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Wenn’s zieht

Macht Zugluft wirklich krank?

Zu Beginn die Entwarnung: Zugluft alleine macht nicht krank. Ganz egal ist es unserem Körper jedoch nicht, wenn ein Luftstrom durch den Raum zieht. Denn auf und unter unserer Haut geschehen einige Dinge, die am Ende doch zu einer Schnupfnase führen können – oder zu einem steifen Nacken. Was genau steckt dahinter?
dpa
29.03.2022  14:00 Uhr

Zunächst ein Blick auf die Theorie – genauer gesagt: auf den Windchill-Effekt. Er beschreibt den Unterschied zwischen der gemessenen und der gefühlten Temperatur, der sich aus der Windgeschwindigkeit ergibt. Auf Deutsch ist von Windkühle oder Windfrösteln die Rede. »Wenn man bei minus fünf Grad in einer windstillen Ecke steht, bildet sich um den Körper eine kleine Wärmeschicht«, sagt der HNO-Arzt Thomas Deitmer. Diese Wärmeschicht macht das, was ein Neoprenanzug im kalten Wasser tut: Sie schützt uns vor dem Auskühlen.

Schweiß verstärkt das Windfrösteln

Anders sieht es aus, wenn unsere Umgebung nicht windstill ist. Stehen wir im Wind, wird die warme Luft um den Körper ständig ausgewechselt. Die Folge: Der Körper kühlt aus, wir frieren. Verstärkt wird dieser Effekt, wenn unsere Haut feucht ist, zum Beispiel durch Schweiß. Dann ist von der sogenannten Verdunstungskälte die Rede. Diese lässt sich durch ein einfaches Experiment veranschaulichen: Träufelt man etwas Wasser auf den Handrücken und pustet darüber, fühlt sich das kühler an, als wenn der Handrücken trocken wäre. Soweit die Theorie.

Was bedeutet das nun für unseren Körper? Wenn die Körperoberfläche auskühlt, werden tiefer gelegene Körperregionen schlechter durchblutet. Das betrifft auch die Rachenschleimhaut, erklärt Deitmer, der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie ist.

Durch Zugluft können die Schleimhäute in Nase und Rachen zudem austrocknen. Dadurch büßen sie einen Teil ihrer Infektions- und Immunabwehr ein – Erkältungsviren haben dann leichteres Spiel. Allerdings: Wer gesund ist, wird nicht zwangsläufig krank, nur weil er oder sie mal im Luftzug steht. Um sicherzugehen, kann man sich vor dem Lüften einen Schal um den Hals wickeln oder eine Mütze aufsetzen.

Nicht jeden stört Zugluft

Auch wenn Zugluft nicht zwangsläufig zur Schnupfnase führt – viele empfinden sie dennoch als unangenehm. Die Sensibilität gegenüber Zugluft ist von Person zu Person unterschiedlich. Das kann mehrere Gründe haben, sagt der HNO-Arzt Michael Deeg: »Wer zum Beispiel eine eher feuchtere Haut hat, wird auf Zugluft wahrscheinlich sensibler reagieren als jemand mit trockenerer Haut«, erklärt der Vorsitzende der Landesgruppe Baden im Deutschen Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte.

Denn Menschen mit feuchter Haut erleben den Effekt der Verdunstungskälte besonders stark. Laut Deeg können die Unterschiede auch geschlechtsspezifisch sein. »Bei Frauen ist die Hautfeuchtigkeit eventuell etwas höher als bei Männern«, so der Facharzt. Ob die Haut feuchter oder trockener ist und man mehr oder weniger schwitzt, sei aber vor allem genetisch bedingt.

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