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450-Euro-Job

Minijobs – nicht nur in Corona-Zeiten problematisch

In öffentlichen Apotheken sind geringfügig entlohnte Beschäftigungen beliebt. Diese 450-Euro-Jobs haben jedoch einige Nachteile, wie neue Untersuchungen zeigen.
Michael van den Heuvel
26.07.2021  12:30 Uhr

Das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung untersucht regelmäßig Fragestellungen rund um den Arbeitsmarkt, die soziale Sicherung und die Tarifpolitik. Jetzt haben sich die Forschenden im Detail mit 450-Euro-Jobs befasst. Sie fanden heraus, dass am Stichtag, den 30. Juni 2020, rund 7,1 Millionen Angestellte einen Minijob hatten. Bei der Detailanalyse fallen ein paar Besonderheiten auf.

Gender-Effekte

Für 2,8 Millionen Personen war die geringfügig entlohnte Beschäftigung ein Nebenjob. Sie hatten eine weitere Tätigkeit. Sprich: Sie und ihr Arbeitgeber zahlten regulär Beiträge in die Arbeitslosen-, Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung ein.

4,25 Millionen Angestellte hatten dagegen nur den Minijob. Wenig überraschend waren darunter mehr als 60 Prozent Frauen. Sie nutzen Minijobs etwa, um nach Familienpausen wieder in den Beruf einzusteigen, auch ein häufiges Phänomen in Apotheken.

Regionale Unterschiede

Darüber hinaus fanden die WSI-Forscherinnen und -forscher regionale Unterschiede. Im Westen ist diese Form der Anstellung demnach weiter verbreitet als im Osten. In den westlichen Bundesländern lag die Minijob-Rate bei 12,0 Prozent, in den östlichen Bundesländern bei 8,0 Prozent. Als Erklärung führt das WSI-Team deutlich höhere Vollzeit-Erwerbstätigkeiten im Osten an.

Kaum Rentenansprüche

Allein zwischen Ende Juni 2019 und Ende Juni 2020 sind laut WSI bundesweit durch Corona rund 516.000 Minijobs weggefallen. Betroffen waren 386.000 Angestellte, die außer ihrem Minijob kein weiteres Beschäftigungsverhältnis hatten.

»Die Nachteile von 450-Euro-Minijobs überraschen nicht«, sagt Adexa-Vorstand und Tarifexpertin Tanja Kratt. Weil Angestellte und Arbeitgeber keine Beiträge zur Arbeitslosenversicherung entrichteten, fehle ihr Anspruch auf Arbeitslosenversicherung und auf Kurzarbeitergeld. Das gilt nicht nur während der Pandemie. »Auch in normalen Zeiten sind Minijobs aus unserer Sicht problematisch, weil in der Regel keine oder nur sehr geringe Rentenversicherungsansprüche entstehen«, so Kratt.

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