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OTC-Beratungscheck

Myrtol und Cineol

Kontraindikationen, Neben- und Wechselwirkungen: OTC-Arzneimittel sind nicht weniger beratungsintensiv als verschreibungspflichtige. In der Serie »OTC-Beratungscheck« fasst PTA-Forum die wichtigsten Hinweise zu ausgewählten OTC-Präparaten für die Beratung übersichtlich zusammen. Diesmal: Myrtol und Cineol zur Schleimlösung in den Atemwegen
Michelle Haß
20.01.2020
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Arzneistoffgruppe

Pflanzliche Arzneimittel zur Schleimlösung in den Atemwegen

Präparate

Beispiele: GeloMyrtol® forte (Myrtol® bzw. ELOM-080: Mischung von rektifiziertem Eukalyptusöl, rektifiziertem Süßorangenöl, rektifiziertem Myrtenöl und rektifiziertem Zitronenöl), Sinolpan® forte, Soledum® Kapseln forte (Cineol), Cineol Pohl 300 mg

Indikation

Zur Behandlung der Symptome bei Bronchitis und Erkältungskrankheiten der Atemwege (auch der Nasennebenhöhlen). Zur Schleimlösung und Erleichterung des Abhustens.

Dosierung/Anwendung

  • Dosierung Myrtol: eine Einzeldosis entspricht 300 mg Destillat, ab 12 Jahren 3- bis 4-mal täglich, Tageshöchstdosis 1200 mg Destillat.
  • Dosierung Cineol: eine Einzeldosis entspricht je nach Präparat zwischen 300 und 400 mg, ab 12 Jahren je nach Schwere der Erkrankung 3- bis 4-mal täglich, Tageshöchstdosis zwischen 900 und 1200 mg
  • Eine halbe Stunde vor dem Essen mit reichlich kalter Flüssigkeit einnehmen. Nicht zusammen mit heißen Getränken einnehmen!
  • Zur Erleichterung der Nachtruhe kann die letzte Dosis vor dem Schlafengehen eingenommen werden.
  • Bei empfindlichem Magen empfiehlt sich die Einnahme zur Mahlzeiten, um Beschwerden vorzubeugen.

Kontraindikationen/Warnhinweise

  • Nicht bei entzündlichen Erkrankungen im Magen-Darmbereich und im Bereich der Gallenwege, sowie schweren Lebererkrankungen.
  • Ätherische Öle können bei Säuglingen und Kindern zu Verkrampfungen des Kehlkopfes und Atemnot führen. Aus diesem Grund sollte die Anwendung nicht bei Kindern unter zwei beziehungsweise sechs Jahren (abhängig vom jeweiligen Präparat) erfolgen.
  • Bei Asthma bronchiale, Keuchhusten oder anderen Atemwegserkrankungen, die mit einer ausgeprägten Überempfindlichkeit der Atemwege einhergehen, nicht oder nur nach Rücksprache mit dem Arzt einnehmen.

Nebenwirkungen

Die enthaltenen ätherischen Öle können den Magen reizen. Aus diesem Grund treten häufig Magen- oder Oberbauchschmerzen auf.

Gelegentlich Entzündungen der Magen- oder Darmschleimhaut, Überempfindlichkeitsreaktionen sind möglich.

Wechselwirkungen

Vorsicht ist geboten bei gleichzeitiger Anwendung von Arzneimitteln mit enger therapeutischer Breite. Tierexperimentelle Untersuchungen deuten auf eine mögliche Induktion von Cytochrom-P450-Enzymen durch hohe Dosen Cineol hin. Aus diesem Grund kann bei der Einnahme von Cineol-haltigen Präparaten die Wirkung anderer Arzneimittel teilweise abgeschwächt und/oder verkürzt werden. In-vitro Untersuchungen mit Eukalyptusöl (enthalten in Myrtol) haben eine Inhibition von CYP3A4 gezeigt. Beim Menschen konnte eine derartige Wirkung bei bestimmungsgemäßer Anwendung jedoch bisher nicht festgestellt werden.

Schwangerschaft/Stillzeit

Je nach Wirkstoff liegen keine oder nur wenig Daten zur Einnahme während der Schwangerschaft und Stillzeit vor. Aus diesem Grund empfehlen die Hersteller, die Präparate während dieser Zeit nicht beziehungsweise nur nach Rücksprache mit dem Arzt anzuwenden. Aufgrund der fettlöslichen Eigenschaften der Wirkstoffe kann ein Übertritt in die Muttermilch nicht ausgeschlossen werden. Der Geschmack der Milch kann sich so verändern und zu Trinkproblemen beim Säugling führen.

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