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Im Alter gut versorgt

Nährstoffe im Blick behalten

Bei hoch altrigen, kranken oder pflegebedürftigen Senioren verstärken sich Appetitlosigkeit, Probleme mit dem Kauen und Schlucken und die Fähigkeit, mit Messer und Gabel umzugehen. Parallel können bestehende Erkrankungen die Nährstoffaufnahme oder -verwertung stören. Besonders Senioren in einem Krankenhaus oder Pflegeheim haben ein erhöhtes Risiko für eine Mangelernährung. Damit steigt auch die Gefahr für Infektionen, Störungen in der Wundheilung oder weiteren Verlusten an körperlicher und geistiger Leistungsfähigkeit.

Dennoch wird Mangelernährung bei Senioren kaum erfasst. Das gilt auch für Krankenhäuser und Pflegeheime – trotz des dort erhöhten Risikos, das die Auswertung zahlreicher Protokolle am sogenannten »nutritionDay-Projekt« ergeben hat. Dieses weltweite Projekt hat das Ziel, Ernährungsprobleme in Kliniken und Pflegeheimen aufzuzeigen. Initiiert wurde es 2006 aufgrund einer Resolution des Europarats, die auf eine Verbesserung der Ernährungsversorgung in Krankenhäusern abzielt. Seither nehmen 64 Länder an der Erhebung teil. Inzwischen werden auch Pflegeheime miteinbezogen. Die Daten zur Ernährungssituation in den Häusern werden durch standardisierte Fragebogen einmal im Jahr mithilfe von Personal und Patienten erfasst.

An der letzten Auswertung aus Deutschland 2018 waren 25 Kliniken mit 48 Stationen und 767 Patienten sowie 128 Pflegeheime mit 5338 Bewohnern beteiligt. Die Ernährungsexperten, die die Daten für den 14. DGE-Ernährungsbericht ausgewertet haben, stufen die Gesundheitslage der Patienten in Kliniken und bei Pflegeheimbewohnern als besorgniserregend ein. Die teilnehmenden Einrichtungen berichteten, dass es bei bis zu einem Drittel der Klinikpatienten und knapp einem Viertel der Pflegeheimbewohner Hinweise auf Mangelernährung gibt. Obwohl die Krankenhausmortalität lediglich 2 Prozent betrug, ließ sich dabei ein deutlicher Zusammenhang mit dem Ernährungszustand erkennen. Auch die weiter erforderliche Aufenthaltsdauer in der Klinik brachten die Experten klar mit dem Ernährungszustand in Verbindung. Nur zehn Prozent der Kliniken verfügen über eine Diätassistenz. Im europäischen Vergleich sind es dagegen 63 Prozent. Auch bei der Häufigkeit von Ernährungsteams liegt Deutschland deutlich hinter den europäischen Nachbarländern. Von den Pflegeheimen hat immerhin knapp ein Drittel Zugang zu einer Diätassistenz. Einen Ansprechpartner für Ernährungsfragen gab es jedoch nur bei knapp der Hälfte.

Zu vermuten ist, dass bei der freiwilligen Teilnahme am nutritionDay nur diejenigen mitmachen, die sich bereits für ernährungsmedizinische Belange interessieren. Daher gehen Experten davon aus, dass die Situation insgesamt eher noch schlechter ausfällt. Sie raten dringend, die Ernährungssituation in Kliniken und Pflegeheimen zu verbessern, um die Entwicklung von Mangelernährung zu vermeiden und bestehende Ernährungsprobleme adäquat zu behandeln. So sollten Kliniken und Pflegeeinrichtungen bei der Aufnahme routinemäßig den Ernährungszustand erheben und bei Auffälligkeiten weitere diagnostische und therapeutische Maßnahmen ergreifen. Auch die Schulung von Pflegepersonal, ernährungsmedizinisches Wissen in der Ausbildung von Gesundheitsberufen und die Präsenz von ernährungskompetenten Fachkräften sollten künftig als Standard etabliert werden.

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