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Gegen das Jucken

Mückenstich – bitte nicht kratzen!

Sie wollen nur ein bisschen Blut, die weiblichen Mücken, um neue Eier bilden zu können. Der minimale Blutverlust? Geschenkt! Wenn der Stich nur nicht so jucken würde.
dpa
27.07.2020
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Das liegt Experten zufolge daran, dass Mücken beim Stechen Speichel abgeben, dessen Proteine in unserem Körper bestimmte Abwehrzellen aktivieren. Diese Mastzellen setzen unter anderem den Botenstoff Histamin frei. Der wiederum dockt an Stellen im umliegenden Gewebe an und reizt zudem die in der Haut liegenden Enden von Nervenfasern.

Die spontane Reaktion darauf: kratzen. Das sei vom Körper gewollt, erläutert Martin Metz, Dermatologe an der Berliner Charité. »Eigentlich soll durch das Kratzen ein möglicher Fremdkörper aus der Haut entfernt werden.«

Und das Kratzen lindert tatsächlich – zumindest vorübergehend. Es verursacht Schmerz und damit einen Reiz, der wichtiger ist als der Juckreiz und deshalb schneller von Nervenfasern ans Gehirn weitergeleitet wird. »Der Schmerzreiz unterdrückt den Juckreiz«, so der Dermatologe. Hört man aber auf zu kratzen, lässt der Schmerz nach – und das Jucken beginnt meist erneut. Also kratzt man wieder, mitunter bis es blutet. Dann können Bakterien in die Wunde gelangen und für eine Entzündung sorgen.

Klopfen, reiben, kühlen, einheizen

Deshalb raten Experten, lieber mit der flachen Hand auf den Stich zu klatschen. Oder mit den Fingerkuppen zu reiben. Diese Reize wirken allerdings auch eher entzündungsfördernd als -hemmend. Ein Team der Universität Lübeck hat untersucht, ob man das Gehirn austricksen kann. Die Forscher ließen Menschen statt einer juckenden Stelle auf dem einen Arm die entsprechende Stelle auf dem anderen Arm kratzen – vor einem Spiegel. Das funktionierte. Denn wenn man vor dem Spiegel steht, hat das Gehirn einen Konflikt in der Wahrnehmung, den es auflösen muss. Deshalb projiziere es das Gefühl des Kratzens auf die juckende Stelle, die nicht gekratzt wurde, schrieb das Team 2013 im Fachblatt »PLOS One«.

Bei chronischen Krankheiten wie Neurodermitis sei das Spiegel-Kratzen sicher hilfreich, sagt Dermatologe Metz. »Ich bin allerdings nicht überzeugt, dass das auch bei einem Mückenstich richtig gut funktioniert.« Das könne aber jeder selbst ausprobieren. Was gegen dieses Jucken hilft? Kühlen. Auch hier macht man sich die Funktionsweise der Nerven zunutze: Kühlen aktiviert die Kälterezeptoren der Haut, und andere Signale, hier der Juckreiz, werden abgeschwächt.

Hitze kann ebenso helfen. Mit einem batteriebetriebenen Stift wird der Stich für wenige Sekunden auf etwa 50 Grad Celsius erwärmt. Man habe früher angenommen, die Inhaltsstoffe des Mückenspeichels würden so zerstört – doch das stimme wohl nicht, schreibt der Dermatologe Marcus Maurer von der Charité in einem Artikel der Europäischen Stiftung für Allergieforschung. Bekannt sei aber, dass die Nerven in der Haut sensibel auf Überwärmung reagierten und die Reizweiterleitung abschalteten. So werde das Jucksignal nicht mehr übermittelt. Auch Salben oder Gels mit einem Antihistaminikum können demnach Juckreiz lindern. Sie mindern die Wirkung des Histamins.

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