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Lipödem und Lymphödem
Mehr als ein Figurproblem

Hoffnung auf Liposuktion

Bei diesen bescheidenen Symptombesserungen wundert es nicht, dass viele Patientinnen auf die Kostenübernahme einer Liposuktion und einen Erfolg des forschen Vorgehens des Gesundheitsministers hoffen. Denn laut Leitlinie ist die Liposuktion ab Stadium II in vielen Krankheitsfällen die einzig wirksame Therapie und bringt eine signifikante Symptomlinderung. Doch bislang übernahmen die Krankenkassen nur in wenigen Einzelfällen die Kosten der teuren operativen Eingriffe. Und seit einem Urteil aus dem Jahr 2018 ist auch dies nicht mehr möglich. Fünfstellige Beträge sind keine Seltenheit und überfordern die Betroffenen.

Durch den Vorstoß des Ministers hat nun der Gemeinsame Bundesausschuss eine Erprobungsstudie in Auftrag gegeben, die nach mehr als 20 Jahren Liposuktion die Wirksamkeit der Operation im Vergleich zu alleinigen konservativen Verfahren untersuchen soll. »Fettabsaugung gilt potenziell als erforderliche Behandlungsalternative, wurde aber bisher wissenschaftlich nicht hinreichend evaluiert«, heißt es in einer Pressemitteilung der Universität Köln, die zusammen mit der Hautklinik des Klinikums Darmstadt die Studie wissenschaftlich begleitet. »Bevor entschieden wird, ob diese Operation künftig ambulant zulasten der gesetzlichen Krankenkassen erbracht werden kann, muss deshalb evidenzbasiertes Wissen zur Liposuktion vorliegen.« Die Studie startet voraussichtlich zu Beginn des Jahres 2020 und soll inklusive Nachbeobachtungsphase über drei Jahre laufen.

Laut Leitlinie ist derzeit die Fettabsaugung angezeigt, wenn trotz konsequent durchgeführten konservativen Therapien weiterhin Beschwerden bestehen. Dabei werden der Patientin im Rahmen einer kurzstationären Überwachung unter örtlicher Betäubung mehrere Liter Fett abgesaugt. Meist sind mehrere Sitzungen im Abstand weniger Wochen nötig. Dabei sind gewebe- und gefäßschonende Absaugtechniken anzuwenden, um die Lymphgefäße zu schützen. Auch wenn die Eingriffe für die Patientinnen strapaziös sind und keine Beine mit Modellmaßen zu erwarten sind, sind die Ergebnisse der Liposuktion der Leitlinie zufolge gut: Spontanschmerz, Druckschmerz, Ödem und Hämatomneigung verbessern sich signifikant – über Jahre hinweg. Nach Erfahrung der Leitlinienautoren können die konservativen Therapiemaßnahmen bei den meisten Frauen verringert oder sogar über viele Jahre abgesetzt werden.

Symptom Lipödem Lymphödem
Symmetrie Die Fettgewebsvermehrung ist symmetrisch, zeigt sich an beiden Beinen gleich ausgeprägt. Das Ödem ist asymmetrisch, also nur an einer Körperseite.
Druckschmerz Druck und Berührungen an den betroffenen Stellen sind schmerzhaft. Druck und Berührung erzeugen keinen Schmerz.
Stemmersches Zeichen Stemmersches Zeichen ist negativ: Über dem Rücken der zweiten Zehe lässt sich eine Hautfalte abheben. Stemmersches Zeichen ist positiv: Über dem Rücken der zweiten Zehe lässt sich keine Hautfalte abheben.
Fuß-/Handrückenödem Füße und Hände sind ödemfrei: Das Ödem reicht bis zu den Knöcheln beziehungsweise Handgelenken. Auch Hände und/oder Füße sind betroffen: Die Schwellung reicht bis zu den Zehen- beziehungsweise Fingerkuppen.
Daumentest Der Daumentest ist negativ: Drückt man den Daumen in die Schwellung, verbleibt kein Abdruck. Der Daumentest ist positiv: Drückt man den Daumen in die Schwellung, bleibt die Vertiefung für längere Zeit bestehen.
Cellulitis Wellige Hautoberfläche mit anfänglich feinen und später groben Dellen. Die Haut ist prall und spannt aufgrund der Wassereinlagerung.
Hämatomneigung Es zeigen sich schnell blaue Flecken In gewöhnlichem Ausmaß
Bei aller optischen Ähnlichkeit unterscheidet sich das Lip- vom Lymphödem. Die Tabelle fasst unterschiedliche Symptome zusammen.

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