PTA-Forum online
Weitere Studien nötig

Löst Handystrahlung Krebs aus?

Durch die elektromagnetische Hochfrequenzstrahlung von Mobiltelefonen besteht für den Menschen nach aktueller Studienlage keine erhöhte Krebsgefahr. Auch die Ergebnisse einer nunmehr im »Journal oft he National Cancer Institute« veröffentlichten Follow-up-Analyse liefern keinen Anhalt für ein höheres Tumorrisiko durch Handystrahlung. International laufen jedoch weitere Untersuchungen zur Identifizierung potentieller Langzeitrisiken.
Christiane Berg
03.06.2022  14:00 Uhr

Die 1996 in England und Schottland an 66 Brustkrebs-Screeningzentren gestartete »UK Million Women Study« sollte primär dazu dienen, mögliche Zusammenhänge zwischen der Entstehung von Brustkrebs und einer menopausalen Hormontherapie zu identifizieren. Bis 2001 waren in die Untersuchung 1,3 Millionen Frauen eingeschlossen worden. Im selben Jahr wurden bei ihnen mittels entsprechender Fragebogen erstmals auch die Modalitäten der Nutzung von Mobiltelefonen erkundet.

Während der 14-jährigen Nachbeobachtung von über 770.000 Frauen, die den Fragebogen von 2001 ausgefüllt hatten, wurden insgesamt 3268 Hirntumore registriert. Dabei zeigten sich beim Vergleich der Daten von Teilnehmerinnen, die angaben, nie Mobiltelefone zu nutzen, mit denen von Nutzerinnen, die manchmal, häufig oder viel per Handy telefonierten, keine statistisch signifikanten Unterschiede hinsichtlich der Entstehung der Tumore. »Unsere Ergebnisse unterstützen die sich häufenden Belege dafür, dass die Nutzung von Mobiltelefonen unter üblichen Bedingungen das Auftreten von Hirntumoren nicht erhöht«, so lautet das Resümee der Studienautoren.

Zunehmende Evidenz, dass Handystrahlung Krebsrisiko nicht erhöht

»Auch wenn in dieser Studie ausschließlich Daten zu Frauen erhoben wurden, unterstützen diese die zunehmende Evidenz, dass eine Mobiltelefon-Nutzung unter den üblichen Bedingungen Risiko und Inzidenz für Hirntumoren nicht erhöht«, unterstreicht Professor Hans-Christoph Diener, Essen, in einem Statement der Deutschen Gesellschaft für Neurologie.

Es gelte jedoch, die Ergebnisse weiterer Studien abzuwarten. Die ebenfalls seit mehr als zehn Jahre laufende »Cohort Study of Mobile Phone Use and Health« (Cosmos) zu den gesundheitlichen Auswirkungen der Mobilfunk-Nutzung bei beiden Geschlechtern werde weitere Erkenntnisse bringen.

In den letzten Jahren hat die Nutzung neuer Kommunikationstechnologien wie Mobiltelefone und drahtloses Internet rasant zugenommen. Da diese Geräte hochfrequente elektromagnetische Felder (HF-EMF) nutzen, hat auch die Exposition des Menschen gegenüber HF-EMF zugenommen. »Es besteht ein umfangreiches öffentliches und wissenschaftliches Interesse an der Möglichkeit, dass die HF-EMF-Exposition das Krankheitsrisiko erhöhen könnte, da dies noch nicht festgestellt wurde«, macht das aus führenden Wissenschaftlern bestehende COSMOS-Konsortium auf seiner Webseite deutlich. In die Kohorten-Studie mit dem Namen COSMOS wurden 290.000 erwachsene Mobiltelefonnutzer aus Großbritannien, den Niederlanden, Schweden, Dänemark, Finnland und Frankreich aufgenommen. Das Ziel ist es, den Gesundheitszustand der Teilnehmer mithilfe von Fragebögen und Gesundheitsregisterdaten für 20 bis 30 Jahre zu verfolgen.

Mehr von Avoxa