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Kraftverlust

Muskelschwund nicht nur im Alter

»Die häufigsten Formen der Nerven- und damit auch Muskelerkrankungen werden durch Giftstoffe wie Alkohol oder Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus verursacht«, sagt Wenninger. Die toxischen Substanzen führen ebenso wie die Zuckerkrankheit zu Nervenschädigungen (Neuropathien). Arbeiten Nerven nicht mehr richtig, werden Muskeln nicht mehr adäquat innerviert. Dadurch büßen die Muskeln immer mehr an Kraft und Funktion ein. Zwischen 5 und 8 Prozent der Bevölkerung sind davon betroffen, von den Diabetikern leiden etwa 11 Prozent an einer Polyneuropathie. Auch Arzneimittel können Muskelmasse zum Schwinden bringen. So ist eine medikamentös-induzierte Polyneuropathie beispielsweise als unerwünschte Wirkung vom Malariamittel Chloroquin, von kardiovaskulären Medikamenten wie Amiodaron oder den Antibiotika aus der Gruppe der Chinolone bekannt. »Eine muskelschädigende Wirkung tritt auch häufig unter der Behandlung mit Statinen auf«, erklärt der Experte. Ebenso, wenngleich seltener, kann das bei einer Langzeitbehandlung mit Glucocorticoiden vorkommen.

Neuropathien können auch entstehen, wenn Menschen Umweltgiften wie den Schwermetallen Quecksilber, Blei, Arsen oder Pflanzenschutzmitteln ausgesetzt sind. Bei Alkohol gelten bereits Mengen über 100 g pro Tag als schädlich für die Nerven. Hier führen neben der direkt toxischen Wirkung des Genussmittels auch ein Mangel an B-Vitaminen sowie Abbauprodukte wie Acetaldehyde zu Nervenschädigungen und dann auch zu Muskelschwund.

Vielfältige Symptome

Muskelschwund kann ein- oder beidseitig auftreten. »Meistens sind bestimmte Gruppen von Muskeln betroffen«, so der Arzt aus München. Die Gründe dafür seien noch nicht im Detail geklärt.

Patienten klagen über schmerzende Gliedmaßen vor allem bei Belastung sowie einen Verlust an Muskelkraft und eine Ausdauerintoleranz. Alltagstätigkeiten wie Gehen, Treppensteigen, Einkäufe tragen oder einfache Hausarbeiten fallen immer schwerer. Gerade bei älteren Menschen ist das erhöhte Risiko, sich falsch zu bewegen und sich durch Stürze Folgeverletzungen zuzuziehen, problematisch. Schlucken oder Sprechen kann mühsam werden. Zu den Symptomen können auch vermehrte Muskelkrämpfe und Muskelzuckungen gehören. Frühe Warnzeichen sind bei vielen Patienten eine Lähmung des Zehenspreizers und ein Verlust an Muskelmasse des Zehenextensors im Fuß.

Äußerlich kann das Körperteil, etwa ein betroffenes Bein, auch dünner wirken. Es gibt aber auch Krankheiten, bei denen Patienten optisch unauffällig sind, da Fett- oder Bindegewebe den Platz des Muskelgewebes einnimmt.

Bei den genetisch bedingten Formen können Kinder bereits im Mutterleib erste Symptome zeigen. Sie bewegen sich auffällig wenig. Später sind eine ausgeprägte Trinkschwäche, ein häufiges Verschlucken, Husten, eine geringe Nahrungsaufnahme und Gedeihstörungen mögliche Anzeichen. Entwicklungsschritte wie das Erlernen des aufrechten Sitzens oder die ersten Gehversuche erfolgen verzögert, später machen sich ein unsicherer oder anderweitig auffälliger Gang sowie Haltungsstörungen bemerkbar. In den weiteren Jahren nimmt die muskuläre Ausdauer ab, und die Muskulatur wird schwächer. Oft werden Ärzte erst durch solche Symptome im Jugend- oder Erwachsenenalter auf die Krankheit aufmerksam.

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