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Wenn die Spucke wegbleibt

Mittel gegen Mundtrockenheit

Ein trockener Mund kann sich zu einer echten Belastung entwickeln. Ursachen für die abnehmende Speichelproduktion gibt es viele. Manchmal lässt sich die zu Grunde liegende Störung beheben, in vielen Fällen müssen sich die Betroffenen mit dem Defizit arrangieren. Verschiedene Maßnahmen können ihnen helfen.
Annette Immel-Sehr
02.07.2020  09:30 Uhr

Etwa einen halben bis eineinhalb Liter Speichel produzieren die großen und kleinen Speicheldrüsen des Menschen täglich. Die Drüsen sind paarig angelegt, das heißt, es gibt jeweils rechts und links eine Ohrspeicheldrüse, eine Unterkieferspeicheldrüse sowie eine Unterzungen-Speicheldrüse. Hinzu kommt eine Vielzahl kleinerer Speicheldrüsen an Lippen, Gaumen, Wangen und Zunge. Die produktivsten sind die Ohrspeicheldrüsen – sie bilden die Hauptmenge des Speichels.

Die Speichelproduktion findet in geringem Ausmaß kontinuierlich statt. Zahnärzte bezeichnen dies als Ruhespeichel. Durch Reize kann die Speichelmenge sprunghaft ansteigen, beispielsweise durch Druck auf spezielle Rezeptoren beim Kauen. Auch Geruchsreize und optische Reize – wie ein appetitlich angerichtetes, duftendes Essen – können dafür sorgen, dass »das Wasser im Munde zusammenläuft«.

Speichel besteht zum überwiegenden Teil aus Wasser und enthält darüber hinaus Bestandteile, die zur Gesunderhaltung der Mundhöhle beitragen. Elektrolyte, wie Hydrogencarbonat, Calcium, Fluorid, Phosphat, Kalium und Natrium puffern den Speichel und remineralisieren den Zahnschmelz nach dem Essen. Immunglobuline und Phagozyten sind Boten des Immunsystems zur Abwehr von Keimen. Weitere wichtige Bestandteile sind Enzyme, wie Amylasen, die bereits im Mund mit dem Abbau der Stärke in der Nahrung beginnen. Speichel befeuchtet die Mundschleimhäute, macht Speisen gleitfähig und erleichtert das Schlucken der Nahrung. Er hält Lippen und Zunge beweglich und trägt damit maßgeblich dazu bei, das Sprechen zu ermöglichen.

Sprechen schwer möglich

Das unangenehme Gefühl bei einem trockenen Mund erleben Schnarcher häufig und Menschen, die erkältungsbedingt mit offenem Mund schlafen müssen. Eine dauerhafte Mundtrockenheit bezeichnen Ärzte als Xerostomie. Betroffene haben häufig das Gefühl, dass die Zunge am Gaumen klebt. Sprechen, Kauen und Schlucken sind erschwert. Auch das Geschmacksempfinden ist beeinträchtigt. Denn der Speichel verstärkt die Impulse an den Geschmacksknospen. Patienten mit einer Xerostomie haben daher oft das Bedürfnis, ihre Mahlzeiten stärker zu würzen.

Kann der Speichel seine Funktionen nicht mehr erfüllen, steigt das Risiko für Entzündungen und Infektionen der Mundschleimhaut. Erstes Anzeichen ist meist Mundgeruch.

Auch die Zähne können in Mitleidenschaft gezogen werden, denn ohne eine ausreichende Speichelmenge ist die Fähigkeit der Mundhöhle zur Selbstreinigung reduziert. Es bilden sich vermehrt Ablagerungen und Plaque auf den Zähnen. Auch die Pufferwirkung und die Remineralisation des Zahnschmelzes sind eingeschränkt, so dass Karies leichteres Spiel hat.

Bei Prothesenträgern erschwert der unzureichende Speichelfilm den Halt der Prothese beziehungsweise macht die Schleimhaut empfindlicher für Reizungen.

Studien haben gezeigt, dass all dies vor allem bei älteren Menschen einen erheblichen Einfluss auf die Lebensqualität haben kann. Wenn es nicht mehr schmeckt und das Kauen und Schlucken schwerfallen, essen die Betroffenen weniger und einseitiger. Das führt häufig in eine Mangelernährung.

Vor allem im Alter

Der häufigste Grund für Xerostomie ist schlicht und einfach ein fortgeschrittenes Alter. Denn die Produktion von Speichel nimmt natürlicherweise mit den Lebensjahren ab. Zunächst unbemerkt, werden die Beschwerden und Einschränkungen mit der Zeit immer deutlicher. Fachleute gehen davon aus, dass etwa ein Drittel der in Heimen lebenden älteren Personen betroffen ist.

