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Schmerz- und Schlafmittel

Medikamente mit Suchtpotenzial

Es besteht ein enger Zusammenhang zwischen chronischen Schmerzzuständen einerseits sowie Depressivität und gestörtem Schlaf andererseits. Schmerzen, Depression und Schlafstörungen beeinflussen einander wechselseitig. Schlafstörungen, über die bis zu 25 Prozent der Senioren klagen, können entsprechend häufig auf – vorwiegend chronische – Schmerzzustände zurückgeführt werden. Deshalb bessert eine professionelle rehabilitative Schmerzbehandlung auch Schlafstörungen.

Die in den 1960e-Jahren als Schlaf- und Beruhigungsmittel in die Therapie eingeführten Benzodiazepine werden bevorzugt im fortgeschrittenen Alter auch heutzutage noch arglos als Schlafmittel bevorzugt. Dazu tragen ihr verhältnismäßig günstiges Nebenwirkungsprofil sowie ihre große therapeutische Breite bei. Da Intoxikationen mit Todesfolge kaum zu befürchten sind, wird ihnen naiverweise ein enormes Spektrum an Indikationen zugeschrieben – von »Befindlichkeitsstörungen« (Angst, Unruhe, Zwänge, Anspannung …) bis hin zu allgemeinem »Unwohlsein«. Dieser unkritische Einsatz dieser Substanzklasse trägt schließlich zu dieser Variante von iatrogener Medikamentenabhängigkeit bei.

Die größten Nachteile der meist verwendeten Benzodiazepine sind motorische Koordinationsstörungen aufgrund einer Beeinträchtigung des Muskeltonus. Ein beträchtliches Sturzrisiko mit teils schweren Verletzungen wie einer Oberschenkelhalsfraktur sowie die Entwicklung eines Abhängigkeitssyndroms sind die Folgen. Die Benzodiazepin-Abhängigkeit kann sowohl bei normaler Dosierung aufgrund der häufigen Dosiswiederholungen als auch bei hoher Dosierung bereits nach verhältnismäßig kurzer Einnahmedauer eintreten. Die Entzugssymptome sind massiv, sie reichen von delirartigen Psychosen bis hin zu ausgeprägten Halluzinationen und schwersten Panikattacken. Substanzen mit kurzer Halbwertszeit wie Brotizolam (Lendormin®) oder Triazolam (Halcion®) haben eine beträchtlich schwerere Entzugssymptomatik als solche mit langer Halbwertszeit wie etwa Nitrazepam (Mogadan®). Dafür wird der insgesamt höhere Substanzgebrauch der Ersteren verantwortlich gemacht.

Die sogenannten Z-Substanzen Zolpidem (Stilnox®) und Zopiclon (Ximovan®), einst als Alternative zu den dominierenden Benzodiazepin-Schlafmitteln zugelassen, binden ebenfalls mit hoher Affinität an die Benzodiazepin-Bindungsstelle des GABA-A-Rezeptors und wirken deshalb nahezu gleich. Ältere Menschen benötigen in der Regel davon nur noch die halbe Erwachsenendosis. Aber auch bei dieser Substanzgruppe muss mit Toleranz und Abhängigkeit gerechnet werden. Wegen einer ebenfalls drohenden Entzugssymptomatik sind sie stets ausschleichend abzusetzen.

Beim Einsatz von H1-Antihistaminika als Schlafmittel wie Diphenhydramin (Betadorm®) ist stets daran zu denken, dass ihre Wirkung erst zwei Stunden verzögert einsetzt, weshalb sie bei einer isolierten Einschlafstörung ungeeignet sind. Als ebenfalls nachteilig fällt auf, dass ihre sedierende Wirkung weit in den folgenden Tag hinein anhalten und damit Unfälle mit Verletzungen auslösen kann. Die Vigilanz-mindernde Wirkung der Antihistaminika wird durch gleichzeitigen Alkoholgenuss noch erheblich verstärkt. Ihr Abhängigkeitspotenzial ist dagegen im Vergleich zu den anderen Hypnotika-Substanzgruppen gering.

Melatonin könnte besonders eine Alternative bei Einschlafproblemen sein. Melatonin (Circadin®), das Zirbeldrüsenhormon, wird dort aus Serotonin gebildet. Seine Synthese und Sekretion steigt mit dem Eintreten der Dunkelheit an und hat ihren Gipfel etwa um 3 Uhr nachts. Unter Tageslichteinwirkung entsteht es nicht, sodass es als sogenannter Zeitgeber an der Steuerung des zirkadianen Schlaf-Wach-Rhythmus beteiligt ist.

Ein weitaus höheres Präventions- und Prophylaxepotenzial gegen Pharmakatoleranz und Abhängigkeit bei Insomnie sollte der Behandlung der zugrundeliegenden auslösenden Krankheiten und den nicht medikamentösen Maßnahmen gelten. Das heißt konkret: Die verursachende körperliche und psychische Erkrankung wie eine Depression, Manie oder Angststörung müssen vorab kausal behandelt werden. Zu den nicht medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten gehören beispielsweise eine Optimierung der Schlafgewohnheiten und der Schlafhygiene, verhaltenstherapeutische Interventionen sowie die Vermeidung stimulierender Genussmittel wie koffeinhaltiger Getränke. Und auch der Einsatz von pflanzlichen Schlafmitteln wie Zubereitungen aus Baldrian, Passionsblume, Hopfen und Melisse (wie Sedonium®, Kytta-Sedativum®, Euvegal®) ist ein probates Hilfsmittel – zumal sie erstaunliche Placeboeffekte zeigen.

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