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Parenterale Ernährung

Nährstoffe über die Vene

Bei einer totalen parenteralen Ernährung (TPE) werden Wasser und Nährstoffe wie Aminosäuren, Glucose, Lipide und Elektrolyte intravenös verabreicht. Was ist bei der Zusammensetzung der Ernährungslösung und ihrer Gabe zu beachten?
Egid Strehl
21.01.2020  09:00 Uhr

Das Hauptziel der künstlichen Ernährung ist die Prävention oder Behandlung einer krankheitsspezifischen Mangelernährung. Ein weiteres Ziel kann sein, einen pathologisch veränderten Stoffwechsel und spezielle Organ- oder Gewebefunktionen positiv zu beeinflussen.

Patienten mit einer Mangelernährung – beispielsweise aufgrund von Fieber, Infektionen oder konsumierenden Krankheiten – sollten möglichst frühzeitig erkannt werden. Denn klinische Folgen einer Mangelernährung können ein erhöhtes Infektionsrisiko, eine verzögerte Wundheilung und ein dadurch erhöhtes Dekubitusrisiko, Proteinverluste mit Abbau der Muskelmasse und Ödembildung sowie ein erhöhtes Mortalitätsrisiko sein.

Eine Ernährungstherapie ist indiziert, wenn unter anderem folgende Kriterien vorliegen:

  • Body-Mass-Index (BMI) < 18,5 kg/m 2
  • unbeabsichtigter Gewichtsverlust von > 10 Prozent in den vergangenen drei bis sechs Monaten
  • BMI < 20 kg/m 2 und vorausgehender unerklärlicher Gewichtsverlust > 5 Prozent
  • voraussichtliche Nahrungskarenz von mehr als sieben Tagen
  • Serumalbumin-Konzentration unter 30 g/l.

Energie und Proteine

Der Energiebedarf eines Patienten ist abhängig von seinem Ruheenergieumsatz, auch Grundumsatz genannt (Resting Energy Expenditure, REE), von Aktivitätsfaktoren, dem Ernährungszustand und der Art der Erkrankung.

Proteine können nicht gespeichert werden; daher muss ein Verlust oder Mangel schnellstens ausgeglichen werden. Bei stabiler Stoffwechsellage benötigt ein gesunder Erwachsener unter 65 Jahren mindestens 0,8 g/kg Körpergewicht. Über 65-Jährige haben einen etwas höheren Bedarf von 1 g/kg KG oder mehr.

Der Flüssigkeitsbedarf richtet sich ebenfalls nach dem Alter und krankheitsbezogenen Kriterien. Er sollte das durch Stoffwechselprozesse gebildete Oxidationswasser und den Wassergehalt der festen Nahrungsbestandteile oder der parenteral zugeführten Nährlösungen berücksichtigen. Bei der Ernährung mit Infusionen muss auch die Flüssigkeitszufuhr im Rahmen der parenteralen Arzneimitteltherapie (zum Beispiel Antibiotika) einkalkuliert werden. Richtwerte für den Flüssigkeitsbedarf sind: 35 ml/kg KG/Tag bei Gesunden von 19 bis 50 Jahren und 30 ml/kg KG/Tag bei Gesunden über 50 Jahre.

Bei der Auswahl einer künstlichen Ernährung sind klinische Aspekte, die krankheitsbedingte Situation, die Verträglichkeit, die voraussichtliche Dauer der Ernährungstherapie und mögliche Komplikationen zu berücksichtigen. Komplikationen betreffen vor allem Funktionsstörungen des Gastrointestinaltrakts und Verwertungsstörungen der zugeführten Substrate. Auf Stoffwechselentgleisungen ist besonders bei Diabetikern zu achten.

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