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Alternative zu Tampons

Menstruationstassen sind sicher, preiswert und umweltfreundlich

Menstruationstassen sind eine sichere Alternative zu Tampons in der Monatshygiene und helfen, Müll zu vermeiden. Das zeigt ein systematischer Review, der nun im Fachjournal »The Lancet Public Health« erschienen ist.
Christina Hohmann-Jeddi
19.07.2019  14:00 Uhr

Bis vor wenigen Jahren waren sie noch vergleichsweise unbekannt, jetzt setzen sie sich immer stärker auch in Deutschland durch: Menstruationstassen, auch Moon Cups genannt. Die weichen Trichter aus Silikon oder ähnlichen Materialien werden in die Vagina eingeführt, um das Menstruationsblut aufzufangen. Nach einer gewissen Zeit werden sie dann entnommen, ausgeleert, gespült und wieder eingesetzt.

Sie gelten daher als eine nachhaltige Alternative zu Tampons und Binden. Trotz der Tatsache, dass 1,9 Milliarden Frauen in gebärfähigem Alter sind und im Durchschnitt 65 Tage im Jahr menstruieren, gebe es kaum hochwertige Vergleichsstudien zu Hygieneprodukten, sagt Seniorautorin Professor Dr. Penelope Philips-Howard von der Liverpool School of Tropical Medicine, England, in einer Pressemitteilung des Journals.

Das Team um Hauptautorin Anna Maria van Eijk analysierte die Literatur und konnte insgesamt 43 Studien mit 3300 Teilnehmerinnen auswerten. Vier Studien mit knapp 300 Probandinnen verglichen Menstruationstassen direkt mit Tampons und Binden. In der Auswertung zeigte sich, dass die Produkte in Bezug auf Auslaufschutz in drei Studien gleich sicher waren. In einer Studie waren die Tassen den herkömmlichen Hygieneprodukten sogar deutlich überlegen. In vier Studien mit insgesamt 507 Frauen war das Infektionsrisiko bei den Tassen nicht höher als bei den anderen Produkten. Die Analyse ergab auch, dass die Vaginalflora durch das Tragen der Moon Cups nicht verändert wurde und auch keine Verletzungen des Gewebes entstanden.

Insgesamt wurden in der Literatur fünf Fälle von toxischem Schocksyndrom bei Trägerinnen der Menstruationstassen beschrieben. Da die Anzahl der Anwenderinnen aber nicht bekannt sei, könne das Risiko für ein toxisches Schocksyndrom nicht ermittelt und mit dem von Tampons verglichen werden. Fünf Frauen entwickelten durch den Gebrauch der Tassen starke Schmerzen. Bei sechs Anwenderinnen traten allergische Reaktionen und bei neun Urogenitalbeschwerden auf. Vorsichtig sollten Trägerinnen von intrauterinen Kontrazeptiva sein, denn diese können durch die Anwendung der Moon Cups versehentlich entfernt werden. Dieser Fall trat in den Studien insgesamt 13 Mal auf.

Etwa 73 Prozent der Frauen wollten, nachdem sie mit der Handhabung der Menstruationstassen vertraut waren, diese auch weiter verwenden, heißt es in der Publikation. Unterstützung durch die Umgebung und Informationen zur Handhabung der Produkte seien nötig. Außerdem habe sich gezeigt, dass es eine Gewöhnungsphase von mehreren Zyklen brauche, um mit den Tassen zurechtzukommen.

Dem Review zufolge sind Menstruationstassen noch nicht sehr bekannt: In Industrienationen wussten 11 bis 33 Prozent der Frauen, dass es solche Produkte gibt. Auf Informationswebsites waren sie deutlich unterrepräsentiert: Von 69 Websites aus 27 Ländern nannten 30 Prozent auch Moon Cups, während 77 Prozent auf Binden und 65 Prozent auf Tampons eingingen.

Dabei stellen die Tassen eine kosten- und müllsparende Alternative dar. Auf eine Haltbarkeit von zehn Jahre gerechnet, koste eine Tasse 5 beziehungsweise 7 Prozent dessen, was die Nutzung von Binden oder Tampons (etwa 12 pro Zyklus) kosteten. Der anfallende Plastikmüll betrage etwa 0,4 Prozent dessen, was bei der Nutzung von Binden, und 6 Prozent dessen, was beim Gebrauch von Tampons anfalle. Die Autoren betonen aber, dass dies nur grobe Schätzungen seien. Mehr Forschung sei nötig, um die Kosteneffektivität besser abschätzen zu können.

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