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Energieräuber

Mit Miesmachern souverän umgehen

Als Energieräuber bezeichnet man Menschen, die anderen durch ihre Denk- und Verhaltensweise die Stimmung verderben und so von ihren Gesprächspartnern besonders viel Energie einfordern. Mit der richtigen Strategie gelingt es in den meisten Fällen, sich wirksam vor dem negativen Einfluss dieser Mitmenschen zu schützen.
Andreas Nagel
06.06.2019
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Es gibt Menschen, die vor allem Freude und Leichtigkeit verbreiten und mit denen jeder gerne zusammen ist. Nach einem Gespräch mit diesen Menschen fühlt man sich bereichert und ist positiv gestimmt. Leider gibt es aber auch Menschen, die immer wieder negative Stimmung verbreiten. Nach einem Gespräch mit ihnen fühlt man sich ausgelaugt und erschöpft. Solche Energieräuber begegnen uns in der Familie, im Freundeskreis oder am Arbeitsplatz.

Da gibt es den Freund, der ständig neue berufliche Probleme hat, die Schwester, die immer wieder Streit mit ihrem Partner hat, die Nachbarin, der es gesundheitlich immer schlecht geht oder den Chef mit seiner übersteigerten Selbstdarstellung. Zu den Energieräubern gehören auch Menschen, die sich permanent über alles und jeden beklagen: Das Wetter ist zu heiß oder zu kalt, die Arbeit ist zu viel oder zu langweilig und die Kollegen sind unfähig oder zu ehrgeizig.

Die Gedanken solcher Menschen kreisen meist ausschließlich um die eigenen Bedürfnisse, Wünsche, Probleme oder Ängste, und sie erwarten im Gespräch die volle Aufmerksamkeit und Unterstützung ihrer Mitmenschen. Was ihre Gesprächspartner bewegt, nehmen sie hingegen kaum wahr; sie interessieren sich meist auch nicht dafür. Energieräuber werden daher von den meisten Menschen als besonders anstrengende Gesprächspartner empfunden. Da diese Menschen viel geistige Energie »absaugen«, werden sie gelegentlich auch als Energievampire bezeichnet.

Egomanen und Nörgler

Im Alltag begegnet man verschiedenen Typen von Energieräubern mit markanten Eigenschaften. Der Egomane redet viel und gerne über sich selbst und erwartet die ständige Anerkennung und Bewunderung anderer Menschen. Diese Menschen kompensieren durch den Wunsch nach ständiger Aufmerksamkeit und Beachtung oft ein geringes Selbstbewusstsein. Das Opfer erzählt gerne und ausführlich, wie schlecht es ihm geht oder wie schlecht andere Menschen es behandeln. An seinen Problemen sind generell die Mitmenschen schuld. Der Nörgler hat ständig etwas zu kritisieren und an allem etwas auszusetzen. Er redet selbst die schönsten Dinge schlecht. Wenn jemand etwas gut findet, findet er zielsicher einen negativen Aspekt.

Der Ausbeuter beansprucht ständig die Hilfe seiner Mitmenschen, hat aber meist keine Zeit, wenn er selbst einmal gebraucht wird. Er bittet andere ständig um einen Gefallen und erwartet Verständnis für alle seine Notlagen und Probleme. Der Besserwisser weiß grundsätzlich alles besser, belehrt andere permanent und sagt ihnen, was sie seiner Meinung nach tun sollten. Wenn etwas schiefgeht, hat er es immer schon vorher gewusst. Wenn jemand einen Vorschlag macht, hat er eine vermeintlich bessere Idee. Der Gestresste erzählt viel und gern von seinem anstrengenden Beruf und schildert ausführlich, wie er ein extrem hohes Arbeitspensum unter hohem Zeit- und Termindruck doch noch erledigt hat. Gerne zählt er auf, was er in den nächsten Tagen noch alles zu bewältigen hat und wie wenig ihn Kollegen und Chefs unterstützen. Der Dauerredner verwickelt sein Gegenüber gerne in ausufernde und langatmige Gespräche über persönliche oder belanglose Themen. Er berichtet in ermüdenden Monologen ausführlich über seine Situation und seine Probleme und lässt den anderen dabei selten oder gar nicht zu Wort kommen.

Akzeptieren Sie zunächst, dass Sie es beruflich und privat immer wieder mit Energieräubern zu tun haben werden. Statt sich darüber zu ärgern, können Sie es als sportliche Herausforderung betrachten, auch mit diesen Menschen souverän umzugehen. Wählen Sie aus den folgenden Vorschlägen diejenigen Maßnahmen, die am besten zu Ihrer individuellen Situation und zu der betreffenden Person passen.

