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Verspannung, Steifheit, Schmerzen

Muskelprobleme durch Arzneimittel

Nicht nur Statine, sondern noch zahlreiche Arzneimittel können für Nebenwirkungen, unter anderem Verspannungen, Steifheit oder Schmerzen in den kontraktilen Organen sorgen. Die meisten Störungen sind reversibel und bilden sich nach Absetzen zurück.
Nicole Schuster
01.07.2021  15:30 Uhr

Die Häufigkeit medikamentös verursachter muskulärer Störungen wird vermutlich stark unterschätzt. »Muskuläre Beschwerden sind im Alltag nicht ungewöhnlich und kommen beispielsweise als Überlastungsbeschwerden vor«, sagt Dr. med. Hansjörg Knorr, Facharzt für Physikalische und Rehabilitative Medizin und ärztlicher Leiter der DVMT-e.V.-Weiterbildung aus München, gegenüber PTA-Forum. »Auch verordnen Ärzte Medikamente oft gegen Krankheiten, die per se schon Muskelschmerzen verursachen, zum Beispiel Glucocorticoide bei Polymyalgia rheumatica oder Pregabalin beim Fibromyalgie-Syndrom.« Arzneimittelinduzierte Muskelbeschwerden führen Patienten, aber auch Ärzte, daher oft fälschlicherweise auf die bestehende Krankheit zurück.

Eine Ausnahme, bei der Muskelschäden gleich als Nebenwirkung in den Sinn kommen, sind Statine. Simvastatin ist das Medikament mit der höchsten Prävalenz von muskulären Nebenwirkungen nicht nur unter den Statinen, sondern unter allen gängigen Medikamenten. Besonders gefürchtet ist eine Rhabdomyolyse, hier löst der Körper quergestreifte Muskelfasern auf. Aus den zerstörten Muskelzellen tritt unter anderem Myoglobin aus, das der Körper renal ausscheidet. »Der Urin färbt sich dann braun – ein ernstzunehmendes Warnsignal«, weiß der Facharzt aus München. Das freigewordene Myoglobin kann die Niere schädigen, im schlimmsten Fall droht ein akutes Nierenversagen. Die Kombination von Statinen mit dem Fibrat Gemfibrozil erhöht das Risiko für eine Rhabdomyolyse. Zu beachten ist auch, dass der Abbau eines Statins über die Cytochrom-Isoenzyme der Leber durch andere Arzneistoffe oder Nahrungsmittel gehemmt werden kann. Simvastatin beispielsweise wird hauptsächlich über CYP3A4 metabolisiert. Nehmen Patienten gleichzeitig starke Inhibitoren dieses Enzyms wie Azol-Antimykotika, Makrolide, HIV-Protease-Inhibitoren oder Verapamil ein, steigt das Risiko für eine Rhabdomyolyse. Diese Kombinationen sind daher kontraindiziert.

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