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Körpergeruch am Arbeitsplatz

Mit Taktgefühl ansprechen

Jeder Mensch hat einen individuellen Körpergeruch, das ist vollkommen normal. Am Arbeitsplatz kann dieser Geruch allerdings problematisch werden, wenn der Körpergeruch eines Mitarbeiters wegen seiner Intensität von den übrigen Kollegen oder von Kunden als unangenehm wahrgenommen wird. Mit der richtigen Vorgehensweise gelingt es häufig, den Mitarbeiter taktvoll und sensibel auf das Thema anzusprechen, ohne ihn durch kritische Aussagen persönlich zu verletzen.
Andreas Nagel
23.05.2019  13:30 Uhr

Zu den unangenehmen Körpergerüchen gehören insbesondere Schweiß- und Mundgeruch sowie der Geruch von Knoblauch, Zwiebeln, Nikotin und Parfüm. Starker Körpergeruch eines Mitarbeiters kann die zwischenmenschlichen Beziehungen und die berufliche Zusammenarbeit im Team deutlich beeinträchtigen. Für derartige Körpergerüche gibt es eine Vielzahl verschiedener Gründe. Neben einer mangelhaften Körperhygiene kann die Einnahme von Medikamenten, der Verzehr von geruchsauslösenden Nahrungs- und Genussmitteln (Knoblauch, Zwiebeln, Tabak, Alkohol) oder die hormonelle Umstellung durch Menstruation, Schwangerschaft und Wechseljahre den natürlichen Körpergeruch beeinflussen. Auch Mundgeruch entsteht nicht immer durch eine ungenügende Zahnpflege, sondern auch durch Zahn- und Magenerkrankungen.

Umgang mit Körpergeruch

Körpergeruch ist fast immer ein Tabuthema. Die Betroffenen wissen selbst oft gar nicht, dass sie unangenehm riechen. In Meinungsumfragen zu diesem Thema sagt eine deutliche Mehrheit der Befragten allerdings, sie würden sich wünschen, von Kollegen über störenden Körpergeruch informiert zu werden, wenn sie ihn selbst nicht wahrnehmen. Trotzdem wagt es kaum jemand, einen Kollegen auf dessen Geruch anzusprechen. Der Betroffene wundert sich in diesem Fall über das distanzierte Verhalten der Kollegen, hat aber keine Möglichkeit, die Situation zu ändern, weil er die Gründe nicht kennt. Nonverbale und indirekte Maßnahmen der Kollegen haben meist nicht den gewünschten Erfolg. Wenn dem Betroffenen kommentarlos ein Deo oder ein Mundwasser an den Arbeitsplatz gestellt wird, führt dies eher dazu, dass sich derjenige angegriffen fühlt. Und das Aufstellen eines Raumdufts wird in vielen Fällen nicht als Hinweis auf störenden Körpergeruch verstanden.

Am meisten hilft es deshalb, den Mitarbeiter offen aber taktvoll anzusprechen. Der Betroffene muss die Möglichkeit erhalten, das Problem zu beseitigen ohne sein Gesicht zu verlieren. Fragen Sie sich zunächst einmal selbst: Wie würden Sie gern behandelt werden, wenn Sie unangenehmen Körpergeruch hätten, den Sie selbst nicht bemerken? Wählen Sie dann aus Ihren eigenen Ideen und den folgenden Vorschlägen diejenigen Maßnahmen aus, die am besten zu Ihrer individuellen Situation passen.

Das Gespräch suchen

Das Gespräch mit dem Kollegen sollte möglichst zeitnah geführt werden und nicht erst nach Wochen oder Monaten. Häufig schieben Kollegen das Gespräch zu diesem heiklen Thema zunächst hinausg - in der Hoffnung, dass sich das Problem entweder von selbst erledigt oder dass der Kollege von anderen Personen darauf aufmerksam gemacht wird. Wenn das Gespräch dann erst mit deutlicher Verzögerung geführt wird, ist es für den Betroffenen meist noch unangenehmer, weil ihm erst jetzt bewusst wird, dass sich Kollegen schon seit längerer Zeit über ihn geärgert haben.

Als Gesprächspartner eignet sich vor allem eine Person, die dem betreffenden Mitarbeiter besonders vertraut ist, insbesondere eine Person desselben Geschlechts, derselben Hierarchiestufe oder ein langjähriger Kollege. Wenn keine dieser Personen das Gespräch führen möchte, ist es Aufgabe des Apothekeninhabers, den Betreffenden anzusprechen. Falls der Apothekeninhaber allerdings nicht regelmäßig mit dem betreffenden Mitarbeiter zusammenarbeitet und das Problem daher gar nicht selbst festgestellt haben kann, wird sich betroffene Kollege vermutlich »verpetzt« vorkommen – sicherlich keine gute Basis für die weitere Zusammenarbeit.