Persönlichen Kontakt reduzieren

Überlegen Sie zunächst, welche Menschen Ihnen persönlich Energie rauben. Versuchen Sie, den Kontakt zu diesen Menschen entweder ganz zu vermeiden oder so weit wie möglich zu reduzieren. Die einfachste und wirkungsvollste Maßnahme gegen Energieräuber ist es sicherlich, diesen Menschen vollständig aus dem Weg zu gehen. Vereinbaren Sie keine Treffen mehr mit diesen Personen und nehmen Sie keine Telefonate mehr entgegen. Manchmal können Sie den anstrengenden persönlichen Kontakt auch vermeiden, indem Sie mit diesen Menschen vorrangig per Email oder Textnachricht kommunizieren. Wenn Sie unsicher sind, ob ein völliger Kontaktabbruch wirklich sinnvoll oder doch zu radikal ist, so können Sie sich zur Entscheidungsfindung fragen: »Was würde ich eigentlich verlieren, wenn ich nie wieder etwas mit diesem Menschen zu tun hätte?«

Ein völliger Kontaktabbruch wird allerdings oft nicht möglich oder sinnvoll sein. Manche Menschen können Sie nicht völlig meiden, weil es Ihre Kollegen, Nachbarn, Bekannten oder Verwandten sind. Versuchen Sie dann zumindest, weniger Zeit mit diesen Personen zu verbringen. Sprechen und telefonieren Sie möglichst wenig mit ihnen und setzen Sie sich auf Veranstaltungen nicht freiwillig neben sie.

Sie sollten auch Ihre eigene Verhaltensweise einmal kritisch überprüfen. Wenn Sie immer wieder Opfer derselben Energieräuber werden, haben Sie sich vielleicht durch Ihr Verhalten selbst zu einem bevorzugten Gesprächspartner für diese Menschen gemacht. Wenn Sie sich gut in andere Menschen hineinversetzen oder besonders geduldig zuhören können, sind Sie natürlich ein geeigneter Ansprechpartner. Energieräuber haben ein sicheres Gespür für Menschen, die sehr empathisch und hilfsbereit sind und wissen genau, an wen sie sich mit ihren Belangen wenden können.

Überlegen Sie einmal, warum Sie sich überhaupt so viel Zeit für diese Energieräuber nehmen. Haben Sie ein schlechtes Gewissen, wenn Sie nicht ständig zur Verfügung stehen? Fühlen Sie sich für den Energieräuber verantwortlich? Oder haben Sie Mitleid mit der Person? Im Interesse Ihres eigenen Wohlergehens sollten Sie in diesem Fall aber auch auf Ihre eigenen Energiereserven achten und Kontakte mit diesen Personen zeitlich begrenzen.

Gespräch aktiv steuern

Sie haben auch die Möglichkeit, den Gesprächsverlauf bei Energieräubern aktiv zu steuern. Setzen Sie negativen Aussagen möglichst immer etwas Positives entgegen. Berichten Sie bewusst und ausführlich über positive Ereignisse aus Ihrem eigenen Leben oder lenken Sie das Gespräch auf neutrale Themen. So erhöhen Sie bewusst den eigenen Gesprächsanteil. Je mehr und je länger Sie selbst reden, desto weniger Gelegenheit hat der Energieräuber, seine negativen Themen darzustellen.

Auch durch gezielte Fragen können Sie das Gespräch auf ein anderes Thema lenken. Zum Beispiel: „Ich verstehe dein Problem und es tut mir leid, dass es dich so stark belastet. Aber wir müssen heute unbedingt noch die Produktplatzierung besprechen. Welche Produkte sollten wir deiner Meinung nach hervorheben?“ Die direkte Frage lenkt die Aufmerksamkeit des Gesprächspartners automatisch auf ein anderes Thema und macht es unmöglich, das bisherige Thema fortzusetzen.

Als zusätzliche Maßnahme können Sie sich auch noch einige Gründe und Formulierungen überlegen, mit denen Sie unangenehme Gespräche von sich aus beenden können. Zum Beispiel: »Ich würde mich gerne noch länger mit dir unterhalten, aber ich muss jetzt unbedingt XXX erledigen!« Sagen Sie auch bewusst »Nein« zu unangemessenen Wünschen, die an Sie herangetragen werden. Wenn Sie Ihre Ablehnung geschickt formulieren und begründen, ist die Wahrscheinlichkeit negativer Reaktionen relativ gering. »Es tut mir wirklich leid, dass du solche Probleme hast. Ich würde dir gerne helfen, aber ich habe noch einen wichtigen Termin und eine wichtige Aufgabe, die ich nicht verschieben kann.« Bei diesen Verhaltensweisen wird der Energieräuber schnell feststellen, dass er in Ihnen keinen geeigneten Zuhörer für seine Themen mehr findet und sich zukünftig vermehrt an andere Personen wenden.

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