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Auslandsreisen

Mit Reiseimpfungen sicher unterwegs

Nach zwei Jahren Pandemie lockt es die Menschen diesen Sommer wieder in die Ferne. Neben den jeweiligen Einreisebedingungen, die das Coronavirus betreffen, sollten sie sich vor Reiseantritt auch über alle nötigen Schutzimpfungen informieren.
Caroline Wendt
21.06.2022  16:00 Uhr

Seit dem 1. Juni gelten bezüglich des Coronavirus für Reisende nach Deutschland keine Einreisebeschränkungen mehr, sofern sie nicht aus einem Hochrisiko- oder Virusvariantengebiet kommen. In anderen Ländern sieht es ähnlich aus, doch ist es ratsam, sich vor Reiseantritt genau zu informieren. So sind beispielsweise die Internetseiten oder Apps des Auswärtigen Amts oder des Centrums für Reisemedizin (CRM) gute Informationsquellen. Generell gilt: Wer dreimal gegen Corona geimpft ist, kann meist ohne Probleme reisen.

Je nach Reiseziel sind aber noch weitere Schutzimpfungen ratsam. Selbst bei einer geplanten Reise innerhalb Deutschlands sollte man sich frühzeitig informieren: Etwa Wanderer, die in eine Gegend reisen wollen, in der die Übertragung von Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) durch Zecken wahrscheinlich ist, sollten rechtzeitig an eine Schutzimpfung denken. FSME tritt vor allem in Süddeutschland auf, ist aber auch in nördlichen Landkreisen zu finden. Eine Infektion kann zu einer Gehirn-, Hirnhaut- oder Rückenmarksentzündung führen. Neben dem europäischen Subtyp (FSME) gibt es den sibirischen und den fernöstlichen Subtyp, Tick-Borne Encephalitis (TBE) ist der Überbegriff.

Die in Deutschland zugelassenen Impfstoffe Encepur® und FSME-Immun® schützen vor allen TBE-Varianten und müssen dreimal im Abstand von ein bis drei Monaten und fünf bis zwölf Monaten gespritzt werden. Eine Auffrischungsimpfung wird alle drei Jahre empfohlen. Wird die Zeit vor einer Reise knapp, gibt es auch eine sogenannte Schnellimmunisierung, bei der der Impfling bereits nach 7 bis 14 Tagen die zweite Dosis erhält.

Gelbfieber

Genau wie die TBE-Viren gehören auch die Erreger des Gelbfiebers zur Familie der Flaviviren. Sie werden durch blutsaugende Stechmücken übertragen, die entweder in Regenwäldern oder in der Nähe von dicht besiedelten Gebieten mit vielen Mücken und geringer Impfquote vorkommen. Laut Robert-Koch-Institut (RKI) tritt das Virus ausschließlich in den tropischen Regionen Afrikas und Südamerikas sowie auf einzelnen Karibikinseln und in südlichen Teilen Mittelamerikas auf. Kommt es zu einer Infektion, treten Symptome wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen auf. In schweren Fällen kann es in Phase zwei der Erkrankung zu Gelbsucht, Blutungen, Nieren- und/oder Leberversagen sowie Multiorganversagen kommen.

Reisende sollten sich mindestens zehn Tage vor Einreise in ein Endemie-Gebiet durch eine Impfung schützen. In Deutschland gibt es dafür den Lebendimpfstoff Stamaril®. Die Immunisierung darf nicht vom Hausarzt durchgeführt werden, sondern nur in einer von den Gesundheitsbehörden der Länder zugelassenen Gelbfieber-Impfstelle.

Einige Länder verlangen von allen Einreisenden, die älter als neun Monate sind, den Nachweis einer Impfung. In anderen Ländern ist das nur verpflichtend, wenn die Einreise aus einem Endemie-Gebiet nach einem mehr als zwölf Stunden andauernden Transit erfolgt. Das Impfzertifikat ist laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) ein Leben lang gültig. Einige Länder verlangen allerdings nach wie vor eine Auffrischungsimpfung.

