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Update Reizdarm-Leitlinie

Mikrobiom gewinnt an Bedeutung

Das Reizdarmsyndrom ist schwer fassbar. Das gilt für die Diagnose genauso wie für die Behandlung. Zu unterschiedlich und wenig vorhersehbar sind die jeweils auftretenden Symptome und der individuelle Erfolg einer Medikation. Da die meisten Patienten keinen Arzt aufsuchen, ist der Rat des pharmazeutischen Personals gefragt. Die überarbeitete Leitlinie fasst aktuelles Wissen zusammen.
Elke Wolf
29.07.2020  16:00 Uhr

»Das Reizdarmsyndrom bleibt ein komplexes Krankheitsbild und ist am ehesten multifaktoriell, wobei Störungen der Darmbarriere (Stichwort leaky gut), der mukosalen Immunabwehr, des Mikrobioms, des enterischen Nervensystems und der Darm-Gehirn-Interaktion mit der Erkrankung in Verbindung gebracht werden«, erklärte Dr. Viola Andresen, Koordinatorin der überarbeiteten S3-Leitlinie, bei der Online-Jahrespressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). Vor allem die Darmmikrobiota scheint eine größere Rolle im Krankheitsgeschehen zu spielen als bislang gedacht, sagte die Gastroenterologin vom Viszeral-Medizinischen Zentrum des Israelitischen Krankenhauses in Hamburg. Im Leitlinien-Update nehmen denn auch neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu einem in Quantität und Qualität veränderten Darmmikrobiom einen größeren Raum ein.

Das Reizdarmsyndrom ist zu einem guten Teil eine Ausschlussdiagnose, informierte Andresen. In Abhängigkeit von den dominierenden Einzelsymptomen unterteilt man in vier Subtypen. So gibt es einen Schmerz (und/oder Bläh)-betonten Typ, außerdem ein Obstipations-, einen Diarrhö- und Misch-Typ, bei dem Diarrhö und Obstipation im Wechsel vorkommen. Andresen hält diese Einteilung für hilfreich für das diagnostische und therapeutische Vorgehen.

Neu im Leitlinien-Update ist Andresen zufolge die stärkere Gewichtung von Differenzialdiagnosen, die in Abhängigkeit der vorherrschenden Symptome ausgeschlossen werden müssen. So haben sie und ihre Leitlinienkollegen etwa eine deutlich umfangreichere Diagnostik für Ernährung ausgearbeitet und etwa die Themen Gluten-Sensitivität und Histaminintoleranz neu aufgenommen. »Außerdem gibt es negative Empfehlungen für wissenschaftlich nicht etablierte Immunglobulin G (IgG)-basierte Tests für Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten und für eine »Stuhlanalyse auf Dysbiose« sowie eine Warnung vor unnötigen und problematischen Eliminationsdiäten.«

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