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WHO gibt Entwarnung

Mikroplastik im Trinkwasser noch unproblematisch

Mikroplastik im Trinkwasser auf dem jetzigen Niveau stellt kein Gesundheitsrisiko dar. Zu diesem Ergebnis kommt Maria Neira, Expertin der Weltgesundheitsorganisation WHO – allerdings mit der Einschränkung »basierend auf den begrenzt verfügbaren Informationen«.
Katja Egermeier/dpa
22.08.2019
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Die Vorkommen von Mikroplastik im Trinkwasser und seine etwaigen gesundheitlichen Auswirkungen müssten noch genauer untersucht werden, erklärt die WHO gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Das gelte für die Verbreitung dieser Partikel und auch für die Risiken. Die Wissensbasis müsse in jedem Fall erweitert und vor allem das Wachsen des weltweiten Plastikmüllbergs gestoppt werden. »Mikroplastik ist überall in der Umwelt, auch im Wasserkreislauf«, heißt es in dem WHO-Report.

Mit einer fachgerechten Reinigung könne das Abwasser von 90 Prozent des Mikroplastiks gereinigt werden. Das gelte auch für die Behandlung von Trinkwasser, so die WHO weiter. Das Problem sei, dass ein großer Teil der Weltbevölkerung aktuell nicht in den Genuss einer adäquaten Wasser- und Abwasserbehandlung komme.

Leitungswasser weniger belastet als Mineralwasser

In deutschem Leitungswasser sei erheblich weniger Mikroplastik entdeckt worden als in Mineralwasser, sagte Martin Wagner von der Norwegian University of Science and Technology in Trondheim. Es sei davon auszugehen, dass Kläranlagen den Großteil der Plastikpartikel entfernen. »Das Problem hierbei ist allerdings, dass sich das Mikroplastik dann im Klärschlamm befindet und wieder in die Umwelt gelangt, wenn der Klärschlamm zur Düngung in der Landwirtschaft verwendet wird.« Über die gesundheitlichen Auswirkungen von Mikroplastik könne man noch keine generellen Aussagen machen.

Den Ruf nach mehr Forschung insbesondere bei der möglichen Wirkung von Mikroplastik über 150 Mikrometer teilt auch der Umweltmediziner Hanns Moshammer von der Medizinischen Universität Wien. »Gesunde Haut oder Schleimhaut stellt tatsächlich eine recht effiziente Barriere gegenüber größeren Teilchen dar.« Forschungsbedarf bestehe aber zum Barriereverhalten von erkrankter Haut oder Schleimhaut – zum Beispiel nach Verletzungen oder bei Entzündungen.

Menschen nehmen nach Angaben australischer Forscher täglich Mikroplastik zu sich – durch Nahrung, Trinkwasser oder durch bloßes Atmen. Bis zu 5 Gramm der winzigen Teilchen kommen so pro Woche in den Körper – abhängig von den Lebensumständen. Eine Kreditkarte wiegt in etwa fünf Gramm. Die Untersuchung basiert auf Daten zu Mikroplastik – also Teilchen kleiner als 5 Millimeter – in der Atemluft, im Trinkwasser, in Salz, Bier und in Schalentieren.

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