Hepatitis A

Neben der Hepatitis-B-Impfung, die von der Ständigen Impfkommission (STIKO) des RKI zu den Standardimpfungen gezählt wird, ist bei Einreise in einige Länder auch eine Immunisierung gegen Hepatitis A sinnvoll. Bei hoher Krankheitsprävalenz im Zielland sollte sie unabhängig von Reisedauer und Reisestil durchgeführt werden. Aktuelle Fälle von Hepatitis A haben beispielsweise dazu geführt, dass auch die USA zu den Ländern zählt, für die das CMR eine vorherige Immunisierung empfiehlt. Das Virus ist in süd- und osteuropäischen Ländern, Afrika, Asien, sowie Süd- und Mittelamerika weit verbreitet.

Urlauber stecken sich meist über kontaminiertes Wasser oder Lebensmittel wie Gemüse oder Salat an (Schmierinfektion). Eine Infektion führt in circa 70 Prozent der Fälle zu einer Gelbsucht, die durch eine nicht-chronische Entzündung der Leber verursacht wird. Schützen können sich Urlauber durch die monovalenten Vakzine Havrix® 1440, Avaxim oder Vaqta®. Hier sind zwei Immunisierungen im Abstand von sechs bis zwölf Monaten nötig. Da Hepatitis A eine mehrwöchige Inkubationszeit hat, ist eine erste (monovalente) Last-Minute-Impfung auf dem Weg zum Flughafen noch möglich, um nach einer potentiellen Ansteckung den Ausbruch der Krankheit zu verhindern. Die zweite Immunisierung nach sechs Monaten sollte aber dennoch unbedingt durchgeführt werden, um einen Langzeitschutz zu erreichen.

Wem der Schutz vor Hepatitis B fehlt, kann auch einen Kombinationsimpfstoff erhalten (Twinrix®, Ambirix®). In diesem Fall sind drei Impfungen mit Abstand von einem und sechs Monaten nötig. Eine weitere Kombinationsmöglichkeit bietet der Impfstoff Viatim®. Dieses Vakzin schützt nach zwei Impfdosen im Abstand von sechs bis zwölf Monaten neben Hepatitis A auch vor einer Typhus-Infektion.

Typhus

Typhus und Paratyphus werden durch die bakteriellen Erreger Salmonella Typhi und Salmonella Paratyphi verursacht. Auch hier erfolgt die Ansteckung meist über eine Schmierinfektion und führt nach Fieber und allgemeinem Krankheitsgefühl in der zweiten und dritten Krankheitswoche zu den typischen erbsbreiartigen Durchfällen. Unbehandelt ist bei Typhus ein lebensbedrohlicher Verlauf möglich, es kann unter anderem zu Darmblutungen, Darmperforation oder Thrombosen kommen. Eine Infektion mit Paratyphus verläuft meist milder. Die Bakterien kommen zwar weltweit vor, sind jedoch heute überwiegend in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen zu finden. Das RKI empfiehlt, dass sich Reisende, die sich in Endemiegebieten und unter schlechten hygienischen Bedingungen aufhalten, mit einer Impfung vor der Infektion schützen sollen.

Neben dem genannten Kombinationsimpfstoff gibt es noch den Polysaccharid-Impfstoff Typhim Vi® und den oralen, abgeschwächten Lebendimpfstoff Typhoral® L. Bei Typhim Vi reicht eine einmalige Injektion aus, die Kapseln des Lebendimpfstoffes müssen an den Tagen eins, drei und fünf geschluckt werden. Vorsicht ist geboten bei gleichzeitiger Einnahme einer Malaria­Prophylaxe oder von Antibiotika: Die lebenden Erreger der Schluckimpfung können durch die Arzneimittel wirkungslos werden.

