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Essstörungen

Magersucht nicht immer sichtbar

Bilder von jungen Menschen, die an Magersucht erkrankt sind, hat wohl jeder hat schon einmal gesehen. Ihr ausgemergelter Körper ist für viele der Innbegriff von Magersucht. Doch die Krankheit ist vielgestaltig und tritt in unterschiedlichen Ausprägungen aus. Untergewicht ist dabei nicht obligatorisch.
Annette Immel-Sehr
09.08.2021  12:00 Uhr

Irgendetwas stimmt nicht – das ist das Gefühl, das Angehörige oder Freunde manchmal beschleicht, wenn sie einen Menschen mit einer Essstörung erleben. Sie gleichen das Verhalten oder Aussehen der Person mit dem ab, was sie über Essstörungen gehört haben. Manches passt nicht so richtig. So kommen sie – fälschlicherweise – zu dem Schluss, dass es sich doch nicht um eine Essstörung handelt. Denn vielen ist nicht bekannt, dass es nicht nur die »Reinform« der Magersucht gibt, sondern auch eine »atypische Magersucht«. Atypische Erkrankungsformen kommen auch bei Bulimie und Binge-Eating-Störung vor. Insgesamt sind die atypischen sogar häufiger als die klassischen Formen.

Weil Angehörige die Krankheitszeichen nicht richtig deuten können, wird die Erkrankung oft gar nicht oder erst spät diagnostiziert und behandelt. Und Betroffene selbst sind in ihrem Denken und Fühlen meist so sehr von der Erkrankung bestimmt, dass sie nicht erkennen können, dass sie krank sind und Hilfe benötigen.

Da sich die meisten Fälle von Essstörungen also nicht eindeutig einer klassischen Krankheitsform zuordnen lassen, haben Wissenschaftler für atypische Essstörungen eine separate Kategorie definiert. Im deutschen Sprachraum werden sie meist als »Subsyndromale Essstörungen« oder »Nicht näher bezeichnete Essstörungen« zusammengefasst. Dazu zählen Erkrankungen, die nicht alle Kriterien einer klassischen Essstörung erfüllen, aber dennoch eine deutliche, die Betroffenen belastende Störung darstellen. Erkrankungsformen können zudem ineinander übergehen oder sich als Mischformen darstellen. Charakteristisch für alle Essstörungen ist, dass Betroffene in ihren Gedanken auf Gewicht und Figur fixiert sind und Schwierigkeiten im Umgang mit dem Essen haben. Essstörungen sind keine Marotte der Betroffenen, sondern ernstzunehmende psychische Erkrankungen, die schwerwiegende Folgen für die körperliche und seelische Gesundheit haben können und im sozialen Umfeld meist zu erheblichen Problemen führen.

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