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Regeln zur Anwendung

Magensaftresistente Arzneiformen

Magensaftresistente Arzneiformen dienen entweder dem Magenschutz des Patienten oder dem Schutz des Wirkstoffs. Einige Regeln sind bei der Anwendung wichtig, damit diese Medikamente ihren Zweck erfüllen können.
Ingrid Ewering
14.02.2022  09:00 Uhr

Alle entzündungshemmenden Wirkstoffe sind chemisch betrachtet Säuren. Der Name Acetylsalicylsäure verdeutlicht dies. Aber auch das antiphlogistisch wirksame Ibuprofen sowie Diclofenac zählen dazu. Und auch das bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen eingesetzte Mesalazin besitzt saure Strukturen. Denn es ist ein Aminderivat der Salicylsäure. Diese sauren Wirkstoffe können den Magen lokal reizen. Die magensaftresistente Galenik sorgt für eine bessere lokale Verträglichkeit.

Viele Medikamente mit 100 mg oder 200 mg Acetylsalicylsäure verfügen über einen Überzug, der den direkten Kontakt mit der Magenschleimhaut verhindert. Die magensaftresistenten Tabletten sollen laut Packungsbeilage zum Beispiel unzerkaut 30 Minuten vor einer Mahlzeit mit reichlich Wasser eingenommen werden. Bei magensaftresistentem Diclofenac ist sogar ein Abstand von zwei Stunden gefordert. Warum ist diese Gabe auf nüchternen Magen so wichtig? Nur im sauren Milieu des leeren Magens herrschen niedrige pH-Werte. Durch Nahrung, die etwa basische Proteine enthält, steigt der pH-Wert stark an. Der säurestabile Film könnte Schaden nehmen. Er besteht aus einem anionischen Copolymer aus Methylsäure und Ethylacrylat, das sich bereits bei pH-Werten ab 5,5 löst.

Experten sind der Meinung, dass selbst die Einnahme mit Leitungswasser mit einem pH-Wert von 7 zum Teil problematisch sein könnte. Bewährt hat sich deshalb Apfelsaft oder ein Medium, das Ascorbinsäure als Antioxidans enthält. Das unterbindet ein vorzeitiges Lösen der magensaftresistenten Überzüge. Gerade in der Geriatrie hat sich auch Apfelmus als Einnahmemedium etabliert. Es enthält ebenfalls Ascorbinsäure, ist aber aufgrund seiner festeren Konsistenz besser geeignet, das Zerbeißen von Medikamenten zu unterbinden.

Weichgelatinekapseln, die ätherische Öle oder Cineol enthalten, sollen erst im Darm freigesetzt werden. Diese Kapselkugeln aus Gelatine garantieren nebenbei die dosisgenaue Portionierung der öligen Flüssigkeiten. Etwas ungewöhnlich erscheint zunächst die Applikation der Weichgelatinekapseln mit kalter Flüssigkeit. Das ist aber ebenfalls sinnvoll, denn bei höheren Temperaturen gehen die ätherischen Öle in die Gasphase über.

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