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Arzneipflanzenporträt

Nachtkerze

Die Samen der Nachtkerze liefern ein fettes Öl mit wertvollen essenziellen Fettsäuren wie Gamma-Linolensäure. Nachtkerzenöl ist besonders für Neurodermitiker interessant: Es soll die Barrierefunktion der Epidermis stärken und so die Symptome lindern.
Annette Immel_Sehr
28.11.2019
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Merkmale

  • zweijährige krautige Pflanze
  • im ersten Jahr am Boden aufliegende Blattrosette
  • im zweiten Jahr bis zu 1 m hoher Stängel, im oberen Teil ästig verzweigt
  • kurz gestielte, stängelständige Laubblätter, lanzettlich, etwa 10 cm lang, klein gezähnelt
  • rötlich überzogene, etwa 20 cm lange und 5 cm breite Pfahlwurzel
  • hellgelbe, duftende 2,5 bis 3 cm große Blüten, in Ähren stehend
  • Blütezeit Juni bis September
  • bis 3 cm lange, längliche, vierkantige, behaarte Kapseln mit über 200 dunkelgrauen bis braunschwarzen Samen

Heimat

  • Nordamerika
  • Kultivierung in Amerika und Europa

Arzneilich verwendete Pflanzenteile

  • aus den zerkleinerten Samen durch Warmpressung und anschließender Raffination gewonnenes fettes Öl (Oenotherae oleum raffinatum)
  • zur Ölgewinnung können auch die Samen der Rotkelchigen Nachtkerze, Oenothera lamarckiana de Vries, verwendet werden

Inhaltsstoffe

  • Triglyceride vorwiegend mit Linolsäure (65 bis 80 Prozent) sowie Gamma-Linolensäure (8 bis 14 Prozent)

Medizinische Anwendung

  • innerlich zur Linderung von Juckreiz bei akut oder chronisch trockener Haut (Einstufung als traditionelles pflanzliches Arzneimittel durch HMPC)

Empfohlene Dosierung

  • siehe Packungsbeilage

Nebenwirkungen

  • Übelkeit
  • Verdauungsstörungen
  • Kopfschmerzen
  • Überempfindlichkeitsreaktionen der Haut

Wechselwirkungen

  • keine bekannt

Kontraindikationen

  • Alter unter einem Jahr (fehlende Daten zur Sicherheit)

Abgabehinweise

  • Patienten, bei denen eine Epilepsie bekannt ist, sollten sorgfältig beobachtet werden, da Gamma-Linolensäure in höherer Dosierung möglicherweise die Gefahr von epileptischen Anfällen erhöht.
  • In der Schwangerschaft nur nach strenger Indikationsstellung anwenden

Beispiele für Monopräparate

  • Pure Encapsulations Nachtkerzenöl Kapseln

Beispiele für Kombinationspräparate

  • Doppelherz Meno Rotklee+Nachtkerzenöl+Biotin
  • Nachtkerzenöl Kapseln Hecht-Pharma
  • Nachtkerzenöl-Schwarzkümmelöl Kapseln Biofrid
  • Sovita Nachtkerzenöl Kapseln

Leckerbissen für Nachtfalter

Der deutsche Name »Nachtkerze« spielt darauf an, dass sich die Blüten erst am Abend öffnen. Bei beginnender Abenddämmerung blühen sie innerhalb weniger Minuten mit einem Plopp auf und leuchten dann wie Kerzen weithin sichtbar. Nach etwa 20 Minuten verströmen die Blüten einen intensiv süßlichen Duft, mit dem sie Nachtfalter anlocken, die den Nektar aufnehmen. Mit den ersten Sonnenstrahlen schließen sich die Blüten und fallen bald danach ab.

Schinkenwurzel als Fleischersatz

Die Nachtkerze wird nicht nur wegen ihres Öls geschätzt, sondern wurde früher vor allem vielfältig in der Küche eingesetzt. Die jungen Blätter können roh als Salat oder gekocht als Gemüse, ähnlich wie Spinat, zubereitet werden. Besonders verbreitet war die Verwendung der fleischigen, rübenartigen Wurzel. Sie kann ähnlich der Schwarzwurzel als Gemüse verarbeitet werden. Da sie sich beim Kochen schinkenrot färbt, erhielt sie im Volksmund die Bezeichnung Schinkenwurzel. Wie das nachfolgende Sprichwort belegt, wurde ihr Wert hoch geschätzt: Ein Pfund der Nachtkerzenwurzel gibt mehr Kraft als ein Zentner Ochsenfleisch.

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