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Immunregulation

Mikrobiom und Multiple Sklerose

Ein Stoffwechselprodukt der Darmbakterien, die kurzkettige Fettsäure Propionsäure, beeinflusst die Darm-vermittelte Immunregulation bei Menschen mit Multipler Sklerose (MS).
Annette Immel-Sehr
20.04.2020
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Das hat ein Team der Ruhr-Universität Bochum unter Leitung von Professor Dr. Aiden Haghikia gezeigt. Im Darm interagieren Nahrung, Mikrobiom und das Immunsystem der Darmwand. »Die Darmbakterien können direkt und indirekt Einfluss auf entfernte Strukturen wie das Gehirn nehmen«, erklärt Haghikia. In ihrer Arbeit wiesen die Forscher nach, dass die Mikrobiom-Zusammensetzung bei MS-Betroffenen verändert ist.

Darüber hinaus konnten sie erstmals einen Mangel von Propionsäure im Stuhl und Serum von MS-Patienten zeigen, die in der frühesten Phase der Erkrankung am stärksten ausgeprägt war. Die Gabe von Propionsäure zusätzlich zu MS-Medikamenten reduzierte langfristig die Schubrate und das Risiko einer Behinderungszunahme. Zudem weisen erste Kernspin-Untersuchungen darauf hin, dass die Propionsäure den Nervenzell-Untergang reduziert. Die kurzkettigen Fettsäuren stellen nur einen Bruchteil der Stoffwechselprodukte von Darmbakterien dar, die durch die bakterielle Einwirkung aus der Nahrung entstehen. Diätetische Maßnahmen könnten somit in der Behandlung der MS zukünftig eine Rolle spielen.

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