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Mittel gegen das Schwitzen

Schweißflecken unter den Achseln oder ein dunkler Streifen auf der Rückseite des T-Shirts – wenn Menschen stark transpirieren, lässt sich das kaum verbergen. Betroffene sind oft unsicher in ihrem Auftreten und suchen nach Mitteln, um das Schwitzen einzudämmen.
Annette Immel-Sehr
05.06.2020
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Schwitzen ist ein wichtiger Vorgang, um die Temperatur des Körpers zu regulieren. Wenn thermosensorische Nerven der Schaltstelle im Hypothalamus melden, dass die Temperatur im Körper über dem Soll liegt, werden die Schweißdrüsen angeregt. Durch das Verdunsten des Schweißes kühlt der Körper dann ab. Die so genannten ekkrinen Schweißdrüsen des Menschen befinden sich überall auf der Haut. Besonders zahlreich sind sie an Handflächen, Fußsohlen, Achselhöhlen und Stirn. Die winzigen Drüsen werden über das sympathische Nervensystem aktiviert.

Die Steuerung des Schwitzens ist ein komplexer Vorgang. Warum auch Gefühle Schwitzen auslösen können, ist unklar. In der Entwicklungsgeschichte des Menschen muss es von Vorteil gewesen sein, den Körper bei Stress, Aufregung und Angst abzukühlen.

Bakterien hemmen

Um dem Schwitzen den damit verbundenen Geruch zu nehmen und es unter den Achseln etwas einzudämmen, greifen Verbraucher an erster Stelle zu Deodorantien (kurz: Deos) oder Antitranspirantien. Dass sich die beiden Produktgruppen voneinander unterscheiden, ist nicht jedem bewusst, weshalb die Begriffe oft synonym verwendet werden.

»Odor« bedeutet im Lateinischen Geruch, Duft, Gestank. Deos sind also Produkte gegen unangenehmen Körpergeruch. Schweiß als solcher ist zwar geruchsneutral, doch das ändert sich schnell, wenn ihn Haut-Bakterien abbauen. Dabei entstehen unter anderem Fettsäuren wie Butter- oder Capronsäure, die für den charakteristischen unangenehmen Schweißgeruch sorgen.

Um die Bakterien zu hemmen, enthalten Deodorantien zum Beispiel Triclosan, Chlorhexidinverbindungen oder Triclocarban. Eingesetzt werden auch Farnesol und Phenoxyethynol sowie Eugenol, Menthol oder Thymol. Diese typischen Inhaltsstoffe ätherischer Öle verbreiten zugleich selbst einen angenehmen Geruch. Enzyminhibitoren wie Triethylcitrat oder Zinkglycinat werden eingesetzt, um enzymatische Reaktionen in den Bakterien und damit den Abbau des Schweißes zu verhindern. Zusätzlich enthalten Deos Duftstoffe sowie sogenannte Geruchsabsorber, die Zersetzungsprodukte des Schweißes umhüllen, so dass sie nicht mehr von den Riechzellen wahrgenommen werden können. Ein gebräuchlicher Geruchsabsorber ist das Zinksalz der Ricinolsäure (Zinkrizinoleat).

Um das ökologische Gleichgewicht der Hautbakterien möglichst nicht zu zerstören und die Haut nicht zu reizen, kommen die Substanzen in Konzentrationen zum Einsatz, die zwar das Wachstum der Bakterien hemmen, aber nicht bakterizid wirken. Die Produkte enthalten meist auch Alkohol. Er kühlt und wirkt ebenfalls antimikrobiell.

Das Angebot an Deodorantien ist vielfältig. Im Drogerie- oder Supermarkt können Verbraucher zwischen Spray, Zerstäuber, Roller, Stick, Creme oder Puder wählen. Für empfindliche Achselhaut sowie nach der Rasur stehen alkoholfreie Deos zur Auswahl. Deodorantien eignen sich für Verbraucher, die nicht viel schwitzen. Die Produkte sorgen für einen angenehmen Geruch, beeinflussen die Schweißproduktion jedoch nicht.

Schweiß reduzieren

Antitranspirantien sind die richtige Wahl für diejenigen mit starker Schweißproduktion, denn sie verringern die Schweißmenge. In der Fachsprache werden sie auch als Antihidrotika oder Antiperspirantien bezeichnet. Als Wirkstoffe enthalten die Produkte in der Regel Aluminiumsalze wie Aluminiumchloridhexahydrat oder -acetat sowie zusätzlich auch geruchsbindende und/oder geruchsüberdeckende Substanzen. Die Aluminiumsalze reagieren mit Eiweißen der Epithelzellen in den Ausführungsgängen. Dadurch entsteht ein Pfropf, der die Ausführungsgänge verschließt und die Schweißproduktion drosselt. Die Wirkung hält so lange an, bis die Epithelzellen abgeschilfert werden.

