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Arzneipflanzenporträt

Mariendistel

Die Mariendistel (Silybum marianum) aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae) wird bevorzugt zur unterstützenden Behandlung bei chronisch-entzündlichen Lebererkrankungen und Leberzirrhose eingesetzt. Sie ist auch unter den Bezeichnungen Frauendistel, Milchdistel, Christi Krone oder Donnerdistel bekannt.
Annette Immel-Sehr
11.04.2019
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Merkmale

  • ein- oder zweijährige 60 bis 150 cm hohe Pflanze
  • Stängel-umfassende Blätter in spießförmigen, gelben Dornen endend
  • Blätter entlang der Nerven weißlich gefleckt und marmoriert
  • purpurrote Korbblütenköpfe, nur aus Röhrenblüten bestehend
  • äußere Hüllblätter der Blüte in stechende Dornenspitzen auslaufend
  • Blütezeit Juni bis September
  • braun-schwarz glänzende Früchte mit glänzend weißem Pappus als Flugorgan

Heimat

  • Südeuropa, Kaukasus, Klein- und Vorderasien, Nordafrika und Kanarische Inseln
  • Droge stammt teilweise aus Kulturen in Norddeutschland oder vor allem aus Argentinien, China, Rumänien und Ungarn

Arzneilich verwendete Pflanzenteile

vom Pappus befreite, reife Früchte (Silybi marianae fructus)

Inhaltsstoffe

  • Flavolignane (Silymarin-Komplex)
  • Flavone
  • pentazyklische Triterpene
  • fettes Öl

Anerkannte medizinische Anwendung

  • bei toxischen Leberschäden und zur unterstützenden Behandlung bei chronisch-entzündlichen Lebererkrankungen und Leberzirrhose (ESCOP)
  • dyspeptische Beschwerden (Kommission E)

Empfohlene Dosierung

Die Silymarin-Dosis sollte pro Tag 200 bis 400 Milligramm betragen. Anwendung als Tee wird nicht empfohlen.

Nebenwirkungen

  • leicht laxierend
  • allergische Symptome

Wechselwirkungen

keine bekannt

Kontraindikationen

  • bestehende Allergie gegen Korbblütler (Asteraceae)
  • Schwangerschaft, Stillzeit und Alter unter 18 aufgrund fehlender Untersuchungen zur Unbedenklichkeit

Rätsel der gezeichneten Blätter

Die eigentümlichen Linien auf den Blättern gaben der Pflanze ihren Namen. Im Mittelalter glaubten die Menschen, die Äderung sei durch die Milch Mariens entstanden.

Beim Stillen soll die Mutter Gottes die Milch verloren haben, und sie sei dann über die Blätter gelaufen. Auf dieses Geschehen spielen auch die volkstümlichen Namen Frauen- oder Milchdistel an.

Menschen des 21. Jahrhunderts würden wohl eher vermuten, dass ein Farbstoff den Blättern zu ihrer Zeichnung verhilft. Doch dem ist nicht so. Vielmehr ist die Epidermis der Mariendistel-Blätter an den betreffenden Stellen abgehoben und bildet darunter luftgefüllte kleine Polster. Infolge der veränderten Lichtbrechung erscheinen diese Bereiche weiß. Gegenprobe: Fährt man mit dem Finger unter leichtem Druck über eine weiße Ader, verschwindet die »Zeichnung«.

Beispiele Monopräparate:

  • HepaBesch
  • Hepatos
  • Legalon®
  • Silibene®
  • Silicur® für die Leber
  • Silymarin-Loges®
  • Silimarit®

Beispiele Kombipräparate:

  • Bilisan® Duo
  • Doppelherz® Artischocke-Mariendistel
  • Zirkulin Leber-Vital Mariendistel Dragees
  • Iberogast®

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