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Körper und Seele

Meine Kraftquelle

Jeder braucht einen Rückzugsort zum Entspannen, zum Regenerieren, zum Auftanken. Denn nur wer Körper und Seele gut ausbalanciert, kann im Job und im Alltag powern. Hier beschreiben einige Menschen ihre persönliche Kraftquelle.
Narimaan Nikbakht
28.02.2019
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Laute Menschen in der ­S-Bahn. Nervende Kollegen. Volles Wartezimmer beim Arzt. Schnell in den Supermarkt, um etwas für das Abend­essen einzukaufen. Mit der Nachbarin reden. Junior vom Judo abholen – und dabei will man doch eigentlich nur eines: Ruhe! Endlich wieder zu sich kommen und den inneren Frieden spüren, wenn der Stress nachlässt.

Zeit allein ist nach Überzeugung zahlreicher Psychologen ein entscheidender Faktor, um seine stabile, emotionale und körperliche Verfassung zu bewahren. Aber auch bestimmte Aktivitäten mit anderen können dabei helfen, den Kopf freizubekommen und die Batterien für die Anforderungen des Alltags neu aufzuladen.

»Beim Tango komme ich wieder in Balance«
Katrin Möbius, 42, Grafikerin

»Beim Tangotanzen vergesse ich alles um mich herum. Ich werde dann ganz eins mit mir und bin völlig erfüllt von der Musik und der Bewegung. Dabei halte ich gerne die Augen geschlossen, um die feinen Signale des Führenden zu spüren und ganz im Moment zu sein. Dadurch vergesse ich schon mal, dass noch andere Paare neben uns tanzen. Am Anfang war das ein komisches Gefühl für mich, denn sich so hinzugeben hat viel mit Vertrauen zu tun – aber auch mit Fühlen, sensibler Wahrnehmung und der Fähigkeit, den Kopf auszuschalten.

All das ist ein guter Ausgleich zu meinem Joballtag, wo ich ja genau das Gegenteil mache: denken, handeln, entscheiden, bestimmen. Der Effekt ist wunderbar: Auch wenn die Laune nicht die beste ist, wenn ich ankomme – spätestens im Moment des Tanzens sind alle Ärgernisse des Tages vergessen und ich bin nach so einem Abend wieder ganz in meiner Mitte und voller Energie.«

»Balsam für die Seele«
Gabi Dorfey, 50, Gesangslehrerin

»Singen löst gute Gefühle aus – das haben auch Wissenschaftler durch Studien nachgewiesen. Der Körper schüttet dabei Glückshormone aus, das stärkt zugleich auch die Abwehrkräfte. Ich selbst spüre diese positive Wirkung sowohl bei mir als auch bei meinen Schülern. Am Ende einer Stunde gehen fast alle munter und mit einem strahlenden Lächeln aus der Tür. Ein Grund dafür ist, dass man beim Singen viel Luft durch den Körper pumpt. Zudem drückt man seine Emotionen aus.

Wenn ich verärgert bin, singe ich zum Beispiel gerne dynamische Lieder. Dadurch kann ich meine Gefühle voll ausdrücken und ausleben. Das geht natürlich auch mit anderen seelischen Zuständen wie Freude, Trauer oder Schmerz. In der Woche singe ich etwa fünf bis sechs Stunden – dazu kommen noch Unterrichts-Einheiten mit den Schülern. Ich habe einen Beruf, der mich nicht erschöpft, sondern auflädt!«

»Beim Angeln kann ich richtig abschalten«:
Max Mühlbauer, 26, Biologiestudent

»Seit gut 15 Jahren gehe ich angeln. Ich habe bereits als Teenager damit angefangen, weil ich es liebe, am Wasser zu sitzen und auch gerne Fisch esse. Angeln ist für mich eine ideale Beschäftigung, weil ich dabei völlig frei von Leistungsdruck bin. Meistens gehe ich mit Freunden angeln – das ist gesellig. Oft kommen dabei gute Gespräche zustande. Viele denken ja, dass man beim Angeln nicht reden darf – aber das ist ein Klischee. Man sollte natürlich nicht laut in der Gegend herumschreien, aber Unterhaltungen sind okay. Und wenn ich doch mal meine Ruhe will, kann ich mich zurückziehen und bei einem schönen Sonnenuntergang allein die Wasservögel beobachten. Mich entspannt nichts mehr, als die Natur zu genießen und dabei zu warten, dass ein Fisch anbeißt – und wenn das auch noch passiert, ist das Glück perfekt.«

»30 Minuten für mehr Gelassenheit«
Lilli Deis, 28, Fotografin

»Seit zehn Jahren meditiere ich jeden Abend für etwa 30 Minuten. Das mache ich, damit meine Gedanken zur Ruhe und ich wieder zu mir selbst komme. Die Hände ruhen dann auf den Oberschenkeln, ich atme ein und aus, versuche, an nichts zu denken. Mit der Zeit atme ich automatisch tiefer und mache irgendwann plötzlich einen tiefen Seufzer beim Ausatmen. Dann habe ich jegliche Anspannungen des Tages losgelassen und fühle mich gelöster und ausgeglichener als zuvor. Dennoch bleibe ich weiter sitzen und schaue nach innen und nehme meinen augenblicklichen Zustand wahr – ohne diesen zu bewerten. Ich glaube, diese Gewohnheit hat mich nach und nach verändert, wacher und stärker gemacht. Und: Es hilft mir immer wieder dabei, mein seelisches Gleichgewicht zurückzugewinnen.«

