kulturen in Thüringen, Polen, den Niederlanden und einigen Balkanstaaten

Arzneilich verwendete Pflanzenteile

  • getrockneter Wurzelstock und Wurzeln (Levistici radix)

Inhaltsstoffe

  • ätherisches Öl mit Alkylphthaliden
  • Cumarine
  • Polyacetylene
  • Phenolcarbonsäuren

Anerkannte medizinische Anwendung

  • Durchspülungstherapie bei entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege und zur Vorbeugung und Behandlung von Nierengrieß (Kommission E)

Empfohlene Dosierung

  • 3-mal täglich eine Tasse Liebstöckeltee trinken; Tagesdosis 4 bis 6 g Droge

Nebenwirkungen

  • keine bekannt

Kontraindikationen

  • Ödeme infolge eingeschränkter Herz- und Nierentätigkeit
  • Alter unter 18 Jahren, Schwangerschaft und Stillzeit wegen fehlender Untersuchungen zur Unbedenklichkeit

Zubereitung

  • 1,5 bis 3 g fein geschnittene oder grob pulverisierte Liebstöckelwurzel mit ca. 150 ml kochendem Wasser übergießen und nach 10 bis 15 Minuten abseihen.

Suppenwürze

Zerreibt man die Blätter des Liebstöckels zwischen den Fingern, so entsteht durch das frei werdende ätherische Öl ein würziger Geruch. Er erinnert an Sellerie, viel mehr aber noch an die bekannte Suppenwürze in der charakteristischen viereckigen Flasche. So kommt es, Liebstöckel heutzutage vor allem unter dem Namen »Maggikraut« bekannt ist. Allerdings enthält die weltweit verwendete Suppenwürze überhaupt kein Liebstöckel, sondern wird auf Basis von Weizenprotein mit Salz, Zucker, anderen Aromen, Geschmacksverstärker und Wasser hergestellt. Die Rezeptur stammt von dem Schweizer Julius Maggi, der das Produkt 1886 entwickelte und damit weltbekannt wurde. Doch auch wenn Liebstöckel keine Zutat der Maggi-Würze ist, so eignen sich frische oder getrocknete Liebstöckelblätter dennoch bestens als Gewürz für Suppen, Eintöpfe, Eierspeisen und Pilzgerichte.

Beispiele für Monopräparate

  • Liebstöckelwurzel Tropfen Hecht-Pharma GmbH

Beispiele für Kombipräparate

  • Canephron® N
  • Nephroselect®

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