Cholera

Gleiches gilt für die Schluckimpfungen Dukoral® und Vaxchora® gegen Cholera. Die beiden Vakzinen schützen vor dem gramnegativen Stäbchenbakterium Vibrio cholerae, welches bei Infektion über verunreinigtes Wasser oder Speisen schwere wässrige Durchfälle und Erbrechen hervorrufen können. Das RKI schätzt das Risiko einer Ansteckung für Reisende allerdings als gering ein und empfiehlt eine Immunisierung lediglich für Personen, die in Epidemiegebiete mit voraussichtlich ungesichertem Zugang zu Trinkwasser reisen, eine längerfristige Tätigkeit in einem Risikogebiet etwa als Katastrophenhelfer planen.

Die Immunisierung mit Dukoral erfordert zwei Impfdosen im Abstand von einer bis sechs Wochen und sollte eine Woche vor Reisebeginn abgeschlossen sein. Bei Vaxchora ist eine einmalige Anwendung mindestens zehn Tage vor Erregerkontakt ausreichend.

Erkrankung Impfstoffe (Beispiele) Impfschema (Erwachsene)
FSME/TBE Encepur®, FSME-Immun® 3 Impfungen im Abstand von 1 bis 3 Monaten und 5 bis 12 Monaten
Gelbfieber Stamaril® Einzeldosis mindestens 10 Tage vor Einreise in Endemiegebiet
Hepatitis A Havrix® 1440, Avaxim, Vaqta 2 Impfungen im Abstand von 6 bis 12 Monaten nötig
Hepatitis A und B Twinrix®, Ambirix® 3 Impfungen im Abstand von 1 und 6 Monaten
Hepatitis A und Typhus Viatim® 2 Impfungen im Abstand von 6 bis 12 Monaten
Typhus Typhim Vi® Einzeldosis
Typhus Typhoral® L 3 Schluckimpfungen 1., 3. und 5. Tag
Cholera Dukoral® 2 Impfungen im Abstand von 1 bis 6 Wochen
Cholera Vaxchora® Einzeldosis mindestens 10 Tage vor Erregerkontakt
Meningokokken (ACWY) Nimenrix®, MenQuadfi®, Menveo® Einzeldosis
Japanische Enzephalitis Ixiaro® 2 Impfungen im Abstand von 4 Wochen
Tollwut Tollwut-Impfstoff (HDC)®, Rabipur® 3 Impfungen im Abstand von 7 und 21 bis 28

Meningokokken

Vor eine Infektion mit dem Bakterium Neisseria meningitidis (Link) fühlen sich wahrscheinlich viele geschützt, da eine entsprechende Impfung in ihrem Impfpass steht. Doch erhalten Impflinge in Deutschland in der Regel nur eine Immunisierung gegen den Serotypen C der Meningokokken. Weltweit zirkulieren jedoch auch andere Stämme: A, B, C, W, X und Y sind die Hauptverantwortlichen für schwere Krankheitsverläufe, die mit Meningitis, septischen Verläufen und Störung der Blutgerinnung einhergehen.

Daher empfiehlt die STIKO für Reisende eine Immunisierung mit einem ACWY-Vakzin (zum Beispiel Nimenrix®, MenQuadfi® oder Menveo®). Personen, die in Länder mit epidemiologischem Meningokokken-Vorkommen fahren und engen Kontakt zur Bevölkerung haben werden (zum Beispiel Entwicklungshelfer), sollten sich demnach impfen lassen. Auch bei einem aktuellen Krankheitsausbruch oder wenn eine Impfempfehlung für die Bevölkerung vorliegt, ist eine entsprechende Schutzimpfung sinnvoll. Das RKI empfiehlt zudem eine Immunisierung für Schüler und Studierende, die einen Langzeitaufenthalt in einem Land planen, in dem es eine generelle Impfempfehlung gibt. Für Pilgernde nach Mekka (Saudi-Arabien) ist eine ACWY-Impfung bei Einreise sogar verpflichtend. Auch einzelne Länder des sogenannten Meningitisgürtels – Gebiete in der Subsaharazone und in Asien –, wo große saisonale Epidemien auftreten, verlangen einen Impfnachweis. Das RKI rät, die wesentlichen Merkmale des verwendeten Impfstoffs in englischer Sprache in den internationalen Impfausweis einzutragen (zum Beispiel Meningococcal quadrivalent conjugate vaccine). Eine einmalige Immunisierung ist bei Erwachsenen ausreichend.

