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Richtig therapieren

Migräne: Hämmernde Schmerzattacken

Patienten mit Migräne werden trotz großem Leidensdruck oft nicht adäquat behandelt, gerade wenn sie unter häufigen und starken Attacken leiden. Die Folge: Es werden zu oft zu viele Schmerzmittel eingenommen. Neue Therapieoptionen könnten die Versorgung langfristig verbessern.
Verena Schmidt
24.01.2020  16:00 Uhr

Es beginnt mit Sehstörungen und Schwindel. Wenig später hämmert der Schmerz im Kopf, er pocht mit jedem Pulsschlag. Den Betroffenen ist übel und sie erbrechen, helles Licht, laute Geräusche und bestimmte Gerüche sind kaum auszuhalten. Eine solche Migräneattacke, die viele Stunden andauern kann, gehört zu den am meisten belastenden Schmerzzuständen überhaupt. »Wie ein Messer, das in den Kopf treibt« oder »als würde ein Schraubstock um den Kopf gelegt und immer fester zugezogen«, so beschreiben Patienten den starken Schmerz, der zusammen mit den Begleiterscheinungen das alltägliche Leben für viele Stunden unmöglich macht. Doch so belastend die Symptome sind, so oft wird die Erkrankung Migräne auch als Bagatelle abgetan, unterschätzt und belächelt.

Es gibt zwar wirksame Medikamente, mit deren Hilfe eine akute Attacke schnell wieder abklingen kann, und auch solche, die häufigen Attacken vorbeugen. Doch viele Patienten erhalten nicht die für sie am besten geeignete Therapie, wie eine kürzlich veröffentlichte Studie von Schmerzmedizinern des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) zeigt.

Die Ärzte hatten Daten von 1935 Patienten erfasst, die zwischen 2010 und 2018 aufgrund von Migräne die Kopf- und Gesichtsschmerzambulanz am UKE aufgesucht hatten. 61 Prozent der Patienten litten so häufig und stark unter den Attacken, dass bei ihnen die Indikation für eine medikamentöse Migräneprophylaxe vorgelegen habe. Mehr als die Hälfte von ihnen hatte eine solche Prophylaxe im Vorfeld aber nie verschrieben bekommen oder diese nicht eingenommen. Im Schnitt hatten die Patienten wegen ihrer Migräne im Jahr vor dem Arztbesuch am UKE rund sieben Mal den Arzt konsultiert, meist ihren Hausarzt, aber auch Neurologen oder Orthopäden. In den drei Monaten vor dem Arztbesuch am UKE hatten sie an durchschnittlich fünf Tagen nicht arbeiten können, heißt es.

Dabei gibt es ausführliche Leitlinien zur Behandlung der Migräne, an denen sich Ärzte orientieren können. Die S1-Leitlinie »Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne« der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und der Deutschen Migräne-und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) wurde 2018 überarbeitet und aktualisiert. Und tatsächlich: Nachdem in der UKE-Ambulanz eine leitliniengerechte Therapie eingeleitet worden war, bewerteten die Ärzte die Wirksamkeit nach drei bis sechs Monaten in 71 Prozent der Fälle als sehr gut oder gut. Bei 140 Patienten mit mindestens drei Migräneattacken pro Monat ohne Prophylaxe erwies sich diese in 80 Prozent der Fälle als sehr gut oder gut wirksam und in 76 Prozent der Fälle auch als sehr gut oder gut verträglich.

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