Als Folge einer Erkrankung tritt Mundtrockenheit im Rahmen des Sjögren-Syndroms auf. Diese Autoimmunkrankheit richtet sich gegen die Zellen der Speichel- und der Tränendrüsen. Daraus resultiert extreme Trockenheit des Mundes und der Augen. Auch die Schleimhäute von Nase, Kehlkopf, Bronchien und Scheide können betroffen sein.

Bei Krebserkrankungen im Mund, Kiefer und Rachenraum muss in der Regel operiert und/oder strahlentherapeutisch behandelt werden. Wenn dabei Speicheldrüsen entfernt oder durch die Strahlung dauerhaft geschädigt wurden, hat dies eine lebenslange Mundtrockenheit zur Folge.

Nicht zuletzt kann auch eine Pharmakotherapie zu einem trockenen Mund führen. Wenn ein Kunde in der Apotheke über einen trockenen Mund klagt, sollten PTA und Apotheker daher unbedingt fragen, ob und welche Medikamente er einnimmt. Mundtrockenheit ist relativ häufig eine unerwünschte Wirkung zum Beispiel von Antidepressiva, Benzodiazepinen, Neuroleptika, Antihistaminika der ersten Generation, Anticholinergika, Beta-2-Sympathomimetika sowie von einigen Krebsmedikamenten.

Besser keine sauren Drops

Die Behandlung der Xerostomie richtet sich nach deren Ursache. Wenn die ungenügende Speichelproduktion durch einen Arzneistoff verursacht wird, sollte nach Möglichkeit auf ein alternatives Medikament ohne diese Nebenwirkung umgestellt werden. Liegt ein Sjögren-Syndrom vor, besteht die Therapie meist in der Gabe von Corticoiden oder Biologika. Angewendet wird auch das direkte Parasympathomimetikum Pilocarpin (Salagen®), das unter anderem die Speichel- und Tränenproduktion stimuliert. Das Medikament ist auch zugelassen, um die Mundtrockenheit zu behandeln, die nach einer Strahlentherapie von Krebserkrankungen im Bereich des Kopfes und des Halses auftritt.

Bei altersbedingter Speichelreduktion stehen einfache Maßnahmen an erster Stelle. Sie haben zwar einzeln nur einen geringen Effekt, können aber zusammen die Beschwerden meist gut lindern und die Folgen verhindern. Es fängt damit an, auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr über den Tag verteilt zu achten. Ein trockenes Raumklima lässt sich durch regelmäßiges Lüften und einen Raumbefeuchter verbessern.

Menschen mit Mundtrockenheit hören oft den Rat, saure Bonbons oder gefrorene Orangen- oder Zitronenscheiben zu lutschen. Zahnärzte sehen das kritisch, da ein saures Milieu im Mund ein erhöhtes Risiko für die Demineralisation des Zahnschmelzes darstellt. Jedenfalls sollten Betroffene das Lutschen saurer Drops nicht übertreiben. Bei gereizten Schleimhäuten kann der Verzehr von saurem Obst im Übrigen auch schmerzhaft sein.

Sehr hilfreich ist zuckerfreies Kaugummi. Das Kauen erzeugt einen Reiz, der die Speichelproduktion anregt. Um Folgeschäden an den Zähnen zu verhindern, sollten die Patienten sich um eine sehr gute Zahnpflege bemühen. Dies beugt zudem unangenehmen Mundgeruch und Infektionen in der Mundhöhle vor. Die regelmäßige Kontrolle der Zähne durch den Zahnarzt ist bei Menschen mit Mundtrockenheit besonders wichtig.

Speichel ersetzen

Führt dies nicht zu einem befriedigenden Ergebnis, können PTA und Apotheker sogenannten künstlichen Speichel empfehlen. Hier gibt es mittlerweile ein breites Angebot an Produkten in unterschiedlichen Darreichungsformen wie Lutschtabletten, Spray, Gel oder Mundspüllösung. Diese Präparate sollen nicht nur den Mund angenehm befeuchten, sondern auch durch Pufferung und Remineralisation den Zahnschmelz schützen. Die Basis der Produkte bilden – neben Wasser – meist verschiedene Cellulose-Arten, Polysaccharide oder Schleimstoffe, die die Viskosität und Haftung erhöhen. Als weitere Zusätze enthalten sie zum Beispiel Fluorid, Calcium, Phosphate, Carbonate, Panthenol, Geschmacks- und Konservierungsstoffe. Auch Substanzen mit befeuchtender Wirkung wie Ectoin, Hyaluronsäure oder Glycerin sind sinnvoll.

Nicht alle Patienten empfinden künstlichen Speichel als angenehm oder mögen den Geschmack. Manchmal müssen sie ein bisschen probieren, bis sie ein für sich akzeptables Produkt finden. Hochvisköse Gele eignen sich vor allem für Patienten mit sehr ausgeprägten Beschwerden oder zur Nacht, wohingegen sich Mundspülungen bei leichten Fällen anbieten. Sprays und Lutschtabletten sind für zwischendurch und unterwegs gut geeignet. 

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