»Ich suche gerne Kraftorte auf«
Uta Wiebels, 50, spirituelle Lebensberaterin

»Da ich mich sehr mit Spiritualität auskenne, glaube ich, dass es überall verstreut auf dem Erdball sogenannte Kraftplätze gibt, deren spürbare Energie von Wasseradern und Magnetfeldern gespeist werden. Ich selbst ziehe mich oft in die mystische Atmosphäre des Eibenwaldes bei Paterzell zurück. Als selbstständig arbeitende und alleinerziehende Mutter von zwei Söhnen brauche ich das: zur inneren Sammlung, aber auch, um Lebensentwürfe zu überdenken. Zeit allein in meinem Wald ist immer eine verlässliche Kraftquelle – und hier im Eibenwald mit mehr als 1000 alten Bäumen tanke ich besonders gut auf. Nicht ohne Grund galt bei den Kelten: Wer sich von einem Eibenbaum berühren lässt, der muss bereit sein, seine starke Kraft der Wandlung zuzulassen. Und es ist tatsächlich so: Hinterher verlasse ich diesen Ort stets erfrischt und neu inspiriert.«

»Das ist wie Tai Chi für die Hände«
Petra Mohr, 30, Sprechstundenhilfe

»Schon als Kind faszinierten mich die handgeschriebenen Kochbücher meiner Ur-Oma. Immer wieder blätterte ich darin herum und bewunderte die mit geschwungener Schrift notierten Rezepte. Vor sechs Jahren dann entdeckte ich im Programm der Volkshochschule den Kurs »Kalligrafie – die Kunst des schönen Schreibens«.

Ich liebe es bei einer Kanne Tee und ruhiger Musik meiner Kreativität freien Lauf zu lassen. Ich konzentriere mich, schreibe mit einem sogenannten Wechselstrich ganz langsam mal dick, mal dünn und schaue was passiert. Ich bin dann ganz ins Tun versunken und agiere sehr langsam – ähnlich wie man es aus dem Tai Chi kennt. Für mich ist das eine schöne Spielerei, bei der ich gut abschalten kann. Mittlerweile beherrsche ich etwa sieben Schriften und setze sie auch gern ein, wenn ich Grußkarten oder Einladungen gestalte. Das kommt bei Freunden und Familie immer sehr gut an. Und so haben wir alle etwas von meinem Hobby.«

»Nichts tun und komplett abschalten.«
Sabine Mathies, 48, Kundenberaterin

»Ruhe und Energie tanke ich mitten in der Stadt: Alle 14 Tage ziehe ich mich ins Hamam Hamburg (www.das-hamam.de) zurück, ein türkisches Bad. Früher besuchte ich mit einer Freundin einfach eine gängige Sauna, konnte mich dadurch aber nie voll auf mich konzentrieren. Wenn ich jetzt aber allein im Hamam bin, kann ich loslassen. In meinem Beruf als Unternehmensberaterin habe ich oft Zeiten, in denen ich sehr eingespannt bin – da brauche ich bewusst Phasen, in denen ich komplett nichts tue und abschalte. Gedämpftes Licht, leise orientalische Musik, Melissenduft, Wärme, die Massage mit Peeling-Handschuh und Seifenschaum – all das unterstützt die kontemplative Atmosphäre. Hinterher gehe ich für eine weitere Stunde in den Ruheraum. Überall liegen Kissen, es gibt frisches Obst und kleine Teegläser. Mein Kopf ist klar, jegliche Sorgen sind wie weggespült. So im Bademantel eingemurmelt schwebe ich regelrecht und döse vor mich hin. Dabei kommen mir oft kreative Ideen. Nach etwa drei Stunden gehe ich heim und schlafe richtig tief und gut durch.«

»Energie durch Handauflegen«
Kai Pohl, 37, Diplom-Ingenieur

»Während meines Studiums stieß ich körperlich an meine Grenzen. Ich habe nachts bis 6 Uhr früh gelernt, literweise Cola getrunken und bin morgens um zehn Uhr wieder aufgestanden – über Monate hinweg. Irgendwann konnte ich mich nicht mehr entspannen und bekam Einschlafstörungen. Eine Ärztin erzählte mir von der positiven Wirkung von Reiki. Ich recherchierte im Internet und las etwas von heilenden Händen und Lebensenergie. Aus Neugier habe ich an einem Reiki-Workshop teilgenommen. Seitdem kann ich mir selbst bei Bedarf helfen: Ich lege oder setze mich dann für etwa eine Stunde hin und gehe mit den Händen verschiedene Körper-Energie-Punkte durch. Hinterher fühle ich ein starkes körperliches und seelisches Wohlgefühl, das mich den ganzen Tag begleitet. Inzwischen habe ich auch meine Lebensweise geändert und betreibe keinen Raubbau mehr mit meinem Körper.«

»Wie eine Dusche für den Geist«
Julia Schulz, 40, Projektmanagerin

»Wenn ich Yoga mache, habe ich das Gefühl, meinen Geist zu reinigen und zu ordnen, so als würde ich mein Zimmer aufräumen. Natürlich spüre ich auch körperliche Vorteile wie mehr Geschmeidigkeit und Spannkraft. Aber viel wichtiger ist die Gelassenheit und Entspannung, die ich fühle, wenn ich am Ende der Stunde auf der Matte liege. Dieser Effekt hält auch noch den nächsten Tag an, wenn ich im Büro bin. Und sobald ich gestresst oder hektisch werde, weiß ich, dass es höchste Zeit ist, sich wieder auf den Weg zur Yogastunde zu machen. Danach spüre ich neue Kraft und fühle mich ganz leicht. Yoga lässt nämlich auch jegliches Gedankenkarussell zur Ruhe kommen und wirkt auf mich wie eine Dusche für den Geist.«

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