Die persönliche Ebene

Der Gesprächspartner sollte mit dem Betroffenen unter vier Augen und so feinfühlig wie möglich reden, so, dass es nicht als persönlicher Angriff gewertet werden kann. Wortwahl, Stimme, Lautstärke und Tonfall spielen eine wichtige Rolle. Sagen Sie dem Kollegen einleitend, dass Sie gerne mit ihm zusammenarbeiten. Erwähnen Sie dann, dass Ihnen etwas aufgefallen ist, worüber Sie gerne mit ihm sprechen möchten. Oder Sie beginnen mit der Einstiegsfrage: »Darf ich Dir heute einmal etwas Persönliches sagen?« Das vermutlich folgende »Ja« des Kollegen erlaubt, nun auch etwas Kritisches zu äußern. Sagen Sie dann, dass es Ihnen schwer fällt, ein etwas heikles Thema anzusprechen. Weisen Sie dann offen auf den störenden Körpergeruch hin. »Ich möchte Dir nicht zu nahe treten und es fällt mir wirklich sehr schwer, Dir das jetzt zu sagen. Aber mir ist aufgefallen, dass Du häufig sehr verschwitzt oder nach Knoblauch riechst«. Betonen Sie sofort, dass Menschen den eigenen Körpergeruch oft nicht wahrnehmen und dass Ihr Kollege das Problem daher gar nicht selbst bemerken konnte. »Bestimmt hast Du das selbst gar nicht bemerkt. Die meisten Menschen nehmen den eigenen Körpergeruch ja gar nicht bewusst wahr.« Betonen Sie danach sofort, dass es sehr unterschiedliche Gründe für Körpergeruch geben kann. Wenn Sie ausdrücklich verschiedene Ursachen nennen (Medikamente, Nahrungsmittel) signalisieren Sie, dass Sie dem Kollegen nicht unbedingt mangelhafte Körperpflege unterstellen.

Falls Ihnen diese Vorgehensweise zu direkt ist, können Sie auch versuchen, den Kollegen auf indirekte Weise auf das Thema aufmerksam zu machen. »Ich finde, Du benutzt derzeit ein sehr starkes Deo. Ich bin leider sehr geruchsempfindlich und Du würdest mir wirklich einen großen Gefallen tun, wenn Du hier an unserem gemeinsamen Arbeitsplatz einen etwas dezenteren Duft verwenden würdest.« Die angesprochene Person wird selber wissen, ob sie überhaupt ein Deo benutzt oder ob auch andere Faktoren der Auslöser für Ihre Geruchswahrnehmung sein könnten. So wird der Kollege auf dezente Weise für das »Geruchsproblem« sensibilisiert und hat die Möglichkeit, sein bisheriges Verhalten zu überdenken.

Verwenden Sie bei allen Formulierungen möglichst immer nur die »Ich-Form«, auch wenn Sie im Namen aller Kollegen sprechen. Durch die »Wir-Form« würden Sie zu erkennen geben, dass über den Kollegen bereits hinter seinem Rücken gesprochen wurde.

So kurz wie möglich

Wenn es in die Situation passt, können Sie eine zusätzliche, psychologische Brücke bauen, indem Sie auf eigene Erfahrungen hinweisen. Beispiel: »Manchmal nimmt Kleidung im Laufe der Zeit aus unerklärlichen Gründen einen bestimmten Geruch an. Ich musste auch schon Kleidungsstücke wegwerfen, die im Laufe der Zeit einen merkwürdigen Geruch bekommen hatten.« Diese oder ähnliche Aussagen zeigen, dass Körpergeruch für Sie kein Tabuthema ist und dass Sie den Betroffenen nicht als negativen »Einzelfall« betrachten. Dem Kollegen fällt es in diesem Fall leichter, positiv zu reagieren und sein bisheriges Verhalten kritisch zu überdenken.

Halten Sie das gesamte Gespräch möglichst kurz. Formulieren Sie das Thema in wenigen Sätzen, und verzichten Sie insbesondere auf belehrende Hinweise zur Körperpflege. Ihr Kollege muss zunächst einmal verarbeiten, was Sie ihm gerade gesagt haben. Er reagiert wahrscheinlich betroffen, vielleicht aber auch verlegen oder gereizt. Beenden Sie das Gespräch daher so schnell wie möglich. Je länger das Gespräch dauert, desto größer wird die Bedeutung des Themas. Ihr Kollege kann alleine und ohne unangenehme Diskussion entscheiden, wie er mit Ihrer Aussage umgeht und ob er etwas an sich verändern möchte.

Wenn Sie diese Gesprächsregeln beachten, besteht nicht die Gefahr, einen Kollegen im Gespräch zu kränken oder in Verlegenheit zu bringen. Man wird Ihnen Ihre Aussagen nicht übel nehmen, und Sie haben die größten Chancen auf eine Veränderung in Ihrem Sinne.

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