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Deutlicher Gewichtsverlust

Mit Herz-Medikament zum Idealgewicht?

Forscher haben die Wirkung von Digoxin in Tierversuchen getestet – einem Medikament, das gegen Herzrhythmusstörungen und Herzschwäche eingesetzt wird. Bei fettleibigen Mäusen reduzierte es Entzündungen und führte zu einem Gewichtsverlust von bis zu 40 Prozent. Der Wirkstoff hat jedoch seine Tücken.
Aponet
23.04.2021  11:00 Uhr

Digoxin machte die Fettleibigkeit der Tiere vollständig rückgängig: Behandelte Mäuse erreichten das gleiche Gewicht wie gesunde Tiere. Die Tiere, die durch eine kalorienreiche Ernährung fettleibig waren, fraßen weiter wie zuvor. Ihr Stoffwechsel war jedoch aktiver, was zur Verbrennung von überschüssigem Fett und dem Gewichtsverlust führte. Die Mäuse wurden dadurch auch von Stoffwechselstörungen geheilt, die mit dem starken Übergewicht verbunden waren.

Fettleibigkeit geht mit Entzündungen einher, die vermutlich eine chronische Abwehrreaktion des Körpers auf Stress durch überschüssige Nährstoffe sind. Digoxin reduzierte die Produktion eines Botenstoffes namens IL-17A, der Entzündungen auslöst. Die Forscher fanden heraus, dass IL-17A direkt auf das Fettgewebe einwirkte und Stoffwechselveränderungen verursachte, die mit der Gewichtszunahme des Körpers verbunden sind, dem sogenannten metabolischen Syndrom, das Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen umfasst. »Da keine wirksamen Behandlungen für Fettleibigkeit und das metabolische Syndrom verfügbar sind, könnte Digoxin eine wirksame Option für die Therapie darstellen«, schreiben die Studienautoren im Fachjournal »Nature Metabolism«.

»Die Aussicht, dass übergewichtige Patienten für kurze Zeit Digoxin einnehmen, bis sich der Gewichtsverlust stabilisiert, und sich dann gesund ernähren, klingt verlockend«, sagte die Studienautorin Ana Teijeiro. Die Forscher weisen jedoch darauf hin, dass die Ergebnisse bei Mäusen erzielt wurden und zunächst beim Menschen bestätigt werden müssen. Noch dazu hat der Wirkstoff Digoxin nur eine geringe therapeutische Breite. Das heißt, wird er nur wenig zu hoch dosiert, können bereits ernste Nebenwirkungen auftreten. Bei den Mäusen in der Studie war das laut der Autoren nicht der Fall, obwohl sie eine höherer Dosis als bei Menschen üblich erhalten hatten. Doch aus der Therapie von Herzerkrankungen beim Menschen kennen Ärzte diesen Effekt des Wirkstoffs seit langem.

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