Japanische Enzephalitis

Die Japanische Enzephalitis ist vergleichsweise unbekannt. Die Viren werden hauptsächlich durch die Culex-Mücke in den subtropischen und tropischen Regionen Asiens und den nördlichen Regionen Australiens übertragen. In 99 Prozent der Fälle verläuft eine Erkrankung asymptomatisch, es kann jedoch auch zu einer Enzephalitis kommen.

Das RKI empfiehlt daher insbesondere bei Reisen in aktuelle Ausbruchsgebiete, Langzeitaufenthalt (mehr als vier Wochen), wiederholten Kurzzeitaufenthalten oder voraussehbarem Aufenthalt in der Nähe von Reisfeldern und Schweinezucht eine Impfung. Dafür steht in Deutschland das Vakzin Ixiaro® zur Verfügung. Mit zwei Impfstoffdosen im Abstand von vier Wochen oder von sieben Tagen nach dem Schnellimpfschema können sich Reisende vor einer Infektion schützen.

Tollwut

Ein Schnellimpfschema gibt es auch gegen den Erreger der Tollwut. Ein guter Schutz ist unter bestimmten Bedingungen bei Reisen in Risikogebiete unbedingt nötig. Denn nach Auftreten der ersten Krankheitssymptome, die zunächst unspezifisch sind und sich zu einer hirnstammbetonten Enzephalitis verschlimmern, endet eine Infektion nämlich immer tödlich. Die Viren finden sich im Speichel infizierter Tiere und werden per Biss oder Wund- beziehungsweise Schleimhautkontakt mit infiziertem Speichel auf den Menschen übertragen. Hauptansteckungsquelle sind Hunde, in tropischen Regionen auch Affen. Zudem ist in Lateinamerika die blutsaugende Vampirfledermaus als mögliche Gefahr zu nennen. Die meisten Todesfälle durch Tollwut werden in Afrika und Asien verzeichnet.

Für eine Impfung stehen zwei verschiedene Vakzinen zur Verfügung: Tollwut-Impfstoff (HDC)® und Rabipur®. Für eine vollständige Immunisierung, bei Tollwut auch Präexpositionsprophylaxe (PrEP) genannt, sind drei Impfungen an den Tagen 0, 7 und 21 bis 28 nötig. Für Rabipur gibt es zudem das bereits angesprochene Schnellimpfschema, dann sind die Patienten bereits innerhalb einer Woche geschützt. Kommt es zu einem potenziellen Erregerkontakt, erhalten zudem alle Patienten, trotz vorheriger PrEP zusätzlich zwei Impfdosen. Potenziell Infizierte, ohne Impfung vor Reiseantritt, erhalten zudem Immunglobuline.

Impfen sollte sich laut RKI jeder, der in ein Land mit hohem Risiko für Hundetollwut reist und einen Langzeitaufenthalt oder mehrere Kurzreisen plant, bei einfachen Reise- oder Aufenthaltsbedingungen sowie bei geplanten Aktivitäten, die ein erhöhtes Risiko mit sich bringen wie Fahrradfahren oder Laufen. Zudem ist auch bei unzureichender ärztlicher Versorgung vor Ort oder bekanntem oder zu vermutendem Mangel an modernen Impfstoffen und Immunglobulin vor Ort eine PrEP zu empfehlen.

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