Drogerie-Produkte enthalten in der Regel Aluminiumchlorid in ein- bis zweiprozentiger Konzentration. Im pharmazeutisch-medizinischen Bereich sind höher dosierte Produkte zu finden. Aluminiumchlorid ist zum Beispiel enthalten in Ansudor®, Medisan® und Odaban®. Dermatologen verordnen meist Zubereitungen zwischen 10 und 30 Prozent Aluminiumchlorid. In manchen Apotheken kommen Antitranspirantien häufig als Rezepturarzneimittel vor. Das NRF enthält drei Aluminiumchlorid-Rezepturen: eine kühlend wirkende 2-Propanol-haltige Lösung, ein wässriges Gel für empfindliche oder gereizte Hautbereiche sowie eine viskose wässrige Lösung zur Anwendung mittels Deoroller.

Menge anpassen

Anfangs sollte der Patient das betroffene Areal alle zwei bis drei Tage abends mit dem Antitranspirant behandeln. Eine abendliche Anwendung ist sinnvoll, da die Schweißproduktion nachts geringer ist und das Arzneimittel nicht gleich wieder vom Schweiß abgewaschen wird. Die Wirkung setzt erst langsam nach ein bis zwei Wochen ein. Wenn der Anwender spürt, dass die Schweißproduktion nachlässt, genügt es, das Arzneimittel nur noch einmal wöchentlich aufzutragen. Nach Ende der Behandlung kann der Effekt noch einige Wochen anhalten.

Typische Nebenwirkungen konzentrierter Aluminium-Zubereitungen sind Hautreizungen. Vor allem zu Beginn der Behandlung kann die Haut jucken und brennen. Ist die Reizung sehr unangenehm, kann der Anwender die Zubereitung abwaschen. Allerdings sollte er nach Möglichkeit eine Viertelstunde lang aushalten, um einen ersten Effekt zu erzielen. Die Haut gewöhnt sich normalerweise mit der Zeit an die Behandlung. Bleibt dieser Effekt aus, kann es helfen, die Konzentration des Präparates zu reduzieren.

Vor einigen Jahren gerieten Aluminiumsalze in den Verdacht, das Brustkrebsrisiko zu erhöhen und die Entwicklung von Morbus Alzheimer zu fördern. Das Thema wurde in den Laienmedien oft undifferenziert aufgegriffen. So wurde nicht unterschieden, ob Aluminium über Lebensmittelkontamination oder orale Arzneimittel in den Körper gelangt oder auf die Haut aufgetragen wird. Bei Letzterem ist die Menge Aluminium, die über intakte Haut aufgenommen wird, vernachlässigbar gering, so die Erkenntnisse. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt, die Produkte sicherheitshalber nicht auf frisch rasierter oder geschädigter Haut anzuwenden.

Eine weitere antihidrotisch wirkende Substanz ist Methenamin. Es setzt in Anwesenheit von saurem Schweiß Formaldehyd frei, welches Eiweiße denaturiert und damit die Ausführungsgänge der Schweißdrüsen verschließt. Methenamin-haltige Salbe (Antihydral®) trägt der Patient ein- bis zweimal täglich dünn auf. Sobald die Schweißsekretion nachlässt, kann die Applikation in größeren Zeitabständen erfolgen.

Wirkung von innen

Was können PTA und Apotheker empfehlen, wenn die Behandlung mit topischen Antitranspirantien nicht ausreicht? Eine lange Tradition gegen übermäßiges Schwitzen hat Salbei. Die Heilpflanze kann als Tee, alkoholischer Extrakt (zum Beispiel Salbei Curina®) oder als Tabletten mit standardisiertem Trockenextrakt angewendet werden (zum Beispiel Sweatosan, Salvysat® Bürger). Die Wirksamkeit ist umstritten, doch ist ein Therapieversuch aufgrund der vorliegenden wissenschaftlichen Untersuchungen durchaus gerechtfertigt. Allerdings sollte der Patient ein wenig Geduld haben, denn ein spürbarer Effekt stellt sich erst nach einigen Tagen ein. Wenn sich im Beratungsgespräch herausstellt, dass die Schweißausbrüche vor allem in Stresssituationen und bei starker angstbedingter Anspannung auftreten, könnte ein Baldrian- oder Lavendelpräparat eine sinnvolle Empfehlung sein, um gezielt die Ursache der Beschwerden zu bessern.

Bei krankhaft erhöhter Schweißproduktion sprechen Mediziner von einer Hyperhidrose. Aus ungeklärtem Grund reagieren die Schweißdrüsen über. Betroffene sollten einen Dermatologen zu Rate ziehen. Zeigt sich die Hyperhidrose nicht nur an einzelnen Bereichen, sondern am ganzen Körper, könnte sie durch eine andere Erkrankung verursacht sein, wie Hypertonie, Parkinson-Krankheit oder Hyperthyreose. Dies gilt es als erstes abzuklären.

Zur Behandlung der primären Hyperhidrose stehen neben Anticholinergika weitere Therapieoptionen zur Verfügung, zum Beispiel Botulinumtoxin-Injektionen oder Iontophorese. Zudem können Entspannungstechniken oder eine Verhaltenstherapie zum Abbau von Stressfaktoren die Therapie ergänzen.

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