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Verspannung, Steifheit, Schmerzen

Muskelprobleme durch Arzneimittel

Nicht nur durch Statine

Außer Statinen können auch Fibrate und Ezetimib, einige Antibiotika (zum Beispiel Levofloxacin, Cotrimoxazol, Isoniazid), Psychopharmaka (wie etwa Risperidon, Olanzapin, Venlafaxin, Mirtazapin), Antiepileptika (zum Beispiel Gabapentin, Pregabalin, Valproinsäure), Virostatika (wie Lamivudin, Tenofovir), Immuntherapeutika (etwa Interferon, Adalimumab, Nivolumab) sowie Theophyllin, Losartan und Isotretinoin eine Rhabdomyolyse auslösen. Auch der Konsum von einigen Suchtmitteln wie Heroin oder Alkoholexzesse kommen als Ursache infrage. An eine Rhabdomyolyse mit Myoglobinurie, die ein akutes Nierenversagen verursachen kann, ist auch als Komplikation beim malignen neuroleptischen Syndrom zu denken. Dabei handelt es sich um ein seltenes, aber lebensbedrohliches Krankheitsbild, das durch Dopaminantagonisten (vor allem Neuroleptika), Lithium oder trizyklische Antidepressiva ausgelöst werden kann. Das maligne neuroleptische Syndrom entsteht meistens in den ersten vier Wochen nach Therapiebeginn, wenn Patienten die betroffenen Medikamente in hoher Dosierung oder schneller Aufdosierung einnehmen.

Statine können auch weniger schwerwiegende, dafür aber häufigere Nebenwirkungen am Muskel auslösen, wie Myalgien oder Myopathien. Diese äußern sich durch Muskelschmerzen, -steifheit und -krämpfe. Auch Fibrate, Doxazosin, Mirtazapin oder Gabapentin können myotoxisch wirken und Myalgien hervorrufen.

Bei muskulären Nebenwirkungen ist auch an das HIV-Medikament Zidovudin (Azidothymidin, AZT) zu denken. Es kann den Skelettmuskel angreifen und zu einer sogenannten mitochondrialen Myopathie führen. Bei dieser Störung entstehen in der Peripherie von Muskelfasern vermehrt pathologisch veränderte, defekte Mitochondrien, die nach Anfärbung unter dem Mikroskop rot erscheinen. Symptome der Myopathie sind Schmerzen und Schwäche in der Muskulatur von Oberarm und Oberschenkel und eine deutliche Erhöhung der Kreatinphosphokinase. Heute setzen Ärzte Zidovudin wegen des ungünstigen Nutzen-Risiko-Potentials nur noch zurückhaltend und meist in niedriger Dosierung ein. Zu beachten ist, dass die Muskelschäden auch durch die HIV-Infektion selbst ausgelöst werden können.

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