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Geistige Fitness

Lohnt sich regelmäßiges Gehirntraining?

Wird das Gehirn nicht permanent gefordert und mit neuen Reizen konfrontiert, sinkt die geistige Fitness. Informationen werden schlechter aufgenommen, verarbeitet und gespeichert. Denkprozesse laufen langsamer, die Konzentrationsfähigkeit sinkt. Abhilfe versprechen strukturierte Gehirntrainings, doch sie scheinen lediglich Teil eines Ganzen zu sein.
Carina Steyer
25.04.2022  16:00 Uhr
Lohnt sich regelmäßiges Gehirntraining?

Seit Jahren steigt die durchschnittliche Lebenserwartung. In den Industrieländern hat sie sich in den vergangenen 120 Jahren sogar verdoppelt. Die Lebenszeit gut zu nutzen und lange geistig fit zu bleiben, ist der Wunsch vieler Menschen. Doch der »geistige Verfall« beginnt früh. Bereits ab dem 20. Geburtstag verliert das Gehirn alle zehn Jahre bis zu 10 Prozent seiner Synapsen. Besonders hoch ist der Verlust im Arbeitsgedächtnis und Hippocampus.

Das Arbeitsgedächtnis steuert Aufmerksamkeit und Konzentration und selektiert Informationen, die im Gedächtnis gespeichert werden sollen. Der Hippocampus ist für die dauerhafte Speicherung und die Bildung von Erinnerungen verantwortlich. Je geringer seine Kapazität, umso schwieriger ist es, sich etwas zu merken und später daran zu erinnern.

Typisch für das alternde Gehirn: Es wird immer langsamer. Das liegt zum einen daran, dass die Informationsverarbeitung aufgrund der Abnahme der Synapsen länger dauert. Zum anderen hat das Arbeitsgedächtnis mit zunehmendem Alter immer neue Aufgaben zu bewältigen. Viele Menschen hören und sehen schlechter. Umweltinformationen, die von den Sinnesorganen an das Gehirn übermittelt werden, werden dadurch immer unzuverlässiger. Das Gehirn muss die fehlenden Informationen ausgleichen, indem es auf gespeicherte Informationen zurückgreift. Auch körperliche Einbußen, etwa durch Gelenkerkrankungen oder eine schwächere Muskelkraft, machen es erforderlich, dass Alltagstätigkeiten wie etwa Treppensteigen wesentlich mehr Aufmerksamkeit und Konzentration erfordern als in jungen Jahren. Dem Arbeitsgedächtnis fehlt es dadurch zunehmend an Kapazität, sich auf seine eigentlichen Aufgaben – Lernen und Erinnern – zu konzentrieren.

Training fürs Hirn

Viele Menschen wollen etwas für ihre geistige Fitness tun. Und nicht wenige hoffen, mit dem regelmäßigen Lösen von beliebten Rätselspielen wie Sudokus, mit Kreuzworträtseln, Lesen oder Kartenspielen ihr Gehirn ausreichend zu fordern. Doch Wissenschaftler müssen hier enttäuschen. Das Training für das Gehirn muss ebenso wie körperliches Training intensiv, anstrengend und herausfordernd sein. Kreuzworträtsel und Sudokus sind dafür in der Regel viel zu einfach. Die Wörter und Abläufe wiederholen sich, sodass das Gehirn auf gut eingeprägte Automatismen zurückgreifen kann, um die Aufgaben zu bearbeiten. Dasselbe gilt vermutlich für Lesen oder Spiele spielen. Auswirkungen auf die Fähigkeiten des Gehirns haben sie deshalb eher nicht.

Mehr Erfolg versprechen Gehirntrainingsprogramme, die regelmäßig am Computer, Tablet oder Smartphone absolviert werden können. Die Denksportaufgaben mit steigendem Schwierigkeitsgrad sollen das Gehirn jung halten und bei Älteren sogar verjüngen können. Doch ob Gehirntrainings tatsächlich halten, was sie versprechen, ist wissenschaftlich nur schwer nachzuvollziehen. Während bei physischem Training eine Zunahme der Muskelmasse eindeutig mit einer allgemeinen Kraftzunahme im Alltag einhergeht, wird bei Gehirntrainingsprogrammen vor allem die Fähigkeit trainiert, ähnliche Aufgaben immer besser und schneller zu lösen. Für den Nutzer ist das zwar grundsätzlich ein Erfolg. Ob der Effekt jedoch auch auf die Merkfähigkeit, eine schnellere Wahrnehmung oder die Lösungsfertigkeit komplexer Aufgaben im Alltag übertragbar ist und hier eine Leistungssteigerung erreicht werden kann, ist bisher nicht eindeutig belegt.

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