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Schlafmittel auf Rezept

Mehr als Benzodiazepine

Schlafstörungen sind weit verbreitet. Bei hohem Leidensdruck stehen dem Arzt neben klassischen Hypnotika wie Benzodiazepinen und Z-Substanzen weitere Wirkstoffklassen zur Verfügung. In bestimmten Fällen bieten Antidepressiva oder Neuroleptika durchaus Vorteile.
Anna Carolin Antropov
13.10.2022  09:00 Uhr

Eigentlich empfiehlt die Leitlinie zu nicht erholsamen Schlaf und Schlafstörungen bei Erwachsenen zunächst die kognitive Verhaltenstherapie. Ist sie nicht durchführbar oder ausreichend wirksam oder besteht hoher Leidensdruck, verschaffen Schlafmittel schnell Linderung. Benzodiazepine sind die bekannteste Wirkstoffklasse und wirken als allosterische Agonisten des GABA-A-Rezeptors. Das bedeutet, dass sie die Wirkung des körpereigenen Neurotransmitters GABA verstärken und damit die zelluläre Erregbarkeit herabsetzen. Je nach Dosis wirken sie angstlösend, sedierend, muskelrelaxierend, unterbrechen einen Status epilepticus und werden sogar teilweise intravenös für Narkosen eingesetzt.

Die einzelnen Wirkstoffe werden in kurzwirksame, mittellang wirksame und langwirksame Benzodiazepine eingeteilt. Üblicherweise wählt der Arzt bei Schlafstörungen nur Präparate mit kurzer oder mittellanger Halbwertszeit, um einem Hangover am nächsten Tag vorzubeugen. Typische Beispiele sind Brotizolam (Lendormin®), Bromazepam oder Oxazepam (Adumbran®).

Etwas selektiver am GABA-A-Rezeptor binden die sogenannten Z-Substanzen wie Zopiclon und Zolpidem. Im Gegensatz zu den Benzodiazepinen wirken sie nicht angstlösend oder muskelrelaxierend, stören die Schlafarchitektur weniger und auch das Abhängigkeitsrisiko scheint geringer. Insgesamt haben sie damit ein günstigeres Nutzen-Risiko-Verhältnis. Dennoch sollte die Einnahmedauer vier Wochen besser nicht überschreiten. Durch seine kurze Halbwertszeit ist Zolpidem gut bei Einschlafstörungen geeignet. Frauen verstoffwechseln Zolpidem etwas langsamer und brauchen nur die halbe Dosis. Zopiclon ist hingegen länger wirksam und daher bei Durchschlafstörungen die bessere Wahl. Achtung: Da sowohl GABA als auch Benzodiazepine, Alkohol und Zopiclon an unterschiedlichen Domänen binden, verstärken sie sich gegenseitig (Vergiftungsgefahr!).

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