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Statt zum Hausarzt

Mit Neurodermitis besser zum Hautarzt

Hautärzte sind mit den offiziellen Leitlinien zur Neurodermitis-Therapie am besten vertraut. Dennoch gehen viele von der Hauterkrankung Betroffene etwa zum Allgemeinmediziner, Kinderarzt oder Internisten, wo sie häufig nicht nach den aktuell geltenden Empfehlungen und seltener mit innovativen Medikamenten behandelt werden. Die Empfehlung in der Beratung sollte daherlauten: Gehen Sie zum Dermatologen!
Katja Egermeier
16.04.2021  15:00 Uhr

Einer aktuellen Datenanalyse der Techniker Krankenkasse (TK) zufolge gehen fast zwei Drittel (63 Prozent) der neu an Neurodermitis Erkrankten zur Abklärung der Symptome nicht zum Hautarzt. Viele, die sich zunächst Rat beim Dermatologen suchen, wechselten sogar im Laufe der Zeit zum Allgemeinmediziner. Nur ein Viertel der Neurodermitispatienten würden zwei Jahre nach Beginn der Erkrankung noch von einem Hautarzt betreut, so die TK.

Ersteinschätzung und dann Überweisung

»Eine Ersteinschätzung durch den Hausarzt ist bei Hautsymptomen unklarer Ursache durchaus sinnvoll«, erklärt Erhard Hackler, geschäftsführender Vorstand der Deutschen Haut- und Allergiehilfe in Bonn. Schließlich könne auch eine organische Erkrankung dahinterstecken. Bestätige sich jedoch der Verdacht auf eine Hautkrankheit, sollte eine Überweisung zum Dermatologen erfolgen.

»Allgemeinmediziner müssen fachlich breit aufgestellt sein. Da ist es kaum möglich, jederzeit in allen Fachgebieten auf dem neuesten Stand der Forschung zu sein«, gibt Hackler zu bedenken. »Gerade bei chronischen Erkrankungen wie Neurodermitis ist es wichtig, bestehende Therapien immer wieder kritisch zu hinterfragen und bei Bedarf andere Möglichkeiten auszuloten. Das ist Sache der Hautärzte.«

Innovative Therapien eher vom Dermatologen

Tatsächlich weisen die Daten darauf hin, dass Allgemeinmediziner, Kinderärzte und Internisten hinsichtlich Medikamentenauswahl und Behandlungsdauer weniger gut mit den offiziellen Leitlinien zur Neurodermitistherapie vertraut sind als Hautärzte. Zudem seien sie deutlich zurückhaltender bei der Verschreibung innovativer Arzneimittel wie zum Beispiel Biologika, die seit 2017 auf dem Markt sind, so die TK.

Diese Wirkstoffe greifen sehr gezielt in das Entzündungsgeschehen ein und belasten das Immunsystem insgesamt viel weniger als ältere entzündungshemmende Medikamente. Solche neuen, aber auch bewährte ergänzende Behandlungsmöglichkeiten wie etwa die Phototherapie werden vornehmlich von Dermatologen verordnet.

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