PTA-Forum online
Dosierung, Dauer, Gebrauch

Nasentropfen bei Kindern richtig anwenden

Ist die Nase beim Nachwuchs verstopft, helfen Eltern ihren Kindern häufig mit abschwellenden Nasentropfen. Was viele nicht wissen: Diese sind zwar grundsätzlich auch für die Kleinen geeignet, die Überdosierung oder Verwendung eines ungeeigneten Präparates kann jedoch schwere Folgen haben. Was bei Nasentropfen oder -sprays für Kinder beachtet werden sollte, weiß die Landesapothekerkammer Hessen.
Katja Egermeier
11.02.2022  15:00 Uhr

Werden abschwellende Nasensprays oder -tropfen (Dekongestiva) verwendet, so sollte vor dem ersten Gebrauch unbedingt in der Apotheke abgeklärt werden, welches Präparat, welche Dosierung und welche Darreichungsform für das Kind am besten geeignet ist. Dabei sollte schon bei der Beratung in der Apotheke genau das Alter des kleinen Patienten erfragt werden.

Größere Kinder können ebenso wie Erwachsenen ein Spray nutzen, das eine definierte Menge der Lösung gleichmäßig in der Nase vernebelt, wie Ursula Funke, Präsidentin der Apothekerkammer, erklärt. Für Kleinkinder oder Säuglinge, die abschwellende Nasentropfen möglichst nur nach ärztlicher Verordnung erhalten sollten, seien dagegen Dosiertropfer besser geeignet. Diese geben immer nur einen Tropfen ab und verhindern so, dass die Lösung bei den sehr kleinen Nasen statt in die Nase in den Rachen gelangt. 

»Besonders bei Babys drohen schwere Vergiftungserscheinungen«
Ursula Funke, Präsidentin der Landesapothekerkammer Hessen

Funke weist auch darauf hin, dass den Eltern bewusst sein sollte, dass die abschwellende Wirkung nicht sofort einsetzt. Das könne sonst dazu verführen, nachzudosieren und damit zu viel Lösung zu verabreichen. »Bei einer Überdosierung durch die falsche Menge oder ein ungeeignetes Präparat können eine Reihe negativer Folgen auftreten«, warnt die Kammerpräsidentin. Bei Babys könne es zu schweren Vergiftungserscheinungen kommen oder – in weniger schweren Fällen – die Nasenschleimhaut durch Austrocknung geschädigt werden.

Nasentropfen und -sprays richtig anwenden

  • Nase putzen, bei Kindern den Schleim mit einem Sekretsauger aus der Nasenhöhle entfernen.
  • Tropfen bei weit zurückgebeugtem Kopf in die Nase eintropfen, Kleinkinder hinlegen. Kopf danach beugen und schwenken, damit die Lösung nicht in den Rachen abfließt.
  • Die Pipette oder knautschbare Sprayflaschen zusammen­gedrückt aus der Nase ziehen, sonst gelangt Nasensekret in die Zubereitung.
  • Pipette danach mit einem sauberen Tuch abwischen.
  • Jedes Familienmitglied erhält eine eigene Flasche; mit dem Namen beschriften, um Ansteckung zu vermeiden.

Abhängigkeit vermeiden

Vom Alter unabhängig und damit für Kinder wie auch für Erwachsene problematisch ist außerdem das sogenannte Rebound-Phänomen. Dieses tritt laut Funke auf, wenn Nasentropfen oder -sprays längere Zeit – häufig schon nach zwei Wochen – regelmäßig verwendet werden und einen Gewöhnungseffekt der Nasenschleimhaut auslösen. Dadurch schwellen die Schleimhäute übermäßig an, sobald die Wirkung des Präparats nachlässt. Der abschwellende Effekt tritt dann nur noch durch immer höhere Dosen in immer kürzeren Abständen ein. Die Betroffenen entwickeln das Gefühl, nicht mehr ohne ihr Spray auszukommen. Das startet einen Teufelskreis, der schließlich zu einer chronisch verstopften Nase führt.

In der Folge seien die Nasenschleimhäute dauergereizt und trocknen allmählich aus, wodurch sie sich zurückbilden und ihre Abwehrfunktion nicht mehr erfüllen können – das Infektionsrisiko steigt, warnt Funke. Das führe nicht nur dazu, dass sich Borken in den Nasenhöhlen bilden und die Nase leicht blutet, sondern erhöhe auch das Risiko eines Keimbefalls. In schweren Fällen einer Nasenspray-Abhängigkeit könne es sogar zu Erstickungsängsten mit Luftnot kommen, wenn Betroffene das Medikament absetzen.

Eine weitere Komplikation ist eine Besiedlung der degenerierten Schleimhaut mit Keimen. Deren typisch grünlicher Belag verströmt einen fauligen Geruch, weshalb diese – auch belastende – Komplikation als »Stinknase« bezeichnet wird.

Um ein solches Szenario zu verhindern sollten Nasenspray und -tropfen nicht nur zum jeweiligen Patienten(alter) passen, sondern auch stets streng nach Vorschrift angewendet werden: maximal sieben Tage und nur in der im Beipackzettel angegebenen Dosierung.

Mehr von Avoxa