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Essstörungen

Magersucht nicht immer sichtbar

Eine atypische Magersucht liegt vor, wenn nur ein Teil der genannten Kriterien erfüllt ist. So kann jemand zum Beispiel ein gestörte Körperwahrnehmung, ausgeprägte Angst vor Gewichtszunahme und Fixierung auf die Kalorienvermeidung aufweisen, aber dennoch ein Körpergewicht haben, das trotz starkem Gewichtsverlust weiterhin im Normbereich oder – je nach Ausgangsgewicht – sogar noch darüber liegt. Ein anderes Beispiel einer atypischen Magersucht: Die psychischen Symptome und Untergewicht liegen vor, aber die Betroffene hat noch regelmäßig ihre Periode.

Folgen verhindern

Auch die atypische Magersucht sollte behandelt werden. Denn die psychischen und körperlichen Folgen, zum Beispiel Bradykardie oder Ausbleiben der Monatsblutung, unterscheiden sich kaum von denen bei klassischer Anorexia. Wie bei der klassischen Magersucht haben Betroffene auch bei einer atypischen Erkrankung oft keine Krankheitseinsicht und müssen mit viel Geduld überzeugt werden, sich Hilfe zu holen. Die Behandlung erfolgt, ähnlich wie beim Vollbild der Erkrankung, vor allem als Verhaltenstherapie. Ergänzend können andere Therapieangebote hinzukommen wie eine Ernährungsberatung, die an die Erfordernisse bei Magersucht angepasst ist, oder Entspannungstechniken. Die Behandlung erfolgt – je nach Schwere der Erkrankung – stationär und/oder ambulant.

Weitere Missverständnisse

An dieser Stelle sei noch auf einen anderen, besser gesagt, auf zwei andere weit verbreitete Irrtümer zum Thema Magersucht hingewiesen – nämlich, dass die Erkrankung nur junge Mädchen betrifft. Richtig ist, dass etwa ein Siebtel der Magersucht-Patienten Jungen und Männer sind. Und richtig ist des Weiteren, dass Erwachsene noch jenseits des 40. Lebensjahres an Anorexia erkranken können. Bei den Menschen, die im mittleren Erwachsenenalter erkranken, findet sich oft in der persönlichen Geschichte bereits im Jugendalter Krankheitsphasen. Sie wurden jedoch damals vielleicht gar nicht als solche gedeutet und nicht therapiert. Aber auch wenn sie erfolgreich therapiert wurden, kann die Erkrankung irgendwann erneut ausbrechen. Meist geschieht dies in belastenden Lebenssituationen, wenn die Seele stark unter Druck steht ist und psychische Regulationsmechanismen nicht mehr ausreichend wirken.

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