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Eine Krankheit, viele Gesichter, einige Hoffnung

Multiple Sklerose – »Krankheit mit 1000 Gesichtern«

Als »Krankheit mit den 1000 Gesichtern« geht Multiple Sklerose (MS) mit zahlreichen körperlichen und seelischen Belastungen einher. Zwar gibt es keine Medikamente, mit denen sich MS heilen ließe. Doch können moderne Arzneimittel ein Fortschreiten der Symptome verhindern und die Prognose deutlich verbessern.
Christiane Berg
28.04.2020  16:00 Uhr

Die Erkrankung, deren Pathogenese trotz zahlreicher Hypothesen und Theorien bislang nicht vollständig geklärt ist, wird in der Regel zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr diagnostiziert; mit geringerer Häufigkeit tritt sie aber auch schon im Kindes- und Jugendalter auf. Erstdiagnosen nach dem 60. Lebensjahr sind selten. Frauen erkranken etwa doppelt so häufig wie Männer.

Weltweit leiden an der autoimmunen, chronisch entzündlichen Entmarkungserkrankung etwa 2,5 Millionen Menschen. In Deutschland leben nach Zahlen des Bundesversicherungsamtes mehr als 240.000 Betroffene. Jährlich wird bei mehr als 10.000 Menschen MS neu diagnostiziert.

Ob im Rückenmark oder im Gehirn: Bei der MS als Autoimmunerkrankung setzen falsch programmierte Immunzellen Entzündungen an den Axonen, also den Nervenzellfortsätzen, und zerstören die sie umgebenden Myelinscheiden. Diese ummanteln die Nervenbahnen wie eine Isolierschicht ein elektrisches Kabel und sorgen dafür, dass elektrische Impulse schnell und reibungslos weitergeleitet werden. Sind diese aber nun zerstört, werden die Impulse langsamer und auch fehlerhaft übertragen. Es kommt zu Narben, die letztlich zu sklerosierten, also verhärteten Geweberegionen führen. Die Funktion der Nervenbahnen ist dauerhaft gestört.

Beim Betroffenen äußert sich das als Krankheitsschub. Abhängig von der betroffenen Körperregion und den sie versorgenden Nervenbahnen können die unterschiedlichsten Symptome auftreten: spastische Lähmungen, Taubheitsgefühle, Unsicherheit beim Gehen und Greifen, Seh-, Sprach-, Schluck-, Blasen- und Darmstörungen, Erschöpfungszustände sowie Einschränkungen der Aufmerksamkeit, der Gedächtnisleistung und der Konzentration. Je stärker die Leitungsgeschwindigkeit der Nervenfasern beeinträchtigt ist, desto größer ist das Ausmaß der Beschwerden.

»Es ist besonders die Fatigue, die das Leben vieler MS-Patienten belastet«, informierte die»Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft – Bundesverband e.V. (DMSG), Hannover, in einer Pressemitteilung zu Beginn dieses Jahres. Aus früheren Untersuchungen sei bekannt, dass mehr als 50 Prozent der MS-Erkrankten über Müdigkeit und Erschöpfung als Hauptsymptom klagen. Aktuelle Untersuchungen zeigen nunmehr, dass die Fatigue mit der Krankheitsdauer zunimmt. Auch hier seien weibliche Patienten stärker als männliche MS-Erkrankte in Mitleidenschaft gezogen.

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