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Rizinus

Mörderische Samen

Bei Rizinus denken die meisten wohl nur an das seit Jahrhunderten medizinisch verwendete abführende Öl, das aus den Samen der Pflanze gewonnen wird. Doch der auch Wunderbaum, Wunderpalme oder Christuspalme genannte Rizinus-Strauch hat auch eine »dunkle« Seite: Das tödliche Gift der Samenschalen wird bis heute bei terroristischen Giftanschlägen verwendet.
Katja Egermeier
10.02.2021  08:30 Uhr
In Töpfen, Gärten und Parks zu finden: der Rizinus-Strauch. Doch Vorsicht, wenn Kinder zu den hübschen Samen greifen. / Foto: Getty Images/Natalia Nosova
Das hochgiftige Rizin sitzt in der Samenschale. / Foto: Getty Images/imv

Botanik und Bestimmung

Rizinus ist ein baumartiger Strauch, der in gemäßigten Zonen ein bis zwei Meter hoch wird, in den Tropen aber eine Höhe von bis zu 12 m erreichen kann. Der dicke Stängel ist braun-rot und buschig. An ihm sitzen große, langstielige, handförmig-gelappte grünliche oder auch rötliche Blätter. Der sich im Sommer zeigende rötliche, traubenförmige Blütenstand ist 15 bis 50 cm lang und bildet im unteren Bereich männliche, im oberen Bereich weibliche Blüten aus.

Die Früchte bestehen aus kirschgroßen, weich bestachelten Kapseln mit drei Fächern, die je einen ovalen bohnenartigen und graubraun marmorierten, bis zu 12 mm großen Samen enthalten.

Vorkommen und Verbreitung

Der Rizinusstrauch stammt vermutlich aus Indien oder Äthiopien. In Europa ist er fast nur im Süden zu finden. Bei uns wird er überwiegend als Topfpflanze gehalten und in wenigen Fällen in Parks gepflanzt.

Gifte und Gefahren

Die Schalen der Samen des Rizinusstrauchs enthalten stark giftiges Rizin. Es wirkt gewebezerstörend. Der Verzehr von nur fünf bis sechs Samen kann für ein Kind bereits tödlich sein, wenn die Schale gekaut wird. Werden die Samen jedoch als Ganzes verschluckt, ist die Vergiftungsgefahr eher gering. Auch das überwiegend in der Samenschale enthaltene Ricinin ist eher schwach giftig.

Rizin kann auch injiziert oder eingeatmet werden, das Gift wird jedoch meist versehentlich durch den Verzehr der Samen aufgenommen. Dabei wird in erster Linie der Verdauungstrakt – Magen, Darm, Leber, Nieren – in Mitleidenschaft gezogen. Letztlich führt eine Rizin-Vergiftung zudem zur Zerstörung der roten Blutkörperchen. Der Tod erfolgt durch Lähmung medullärer Zentren, besonders des Atemzentrums. Er tritt bei Einnahme einer tödlichen Dosis nach 36 bis 72 Stunden ein. Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, wässrige Durchfälle, Benommenheit sowie Leber- und Nierenschäden können auch erst nach mehreren Stunden auftreten.

Das therapeutisch genutzte Rizinusöl enthält im Übrigen kein giftiges Rizin. 

Grad der Gefährlichkeit

Erheblich, sehr giftig (Samenschalen)!

Vergiftung, was tun?

Es ist ein sofortiger Transport in ein Krankenhaus angezeigt. Nach der rechtzeitigen Giftentfernung können eine stationäre Überwachung sowie gegebenenfalls intensivmedizinische Maßnahmen erforderlich sein.

Giftpflanze mit Heilwirkung

Medizinisch angewendet wird Rizinusöl zur kurzzeitige Behandlung einer gelegentlich auftretenden Obstipation. Es wird hergestellt aus dem fetten Öl der Samen (Ricini oleum virginale), das kein Rizin enthält. Durch die vorgeschriebene Kaltpressung der Samen verbleibt dieses im Pressrückstand.

Gut zu wissen

Das hochgiftige Rizin wird bis heute immer wieder für Mordanschläge verwendet. Zuletzt wurde im September 2020 ein mit Rizin präparierter Brief an den zu diesem Zeitpunkt amtierenden US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump abgefangen. Im Jahr 2018 soll ein Islamist in Köln einen Anschlag mit Rizin geplant haben, der jedoch verhindert werden konnte.

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